Personalmarketing in der deutschen Uhrenindustrie: die Weihnachts-Edition.

Weinachtszeit – Bescherungszeit. Vielleicht haben auch Sie Ihrer Liebsten oder Ihrem Liebsten eine Uhr unter den Weihnachtsbaum bzw. noch besser ums Handgelenk gelegt. Weil ich selber nicht nur Bloggen sondern auch Uhren mag, habe ich im Sommer dieses Jahres einmal den Arbeitgeberauftritt Schweizer Uhrenfirmen etwas näher angeschaut. Eine Feder locker, war mein Fazit. Dieser Blog war einer meiner erfolgreichsten des Jahres. Darum habe ich mich von den festlich geschmückten Schaufenster der Uhrengeschäfte an der legendären Zürcher Bahnhofstrasse inspirieren lassen, meine Recherchen noch etwas auszuweiten und auch mal einen Blick über die Grenzen nach Deutschland zu machen. Daraus ist also sinngemäss meine Weihnachts-Edition über das Personalmarketing in der Uhrenindustrie geworden.

Die ultimative Komplikation: Personalmarketing in der Schweizer Uhrenindustrie. Diesen Beitrag habe ich am 29. August 2012 geschaltet. Er wurde 526 mal gelesen und schafft es damit auf Platz 3 meiner meistgelesenen Artikel. Darüber freue ich mich speziell, weil mir als Uhren Aficionado die Recherche bei diesem Thema ganz speziell viel Freude gemacht hat. Wobei angesichts des hundsmiserablen Arbeitgeberauftritts meine Liebe zu den Kunstwerken am Handgelenk auf eine harte Probe gestellt wurde. Es bleibt mir bis heute ein Rätsel, wie es der Branche gelingt, ihre Fachkräfte zu finden. Es muss wohl an der Strahlkraft der Marken liegen – die Arbeitgebermarke kann es definitiv nicht sein. Einzig die Schaffhauser IWC vermochte mich zu begeistern. Für meine Weihnachts-Edition habe ich noch einmal etwas recherchiert und bei sechs weiteren Uhrenmarken geschaut, ob deren Arbeitgeberauftritt besser tickt als bei den im Sommer unter die Lupe genommenen. Dabei bin ich ganz gezielt auch einmal bei drei erfolgreichen deutschen Uhrenfirmen vorbeigesurft.

Union Glashütte

Die Sachsen sind ja eigentlich Schweizer, seit 2000 gehört das Unternehmen zum Portfiolio von Swatch. Anyway. Die Zeitmesser aus Glashütte gefallen mir eigentlich sehr gut – schönes Design zu anständigen Preisen. Schön auch die Homepage. Nur: Informationen zur Arbeitgeberin Union oder freien Stellen? Schlicht Fehlanzeige.

Nomos

Diese Zeitmesser lassen mein Herz höher schlagen. Das reduzierte Design ist fantastisch und steht in einem angenehmen Kontrast zum verspielten, ja bisweilen überladenen Design anderer Uhren. Nomos verdient aber auch deshalb meinen Respekt, weil sie ihre Werke noch selber herstellen. Und ausserdem haben sie sich im ehemaligen Bahnhofsgebäude von Glashütte eingemietet – somit besteht sogar noch ein Bezug zum öffentlichen Verkehr.

Die Webseite kommt im selben wohltuenden Understatement wie die Uhren selber daher. Kein aufdringliches Design, sondern Informationen und eine ausgewählte Sprache. Welcher andere Hersteller bewirbt eines seiner Modelle schon mit „wunderschön schüchtern“ oder das Modell Zürich (passenderweise) als „unsere Teuerste“. Wow, super, gefällt! Auf der Startseite wurde sogar an einen Karriere Button gedacht. Vielversprechend. Leider hält die Unterseite nicht, was sie verspricht. Ein kurzer Text zur Einstimmung, dann die freien Stellen. That’s it. Das ist beim besten Willen keine Karriereseite. Was mich speziell enttäuscht: bei der Karriereseite ist es fertig mit der klaren Sprache – vielmehr dominieren nichtssagende Floskeln wie hier bei der Stellenanzeige eines Produktionsingenieurs:

Schade, bleiben die Vorzüge des Unternehmens nebulös.

