Ein offener Brief an…das A-Team

Liebes A-Team,

wer hätte gedacht, dass ich meine Aufmerksamkeit eines Tages nun doch noch Ihnen widmen würde? Dass ich mir nicht nur Ihre Serie wieder anschaue, sondern Sie mich auch noch zu diesem Brief inspirieren?

Lassen Sie mich ehrlich sein: Diese Auseinandersetzung mit Ihnen war nicht wirklich mein Wunsch. Ich wollte einfach wieder in der Lage sein, mich mit meinem 9 jährigen Sohn zu unterhalten. Und da der von nichts anderem spricht, als von Ihnen, hieß es also auch für mich jeden Samstag: Guten Morgen Hannibal, Face, Murdock und B.A.

Dazu kommt: Ich wollte Ihnen und mir eine zweite Chance geben! Die letzten Jahrzehnte haben wir- aus mir unerklärlichen Gründen- nicht zusammengefunden.

Dabei mag ich ihr Serienformat. Schließlich bin ich doch auch waschechter Colt Seavers Fan. Ich stehe also auf US Serien, in welchen die Männer die Jobs machen und die Frauen total wichtig für dies und das sind. Blöd nur, dass man sich an dies und das dann nicht mehr erinnern kann – aber dafür sehr wohl an die Hupen der Hauptdarstellerinnen. Egal! Es ist am Ende doch trotzdem schön, wenn wenigstens irgendetwas nachhaltig im Gedächtnis bleibt.

Machen wir es kurz: Unsere zweite Chance hat uns fünf auch nicht wirklich zusammengebracht.  Wir kommen inhaltlich irgendwie nicht auf einen Nenner. Aber das macht nichts. Denn meine Herren, Sie haben mir schon auch die Augen geöffnet: Sie sind als Team ja „diverser“, als mir bewusst war. Aber warum hat es eigentlich nicht mit den Frauen im Team geklappt?

Also mache ich mich auf und recherchiere ein wenig zu dem Thema „A-Team und die Frauen“. Nun, die Kenner unter uns wissen natürlich, dass Sie ernsthaft probiert haben, Frauen ins Team aufzunehmen: Sie hatten die hübsche Amy und die knackige Tawnia. Die Damen durften sich nacheinander in der Rolle der „Reporterinnen“ versuchen.

Das Blöde war nur, dass beide nach ein paar Folgen wieder gefeuert wurden, weil sie – nach einem vielversprechenden Start – mehr wollten: Mehr Dialoge und mehr Actionszenen. Dinge, die nun wirklich nur Ihnen, den männlichen Protagonisten der Serie vorbehalten waren!

Und während ich das alles so lese, merke ich

Das A-Team inspiriert mich doch tatsächlich, mal wieder über das Thema Gleichberechtigung nachzudenken!

Gut, es ist nicht das ganze A-Team. Es sind Sie, Face. Wahrscheinlich naheliegend, dass gerade der Beau und Ladykiller der Serie zum Thema Frauen etwas zu sagen hat: In der englischen Dokumentation „Bring back…The A-Team“ erklären Sie uns, warum das so tricky war, mit den Frauen im A-Team: Sie haben sich „zu viel beschwert“ lassen Sie uns offen wissen. Und überhaupt war das A-Team eben die „letzte wirklich männliche Show“.

Und wo Sie schon mal am plaudern sind, kritisieren Sie gerade noch die Entwicklung des Feminismus im Fernsehen. Sie finden es nicht gut, „dass Männer jetzt so reden müssen, wie Frauen es hören wollen …!“Die Serie, so sagen Sie:„..ist  von Männern geschrieben, von Männern gespielt, für Männer gemacht“. Und Sie sagen das, nur um sich am Ende dafür zu entschuldigen, dass Sie „so was eigentlich nicht mehr sagen sollten“.

Ich habe mir Ihr Interview nun immer und immer wieder angeschaut. Und ich muss sagen, Ihre Aussagen (nein Sie, Face) veränderten sich für mich mit jeder Wiederholung: Von einem bedauernswerten Macho zu einem Mann in einem gewissen Alter, wo es legitim scheint, der Vergangenheit sentimental zu begegnen und die Dinge offen auszusprechen.

Obgleich scheint mir, dass Sie akzeptiert oder zumindest verstanden haben, dass der Feminismus in den letzten 25 Jahren einiges getan hat, für das Thema Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Aber trotzdem – oder gerade deswegen – möchten Sie jetzt auch mal sagen, was Sie alles daran nervt.

Nun Face, wie ich lese, befinden Sie sich in guter Gesellschaft. Auch die deutschen Männer haben eine Meinung zum Thema Gleichberechtigung: Die einen fühlen sich ungerecht behandelt, die anderen meinen, es sei doch soweit alles erreicht und wieder andere sind des Themas an sich einfach überdrüssig und genervt.

