Ein offener Brief an…Remington Steele

Liebe Ms. Holt,

wie oft habe ich in der letzten Zeit an Sie gedacht! Es gab etliche Anlässe, zu denen ich Ihnen hätte schreiben sollen! Heute ist es endlich soweit. Heute muss ich Ihnen einfach meinen Respekt zollen: 

RESPEKT liebe Laura, Sie haben wirklich alles richtig gemacht und ihre Coolness ist nachahmungswürdig!

Ja richtig, Ihre Coolness. Ich kann verstehen, dass es Sie etwas überraschen muss, dass ich gerade dieses Attribut von Ihnen betone, wäre doch Ihre Schlagfertigkeit, Ihr Mut, Ihr volles Haar oder Ihr sicheres Händchen in der Auswahl Ihrer männlichen Mitarbeiter eher hervorzuheben.  

Lassen Sie mich etwas ausholen: Der Grund, warum ich gerade jetzt diese Sätze an Sie schreibe ist mein Puls, der ist nämlich auf 180! Ich bin hochgradig genervt und frage mich:

Was ist bloß mit dem Thema „Frauen im Beruf“ passiert?

Was sollen diese ganzen Ratgeber und Fragebogen, die mir sagen oder „raten“ wie ich als Frau im Job zu funktionieren habe?  

Wissen Sie, ich blätterte eben noch gelangweilt in einer Frauenzeitschrift, deren Name ich beim Inhaltsverzeichnis schon wieder vergessen hatte. Und während ich so an den Buchbesprechungen (wenn ich noch eine Kommentar zu „Shades of Gray“ lese, fessle ich jeden Literaturkritiker, der mir über den  Weg läuft!) und Farbtrends (Neon macht alt! Mist! Auch an den Füßen? Will doch unbedingt meine teuren Turnschuhe behalten!) vorbeiblättere, sehe ich auf der nächsten Seite in Times New Roman – Schriftgröße 18: 

Was Sie als Frau nie sagen sollten!

Untertitel: “In entscheidenden Jobsituationen sind weibliche Bescheidenheit und Selbstzweifel fehl am Platz”. Der Bericht handelt von 7 (absoluten Karriere-Killer) Sätzen,  die – falls ich sie jemals aussprechen sollte – mich sofort und für immer und ewig in die Mitarbeiter-Hölle,  Abteilung „bräsig“ verdammen würden. 

Das sind übrigens Sätze, wie:

„Da hatte ich Glück“.

Oder auch: „Das ist unfair“.

Oder, mein persönliches Highlight: „Vielleicht könnte man das so machen“ (Ganz ehrlich: Eine Frau die so einen verbalen Fauxpas loslässt- der gehört Karriere, KatzenMousepad  und Yucca Palme weggenommen!) 

Wissen Sie, warum Sie so cool waren, liebe Laura Holt? Weil Sie sich nie – aber wirklich nie – um solche Tipps geschert hätten!  Es war Ihnen nicht wichtig, was Frau darf oder nicht darf.  Sie hatten auch nicht das Gefühl einer Selbstaufgabe, als Sie entschieden haben, dass ein männlicher Detektei Name Sie mehr zum Erfolg bringt als der Ihre.  Man nahm Ihnen die „Frau Detektiv“ nicht ab. Na dann – her mit dem Männernamen und dem wirklich gutaussehenden….äääh…also männlichen Mitarbeiter.  Und wir reden hier nicht von Selbstverrat. Im Gegenteil: Sie zogen die Strippen im Hintergrund. Soll der schnieke Bub draußen doch so tun als ob. Die Chefin Ihrer Detektei waren immer noch Sie. 

Ich finde das einfach nachahmungswürdig und bemerkenswert. Machen, wie ich meine, dass es richtig ist. Wenn ich der Meinung bin, ich möchte alle Sätze mit einem „i“ beenden, dann tue ich das. Dann finde ich alles supi und sage herzlich danki. Und dann mache ich das, weil ich es a) kann – mir aber auch b) darüber bewusst bin, was ich damit bei meinem Gegenüber auslöse. Und da ist es herzlich egal, ob ich männlich oder weiblich bin. Manche Dinge sind nun mal fehl am Platz. Wenn ich sie aber trotzdem tue, dann weil ich ein erwachsener Mensch bin, der sich über die Konsequenzen im Klaren ist.

