Generation Y – Pinky und Brain oder sind wir nicht doch anders?

Es ist schon seltsam. Schon fast wie die Frage „Wen würden Sie wählen, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre?“. (Oh, kommenden Sonntag ist ja Europawahl). Fast wöchentlich werden wir analysiert. Wer wir sind und was wir wollen. Wir sind scheinbar ein verrückter, eigenartiger und komischer Haufen an Menschen, aber interessant genug, um fortlaufend in den Medien zu sein.

Wir, das sind Pinky und Brain, äh Max und Alex, sind Teil der sogenannte „Generation Y“. So werden wir zumindest von den anderen genannt. Die Generation, die laut Wikipedia ihre Jugend um das Jahr 2000 hatte.

Wir wollen die Welt nicht verändern, sondern ein bisschen besser machen, wie der Spiegel im Interview mit Personalvorstand Thomas Sigi von Audi berichtete. Aber um die Welt ein wenig besser zu machen, ja da müssen wir ja doch Pinky und Brain sein 😉

Passend, im Intro von Pinky & Brain heißt es auch schon: „…jeder kann es sehen, doch keiner verstehen…“ Wussten die Macher der Zeichentrickserie um Steven Spielberg 1995 also schon von unseren Generationsproblemen? Verblüffend…

Andere Medien haben uns, die Generation Y, noch anders bezeichnet:
  • Wir sind Egozentriker, wie in der Huffington Post zu lesen war.
  • Wir werden die Berufswelt ändern, wie die Zeit vermeldete.
  • Andere wiederum stecken uns in andere Kategorien. Je nach Kategorie sollen wir „faul, frech und fordernd“ sein oder aber auch „reflektierend, arbeitswillig und kritisch“. Nicht zu vergessen die Kategorie „So waren junge Leute schon immer“ oder auch „Wir sind ein neuer Gesellschaftstyp“.
  • Wie wäre es denn dann nicht auch noch mit verwöhnt, selbstverliebt und größenwahnsinnig? Mit solchen Worten sind wir ja auch schon in Verbindung gebracht worden.
  • Wir sind gut ausgebildet und können uns die Jobs aussuchen, das schreiben wieder andere.

Fassen wir mal zusammen, wir, die Generation Y, sollen also Egozentriker sein, die Berufswelt verändern wollen, sollen faul, frech, fordernd, reflektierend, arbeitswillig, kritisch, verwöhnt, selbstverliebt, größenwahnsinnig,… sein. Schon interessant, womit man uns alles verbindet.

Wir erleben uns und unsere Generation aus der eigenen Sicht ganz anders. Wir sind weder faul noch frech. Wir wollen arbeiten, wir sind kritisch, aber sicherlich nicht verwöhnt oder größenwahnsinnig. Und ja, wir wollen die Welt ein wenig besser machen, aber hierzu wollen wir nicht die Weltherrschaft an uns reißen 😉 Viele aus unserer Generation wollen gar nicht die große Karriere machen. Für viele von uns sind andere Werte bedeutender als Status und Gehalt. Was für uns zählt sind:

  • Flexible Arbeitszeiten
  • Mehr Freiheit
  • Die Verbindung von Beruf und Familie
  • Sichere Jobs (Stichwort: Unbefristet)
  • Die Möglichkeit von Home-Office
  • Nach Verlassen des Büros nicht mehr erreichbar sein zu müssen
  • Und noch einiges mehr

Es ist schon seltsam, weil fast jeder Zweite unserer Generation mit einer Befristung in das Berufsleben einsteigt, wenn nicht gar sogar noch als Praktikant. Scheinbar müssen bei der Diskussion um die Generation Y zwei Seiten betrachtet werden. Auf der einen Seite die Medien und die Unternehmen, die nicht wissen, was sie von dieser Generation halten sollen und deshalb alles über sie wissen wollen. Wobei manche fangen uns langsam an zu verstehen. Der Beitrag „Schnelle Autos, teure Uhren? Für die Generation Y ist Luxus etwas ganz anderes“ der in der Huffington Post zu lesen war, hat es endlich einmal getroffen!

Auf der anderen Seite. Junge Menschen zwischen 25 und 35 Jahren (je nach Definition), die quasi unter dem Mikroskop liegen. Eine Frage jedoch bleibt. Wozu das ganze?