Den Letzteren – so gebe ich offen zu – geht es wie mir. Trügt mich mein Gefühl oder höre ich beim Thema Gleichberechtigung seit einiger Zeit immer den gleichen Inhalt von den gleichen Frauen? Ich frage mich, ob die Gleichberechtigung vielleicht zu einem Aufreger-Zyklus-Thema mutiert ist, weil eben viele es nur noch in diesen Zyklen ertragen können?

Mir scheint auch, dass manche Frauen sich eine Art „Nebenbeschäftigung“ suchen, bis der nächste offizielle Aufreger-Zyklus wieder vor der Tür steht: Die Arbeit am Thema Gleichberechtigung hat, meines Erachtens, für einige Frauen nichts mehr mit der ursprünglichen Ideologie zu tun, sondern ist für diese eher zur Geschlechterforschung geworden.

Nicht anders kann ich mir erklären, warum Frauen Kurse belegen, in welchen sie lernen, „wie ein Mann zu brüllen“ oder wie sie sich in den Meetingräumen genügend Platz auf den Tischen schaffen können, weil Mann es eben auch so macht (schon mal versucht, mit einem Block und einem Bleistift den halben Besprechungstisch einzunehmen? Das grenzt an Akrobatik!). Und ich habe auch das Gefühl, dass sich der Fokus manch fragwürdiger Frauennetzwerke in den letzen Jahren mehr gegen die Männer denn für die Frauen entwickelt hat.

Für mich steht außerhalb jeder Frage, dass die Arbeit an der Gleichstellung von Frauen im Beruf weitergehen muss – gerade, weil sie in den letzten Jahren schon sehr erfolgreich war. Mir scheint jedoch, dass durch diesen Erfolg die Einstellung und das Verhalten zum Thema Gleichberechtigung mittlerweile wie festgefahren ist und nicht erkannt wird, das einige alte Regeln gar nicht mehr gelten.

Das mag auch der Grund sein, warum in vielen Unternehmen das Thema kaum noch Fortschritte macht. Die „neuen Regeln“ sind eben um einiges komplexer als noch vor 25 Jahren. Für mich sieht es so aus, dass sich das Thema Gleichberechtigung zu einem Pendel entwickelt, welches – wenn auch sehr langsam – droht, zurückzuschwingen:

Horst W. Opaschowski beschreibt in seinem Buch „Deutschland 2030 – Wie wir in Zukunft leben“ dass die Arbeitswelt weiblicher wird. Er sagt: „Weil immer mehr hochqualifizierte Frauen nach oben wollen und 2030 dort auch ankommen, wird die Luft für männliche Karrieren dünner. Dies wird nicht ganz konfliktfrei verlaufen …“ und weiter „2030 können die Männer im Erwerbsprozess erstmals zur Minderheit werden (Männer: 48 % Frauen 51 %) …“

Würde das bedeuten, spätestens ab 2030 heißt es für das Thema Gleichberechtigung „history repeating“? Alles auf Anfang, dann für die Männer? Werden wir Frauen dann sentimental in die Vergangenheit blicken, für Charlotte Roche eine Kerze anzünden und „Sex and the City“ als letzten femininen Aufschrei huldigen? BITTE NICHT!

Damit das nicht passiert, ist es natürlich die Aufgabe der Frauen und Männer von heute, die Weichen für die nächsten Jahre zu stellen. Der anstehende Kultur- und Wertewandel braucht sicher noch eine Generation, etwas Zeit bleibt also noch!

Vielleicht wäre es gut, ab sofort auf ein breiteres Themenfeld denn die Gleichberechtigung zu setzen? Ich denke da an so was wie Eigenverantwortung. Ein bisschen mehr Identität hier, etwas weniger Ideologie da – ich glaube, das könnte funktionieren! Denn es ist, wie es ist: Schlussendlich hilft uns diese Eigenverantwortung bewusst mit der persönlichen Entscheidungsgewalt umzugehen und aus den Gegebenheiten eben das zu machen, was man selbst möchte!

Ach so und Sie meine Herren A-Team – vor allem Face: Danke, dass Sie mir Ihre Meinung mitgeteilt haben, von wegen „eine Show nur für Männer“ und so. Denn nun kann ich aufhören darüber nachzudenken, warum es mit uns nicht klappt und mich endlich wieder ruhigen Gewissens dem „unknown Stuntman“ widmen.

In diesem Sinne grüßt Sie herzlich Ihre

Alex Götze

 

Alexandra Götze About Alexandra Götze

Ich bin zertifizierter Business& Personal Coach mit Praxis in Wiesbaden. Im Business Bereich habe ich mich auf das Coaching von Führungskräften des mittleren Managements spezialisiert. Mehr über meine Arbeit und mich finden Sie unter: www.alexandragoetze.de
Da mir die Anbindung an ein Unternehmen wichtig ist, widme ich einen Teil meiner Zeit weiterhin Accenture. Als Verantwortliche für den Bereich Talent Strategies beschäftigen mich alle Themen rund um das Thema Talentbeschaffung, -entwicklung und –bindung.

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