Ein offener Brief an…Timm Thaler

Lieber Timm,

ich bin mir nicht sicher, ob ich vielleicht die letzte meiner Art bin, die sich noch an Sie und Ihre packende Geschichte erinnert? Es ist nun schon geschlagene 34 Jahre her, als Sie entschieden haben,  Ihr herzhaftes Lachen zu verkaufen, nur um im Gegenzug dafür jede Wette zu gewinnen.

Donnerlittchen – was habe  ich damals mit Ihnen mitgefiebert! Sie wurden von Episode zu Episode depressiver– und ich mit Ihnen. Gut, man kann sich jetzt schon irgendwie darüber streiten, warum Sie erst nach 12 Episoden geschnallt haben, Ihr Lachen durch eine Wette wieder zurückzuholen. Aber hey– Firlefanz – darum geht es mir heute gar nicht.

Timm, es wird Sie überraschen – aber Ihre Geschichte ist aktueller denn je. Für den Erfolg das eigene Lachen aufs Spiel setzten – das erlebe ich tagtäglich – und zwar in den Leistungsabteilungen vieler Unternehmen. Ich beobachte das nun schon eine ganze Weile und komme daher nicht umher mich zu fragen:

Warum lacht eigentlich niemand mehr?

„Also wir lachen sehr viel im Büro!“ höre ich es nun ausrufen. Und wissen Sie Timm, das glaube ich sogar. Ich glaube, dass hier und da in den Büroräumen und Meetings gelacht wird. Ich beobachte jedoch auch, dass viele Arbeitnehmer mit jeder erklommenen Sprosse auf der Karriereleiter ein Stück Lachen zurücklassen.

Ich sage nicht, dass das bei jedem und überall so ist. Und doch sage ich es aus Erfahrung! Ich bin Führungskraft im mittleren Management. Und die haben ja bekanntlich so gar nichts mehr zu lachen! Erfolgszwang von oben, Unzufriedenheit von unten. Und wir „middle Manager“ eben mittendrin. Da kann einem zugegebenermaßen schon mal das Lachen im Halse stecken bleiben. Und doch wäre es gerade jetzt so wichtig!

Ja klar, ich weiß, was Sie jetzt denken, Timm. Es wäre von Vorteil, die humoristischen Gene Woody Allens zu haben, um bei all den Restrukturierungen, den Sparmaßnahmen und dem Erfolgsdruck mal wieder richtig lauthals loszulachen. Aber es ist, wie es ist: Es kann manchmal genau das sein, was hilft – dem Team, dem Chef und sogar ganzen Abteilungen.

Mir fällt ehrlicherweise nichts ein, was verbindender für Gruppen in Arbeitsumgebungen sein kann, als gemeinsam zu lachen. Lachen baut Spannungen ab und ist gesund! Das weiß die „Apotheken Rundschau“ und jedes Krankenhaus im Umkreis. Doch was dort schon lange professionell praktiziert wird, macht halt vor den Manageretagen der Unternehmen. Woran liegt das?

Nun Timm, vielleicht schauen wir noch etwas genauer hin: Damit Lachen möglich wird, wäre eine gewisse Portion Humor (als Charaktereigenschaft und wenn das nicht gegeben-  dann wenigstens für Situationen) von Vorteil. Und da geht es schon los: Es ist leider ein schmaler Grat zwischen gutem und schlechtem – oder anders gesagt – zwischen aufwertendem und abwertendem Humor.

Mein Gefühl ist, das Letzteres manchen Führungskräften um einiges leichter von der Hand geht. Ganz nach dem Motto: „Eigentlich gehe ich zum Lachen in den Keller, aber ein Brüller zum Kollegen Meyer fällt mir noch immer ein“. Solche Abwertungen bugsieren den Chef aufs emphatische Abstellgleis, noch ehe dieser sein Schenkel klopfen beendet hat. Und doch gibt es gerade diese Kategorie an Witzbolde zuhauf in den Unternehmen. Die Gag-Scharlatane, die nur darauf warten, einen rauszuhauen. Getreu dem Motto: „Wenn alles schweigt und keiner lacht, dann hat der Chef `nen Witz gemacht!“

Mir fällt noch was ein, Timm. Ich denke an meine eigene Karriere zurück und erinnere ich mich an Feedbackgespräche, in welchen man mir mitteilte, dass „ich aufpassen soll, dass meine humorvolle Art mir keine Kompetenz im Umgang mit dem Leadership abspricht“.

Für mich drückt dieser Satz die Befürchtungen vieler Kollegen und manchmal ganzer Abteilungen aus. Humor im Job gilt nicht selten als unprofessionell! Lautes Lachen gar als Lärmbelästigung. Das Problem dabei: Humor wird oft mit „Flapsigkeit“ gleichgesetzt. Und gerade hier besteht ein riesen Unterschied: Die Flapsigkeit lässt den richtigen Ton vermissen, den guter Humor auf alle Fälle zu bieten hat!

Sind wir ehrlich, Timm, man kann auch viel falsch machen, mit dem Thema Humor im Job. Aber was heißt das nun für uns Manager? Sollen wir es machen wie Sie? Es dem Erfolg zuliebe wegsperren, verkaufen, unterdrücken?

„Natürlich nicht!“ würden Sie uns sagen. Und Sie haben Recht! Ich gehe sogar noch ein wenig weiter und plädiere ausdrücklich für Humor und Lachen im Job:

  • Ich plädiere dafür, offensichtlich komische Situationen nicht der Professionalität zu opfern.
  • Ich plädiere dafür, sich selbst bloß nicht zu ernst zu nehmen.
  • Ich plädiere dafür, über sich selbst lachen zu können- gerade als Chef.
  • Und ich plädiere dafür, die Kooperation untereinander mit Lachen anzukurbeln.

Humor gehört für mich ganz klar in das Berufsleitbild heutiger Manager! Es braucht solche Führungskräfte, die Humor aktiv für ein motivierendes Umfeld einsetzten. Auf Peer-Ebene – und selbstverständlich auch für die Teams.  Manager, die verstanden haben,  dass sie nicht ihr Gesicht verlieren, wenn sie mal komisch sind, sondern Sympathie und Aufmerksamkeit gewinnen!

Sie wissen das natürlich schon alles, Timm. Sie haben es ja selbst erlebt, wie einsam und unglücklich so ein Leben ohne Lachen macht. Sie haben verstanden, dass man es sogar verlernen kann, wenn man es nicht ständig übt.

Sie haben gelernt, dass nichts – auch nicht Erfolg – so nachhaltig glücklich macht, wie herzhaftes Lachen.

In diesem Sinne- lachen Sie viel und lachen Sie laut, Timm! Ich bin dabei!

Es grüßt Sie herzlich Ihre

Alex Götze

 

 

 

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