 Laura, ich sehe das so: Als MENSCH muss man sich seiner Möglichkeiten und Spielräume bewusst sein. Ich vergleiche menschliches Verhalten ja  gerne mit einer Jukebox. Ich muss viele Titel (=Charaktereigenschaften) in mir haben, die ich – der Situation entsprechend (!) – abspielen kann. Mal‘ ne HardrockNummer, mal was Mainstreamiges oder gerne auch mal Doris Day  („que sera, sera“ hat noch immer gezogen!). Welchen Titel ich abspiele ist meine Entscheidung. Denn ganz ehrlich – Musikgeschmack ist etwas ganz persönliches. Verhalten eben auch.

Es ist niemandem geholfen, mit Stigmas zu arbeiten. Frauen: Nicht ständig lächeln! Männer:  Hände aus den Taschen! Ich will nicht bestreiten, dass es eine Zeit gab, in der solche „Hilfestellungen“ angebracht waren. Aber die sind eine gute Weile her. Nicht auszudenken, die Frauenwelt würde sich heute ausschließlich anhand dieser Tipps in der beruflichen Welt bewegen.

Die Schizophrenie wäre vorprogrammiert: Während mein Chef mir den heißen Tipp gibt, mich in Meetings einfach mal wie ein Mann zu verhalten: „ …fluchen Sie doch mal, wenn Ihnen danach ist. Ein „Scheissdreck“ kann befreiend sein und wir Männer verstehen das“. Finde ich auf Amazon Frauenratgeber wie: „ Das Arroganz-Prinzip“ oder auch „ Fleißige Frauen arbeiten, schlaue steigen auf“.

Herrjeh, es braucht noch mehr Frauen wie Sie, Laura! Frauen, die auf ihr Bauchgefühl hören, wenn es um Erfolg geht. Sich ihrer Kompetenzen bewusst sind und ihr Ego zurückstellen können, wenn es die Situation verlangt. Sich nicht sagen lassen, wie sie zu sein haben oder welches Verhalten wann angebracht ist, weil sie es schlichtweg selbst einschätzen können. Frauen, die verstanden haben, Ratschlägen nur dann zu folgen, wenn sie selbst darum gebeten haben und diese für sie nachvollziehbar sind.

Ich für meinen Teil gehe noch mal die Titel in meiner CharakterJukebox durch. Finde, es ist mal wieder an der Zeit für Tracy Chapmans

 „Talking about a revolution“ !

 Es grüßt Sie herzlich Ihre

Alex Götze

 

Alexandra Götze About Alexandra Götze

Ich bin zertifizierter Business& Personal Coach mit Praxis in Wiesbaden. Im Business Bereich habe ich mich auf das Coaching von Führungskräften des mittleren Managements spezialisiert. Mehr über meine Arbeit und mich finden Sie unter: www.alexandragoetze.de
Da mir die Anbindung an ein Unternehmen wichtig ist, widme ich einen Teil meiner Zeit weiterhin Accenture. Als Verantwortliche für den Bereich Talent Strategies beschäftigen mich alle Themen rund um das Thema Talentbeschaffung, -entwicklung und –bindung.

Comments

  1. Hallo liebe Alex,

    super toll geschrieben 🙂 Einfach klasse und lustig noch dazu. Ich musste immer wieder mal schmunzeln und lachen. Das, was du sagen und auf den Punkt bringen wolltest perfekt verpackt.

  2. Liebe Alex, Du schreibst mir aus dem Herzen. Danke für Deinen zauberschönen (huch, evlt. ein weibliches Wort?) Artikel! Jörg

  3. Hallo Frau Goetze,

    der Beirag wurde mir über Henner Knabenreich (pm2Null=> Twitter) empfohlen. Gran. Dios!

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