Welchen Sinn macht es mehrere Millionen Menschen in einen Generations-Begriff zu pressen? Von wem reden wir eigentlich? Und nochmal: warum eigentlich?

Betrachtet man die Studie „SINNdex“ der Medienfabrik,  gibt es 5 verschiedene Typen, in die wir in unserer Generation eingeteilt sind.

Wir sind in unserer Generation, egal ob männlich oder weiblich:

SINNdex_Charaktere_gesamt

  • Karriere-Kai: ehrgeizig, verheiratet mit dem Job, extrinsisch motiviert
  • Sucher-Simon: ziellos, farblos, zufrieden wirkend
  • Familien-Franzi: familienorientiert, extrinsisch motiviert, traditionell
  • Alles-Anna: ambitioniert, interessiert, engagiert
  • Helfer-Hannes: intrinsisch motiviert, werteorientiert, engagiert

Es geht also gar nicht um eine Generation. Auch wenn immer viele davon sprechen, dass es nur um einen kleinen Teil der Hochschulabsolventen geht. Laut diesen geht es um hochqualifizierte junge Akademiker, die in einem für Unternehmen interessanten Bereich arbeiten. Sei es IT, Naturwissenschaften oder Controlling. Beispiel aus der Zeit gefällig?

„Als Aysche Schlipf bei Trumpf anfing, war ihr zweites Kind gerade einmal neun Monate alt. Trumpf ist ein Hochtechnologieunternehmen im baden-württembergischen Ditzingen; Schlipf, 29, ist Versuchsingenieurin für 2-D-Laserschneidmaschinen – auf einer 80-Prozent-Stelle. An zwei Tagen in der Woche geht sie früher nach Hause. „Ich brauche Freiheiten, anders geht es nicht“, sagt sie.

Schlipf hat studiert, sie will arbeiten und erfolgreich sein – aber eben nicht nur. Die Familie ist ihr genauso wichtig. Darauf müsse sich ihr Arbeitgeber einstellen, findet sie. Schlipf ist eine typische Vertreterin der Generation, die Soziologen als Generation Y bezeichnen, weil sie die Prioritäten ihrer Vorgänger infrage stellt. Und damit ihren Arbeitgeber vor eine große Herausforderung.“ (Link zum Artikel)

Das Problem: Wo bleibt der Rest? Was ist mit den Absolventen, die keines dieser Fächer studieren? Vergesst die Fachrichtungen! Es betrifft nicht nur einen Teil der Generation, es betrifft alle! Und zwar alle 5 Typen, die wir laut Studie in unserer Generation sind. So oft wie wir in den Medien diskutiert werden, so viele Studien es nun auch über uns gibt, langsam aber sicher sollten sich die Unternehmen den Wünschen und Zielen der Generation Y anpassen, schließlich sind wir die Fach- und Führungskräfte von morgen. Und vergesst bei unseren Wünschen und Zielen nicht die, der derzeitigen Mitarbeiter und zukünftigen Auszubildenden. Auch diese würden sich mit großer Sicherheit auch darüber freuen, wenn z.B. mehr Zeit für die Familie oder die Hobbys übrig bleiben würde.

Also liebe Unternehmen, fangt doch endlich an uns zu verstehen, wir sind eine tolle Generation, auch wenn wir fordernd sind 😉 Schließlich wissen wir Yler sogar noch was Walkman, CD-Player oder VHS Kassetten sind. Und wir kennen sogar noch eine Zeit ohne Handy!

Alexander Hohaus About Alexander Hohaus

Alexander Hohaus (M.Sc.) ist in den Bereichen Employer Branding und Personalmarketing zuhause. In seinem Bachelor- und Masterstudium an der FOM Hochschule für Oekonomie & Management hat er in diesem Themengebiet quantitative Forschungen durchgeführt, beispielsweise zum Informationsverhalten von Schülern und Studierenden oder auch der Relevanz von Arbeitgebersiegeln. Seit 2013 ist er bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank in Düsseldorf tätig und zuständig für Employer Branding und Personalmarketing. Seit 2018 gibt Hohaus als nebenberuflicher Lehrbeauftragter an der FOM Hochschule für Oekonomie & Management sein Praxiswissen an den akademischen Nachwuchs weiter und wurde 2019 als Personalmarketing Innovator des Jahres ausgezeichnet.

Speak Your Mind

*