A. Lange & Söhne

Bleiben wir in Glashütte, dem Zentrum Deutscher Uhrmacherkunst. Hier produzieren über 450 Mitarbeitende der Firma Lange Luxusuhren im obersten Segment. Das Unternehmen hat eine lange und wechselreiche Geschichte hinter sich und gehört seit einigen Jahren zum Genfer Richemont Konzern. Die schönen Zeitmesser mit dem charakteristischen Grossdatum kosten heute gut und gerne mehrere zehntausend Euro. Edel kommt auch die Webseite daher. Auf den ersten Blick die Enttäuschung: auch hier, trotz der ansehnlichen Firmengrösse, keine Hinweise zur Arbeitgeberin Lange. Aber dafür auf den zweiten Blick ein Lichblick: Es gibt Infos, und zwar nicht einmal schlecht gemachte! Leider wurden aus unerklärlichen Gründen die grundsätzlich durchaus liebevoll aufgemachten Informationen zum Arbeiten bei Lange sehr gut versteckt und es braucht einigen Entdeckergeist, um sie zu finden. Dort finden sich dann aber ansprechende aufgemachte Informationen, oft auch mit Bezug zur Fimentradition. Sie machen den Spirit der (Arbeitgeber-) Marke auf eine gute Art und Weise spürbar.

A propos spürbar: die Ausbildung junger Menschen scheint dem Unternehmen ein grosses Anliegen zu sein. Die Seite für künftige Auszubildende überzeugt.

Im Umfeld des Traditionshauses wirken selbst die an sich verstaubten Stelleninserate harmonisch und passend. Bewerbungen sind auf dem Postweg oder per E-Mail willkommen, Telefon- und E-Mailadressen sind aufgeführt. Fazit: Trotz der unklaren Navigation und den etwas speziellen Unterverzeichnissen bietet A. Lange & Söhne die mit Abstand besten Informationen für Azubis und potenzielle Mitarbeitende. Und einen Favoriten für mein linkes Handgelenk habe ich auch schon entdeckt: Den Datograph in Platin. Liebe Freunde aus Glashütte, wenn ihr einen Uhrenbotschafter in der Schweizer Bloggerszene braucht…!?

Drei Unternehmen, alle aus Glashütte. Da möchte ich Ihnen doch das Fundstück aus dem DDR-Staatsfernsehen nicht vorenthalten:

http://www.youtube.com/watch?v=h2gz_cR0hwg

Und die Schweizer?

Wenn Sie wissen wollen, was mich bei den renommierten Schweizer Uhrenfirmen Zenith, Breitling und Patek Philippe erwartet hat, warum ich mir plötzlich mehr Rap-Videos im Personalmarketing wünsche und welches Stelleninserat meine Stimme bei der Wahl der schlechtesten Anzeige 2012 erhält, dann schauen Sie doch einfach einmal hier vorbei.

Ob Schweiz oder Deutschland: in Sachen Arbeitgeberauftritt und Personalmarketing sollten die Uhren sehr bald einmal anders Ticken – sollte man meinen. Ach übrigens, wussten Sie eigentlich, woher das Ticken in den Uhren kommt?

Natürlich bleibe ich trotzdem meiner Leidenschaft für schöne Zeitmesser treu – schliesslich will ich ja Uhren tragen und nicht bauen. Mit meinen beiden linken Händen gehöre ich definitiv auch nicht zur Zielgruppe des Personalmarketings in der Uhrenbranche.

Auf Wiederlesen.

Joerg Buckmann About Joerg Buckmann

Jörg Buckmann bloggt aus der Schweiz - er wird immer wieder auch Themen einbringen, die vieleicht in Deutschland etwas weniger bekannt sind. Jörg Buckmann, 43, ist seit fünf Jahren zusammen mit seinem HR-Team bei den Verkehrsbetrieben Zürich für viele Themen der Personalarbeit zuständig - sein Herz schlägt aber besonders für Fragen des Personalmarketings und der Personalgewinnung. Diese Leidenschaft lebt er auch in seinem eigenen Blog "blog.buckmanngewinnt" aus. Die VBZ haben in der Vergangenheit immer wieder mit guten Ideen für positive Schlagzeilen gesorgt und sind unter anderem Preisträger des Queb für die beste Recruitingkampagne 2011 und Gewinner des HR-Contests der DGFP 2011 in Wiesbaden.

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