Heeeyyy, ab in den Süden, der Sonne hinterher

Der Süden Europas befindet sich in einer Krise, deren Ausmaß vorhersehbar war, aber dennoch nicht abgewendet werden konnte. Viele Gründe für die aktuelle Situation liegen – neben den unwiderlegbaren Tatsachen wie falsche Haushalts– und Kapitalpolitik und private Haushaltsverschuldung– ebenfalls in den Kulturen und Systemen der betroffenen Länder begründet.

Wirtschaften, die von Schattenwirtschaft, zu wenig verfolgter und bestrafter Steuerflucht, Bestechung und einem viel zu aufgeblasenen öffentlichen Apparat gezeichnet waren, mussten irgendwann in eine große Zahlungsliquiditätskrise geraten.

Doch, mir geht es in diesem Artikel nicht um eine weitere Analyse des Ist-Zustandes oder eine persönliche Interpretation und Meinungsbildung zu den aktuellen Umständen.

Jetzt muss es doch schlicht und einfach um die Zukunft gehen. Um die Menschen vor Ort, die jungen Menschen, die Arbeit finden wollen und müssen, um das System auch wieder finanzieren zu können. Die Armen & Alten, deren Versorgung durch den Staat gewährleistet werden muss (in Griechenland gibt es bereits Medikamentesammlungen)[1] und das Zusammenstehen als ein solidarisches Europa, welches die Zukunft von unserem Kontinent sichern und das Gemeinschaftsgefühl erhalten muss.

Wie können Unternehmen helfen und parallel damit auch ihre eigenen Ziele erfüllen und sich für die Zukunft vorbereiten?

Firmen überlegen stets wie sie an die besten Talente kommen. Doch was ist per definitionem ein Talent. Nach Wikipedia ist ein Talent im übertragenen Sinne eine „überdurchschnittliche Begabung“.[2] 

Wir würden hierzu sicherlich ergänzen, dass auch erlernte Fähigkeiten dazuzählen, die über eine solide und spezifische Ausbildung gewonnen wurden.

Oder wahrscheinlich auch alle Menschen, die nicht nur eine besondere Begabung, sondern auch eine tiefe Leidenschaft und Begeisterung für ein bestimmtes Gebiet oder Thema besitzen und dadurch zu den Besten ihres Fachs avancieren können.

In unseren Augen sind es somit all’ die Menschen, die ein besonderes Set an Fähigkeiten gepaart mit bestimmten persönlichen Eigenschaften ihr Eigen nennen. Dieses „Talent“ ist frei von Alter, Geschlecht, Herkunft, Sexualität, Ethnie oder sonstigen Merkmalen. Es beschränkt sich rein auf die innere Haltung, Motivation, Begabung, Lernfreude, Fleiß, Interesse und gedankliche Mobilität UND den Möglichkeiten zur Ausbildung und Lernen, die bereit gestellt werden.

Mit der Krise in Südeuropa erhöhen sich die Bewerberzahlen[3] aus den Ländern (Spanien, Griechenland, Portugal, Italien) in den mittel- und nordeuropäischen Ländern drastisch. Es muss keine Forschung betrieben werden warum dies der Fall ist. Eine Arbeitslosenquote von aktuell 33% in Griechenland[4], Portugal über 15%[5] oder in Spanien im Oktober 2012 26,2% und über 55% Jugendarbeitslosigkeit[6]  reichen als Indikatoren für diesen Trend aus.

Ab in den Norden – sollte doch so einfach sein

Eines der größten Probleme für eine internationale Karriere der viele Bewerberinnen und Bewerber aus den südeuropäischen Ländern ist immer noch die fehlende gemeinsame Sprachbasis. Englisch (interessanter Artikel zu der Darstellung der Fremdsprachenkenntnisse im CV)[7] ist in vielen Unternehmen heutzutage unerlässlich oder vielleicht sogar die gängigere Arbeitssprache als die Sprache des Landes, in dem ein Unternehmen ansässig ist.

Dies ist die Folge einer an sich wunderbaren kulturellen Eigenschaft und emotionalen Einstellung – die Liebe zur Heimat, der eigenen Tradition, Kultur und zur Familie.

Die oft als mangelnde Flexibilität oder fehlende internationale Orientierung – im Rahmen einer permanent wachsenden Globalisierung – interpretierte Einstellung vieler Menschen in Südeuropa, sind in meinen Augen etwas Wunderbares und zeichnet die Kulturen und die Gemeinschaft dort eher aus. Hier könnten viele andere Länder und Gesellschaften noch einiges davon lernen.

Gerade wir Mitteleuropäer, da es viele von uns doch immer so sehr in den Süden zieht – dorthin, wo man das Leben noch genießt, die Menschen so offen und freundlich sind, Familie den höchsten Stellenwert hat und das Materielle nicht annähernd so wichtig ist wie bei uns.

Generell sehen die Zahlen eigentlich ganz gut aus, nach einer globalen Studie von Stepstone sind 64% der Befragten bereit für eine berufliche Herausforderung im Ausland.[8]

Unternehmen helfen eine Sprache zu sprechen

Wenn wir als Unternehmen helfen und dabei auch gleichzeitig unsere eigenen zukünftigen Ziele erfüllen wollen, gäbe es unter anderem eine  relativ einfache Möglichkeit:

„Angebot von Englisch-Kursen für Studenten & Facharbeiter vor Ort in Südeuropa“

Natürlich ist keine Maßnahme „einfach“, doch mit dem richtigen Konzept kann man mit geringen Mitteln viel und vor allem nachhaltig etwas für Menschen und deren Leben verändern. 

Man könnte diese Kurse für Studenten, entweder unter dem Semester parallel zum Curriculum anbieten oder auch als freiwilliges Zusatzangebot. Oder in Semesterferien als Intensiv-Kurs „sponsored by“ einem Unternehmen oder Unternehmensverband.

Arbeitsmodelle sind vorstellbar als größere Kooperation mit Sprachschulen wie dem Instituto Cervantes[9] oder als kleine flinke Alternative mit Free Lancer Sprachlehrern.

Um die Organisation dieses Angebotes flach zu halten, kann man das Ganze mit einer Universität oder staatlichen Behörde vor Ort gemeinsam organisieren (Listen an Universitäten in Südeuropa).[10]

Bei einem professionell und valide umgesetzten Konzept sind folgende positive Implikationen möglich:

– Verbesserung der Sprachfähigkeiten und Vorbereitung für eine internationale Karriere vieler Menschen in Südeuropa

– Verbesserung des Employer Brands in Südeuropa – nachhaltiges Employer Branding

– Agieren als wahrhafter EUROPEAN Corporate Citizen

– Aktivieren der Passiven Candidate Pipeline[11]

– Vergrößerung der  Mid- to Longterm Candidate Pipeline

– PR- und Medienplatzierung durch das Agieren als verantwortungsbewusster Corporate Citizen

– Unterstützung der lokalen Ökonomie

– Erhöhung des spezifischen Produkt Sales-Volumens durch Imageverbesserung in Südeuropa (potentiell, abhängig von Produkt, Unternehmen, Historie, Präsenz in den Märkten vor Ort etc.)

Was kann in Unternehmen gegen eine Sprache sprechen?

Bei vielen Unternehmen kann dieser Ansatz an der Budgetsituation, fehlender Zielgruppen-Adressierung (z. B. keine Zieluniversitäten vor Ort), Mangel des Absatzmarktes oder generell einer anderen Markt- und Talent-Strategie scheitern.  Der Hauptgrund könnte der fehlende direkte Beitrag zur Erfüllung der POR und aktuellen „Tages“-Hiring-Ziele sein, da sich der Return-on-Invest erst mit einer größeren Zeitverzögerung einstellen kann.

Doch, in diesem Falle könnten sich Verbände, wie zum Beispiel der Branchenverband BITKOM oder auch HR-Verbände, wie der Quality Employer Branding Club e. V. ihrer Stärke bedienen, da sie viele Firmenmitglieder haben und man derartige Projekte mit kleinen Beiträgen von vielen Unternehmen umsetzen und damit eventuell auch einer ganzen Branche vor Ort helfen könnte.

Mit Projekten wie diesen können Unternehmen der Politik unter die Arme greifen, ihren Employer Brand stärken und den international einsetzbaren Talent Pool unterstützen und vergrößern.

So steht neben vielen anderen nun eine weitere Idee zur Unterstützung Südeuropas, klein und unscheinbar, sicher nicht ganz einfach in der finalen Umsetzung, doch in meinen Augen – ein guter erster Schritt ab in den Süden und der Sonne hinterher!

 
 

Florian Wurzer About Florian Wurzer

Florian Wurzer ist Diplom-Kaufmann und hat an der LMU in München studiert. Seit 2005 hat er vielfältige Erfahrungen in der HR-Profession - mit starkem Fokus auf Recruiting, Personalmarketing und Employer Branding - in unterschiedlichen Branchen gesammelt, von Siemens, Payback, über Danone, bis hin zur UniCredit, MICROSOFT und INTEL. Heute leitet er den Talent Acquisition Bereich der Region Süd bei der DB Mobility Logistics AG. Desweiteren ist er freier Dozent an der HS München und gibt Seminare in Projekt-, Marketing-, Event-Management und Kommunikationstrainings. Nebenbei hat er während seinem Studium 2008 begonnen große Charity-Projekte zu initiieren, unter anderem das heute größte Charity-Firmen Fussball-Turnier in Deutschland und den Münchner Geschenke-Regen. Hinzu organisiert er für Firmen auch weitere Corporate Volunteering Projekte und unterstützt soziale Einrichtungen mit Beratung, Bewerbungstraining und Fundraising.

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