HR_Hackathon_zwei – Ein eigenes Universum für HR und IT

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Berlin ist eine Reise wert! So liest und hört man immer wieder. Und mir ging es oft so. Immer wieder war ich auf sehr interessanten HR Events in der Hauptstadt und traf interessante Menschen. So auch das vergangene Wochenende, an dem sich quasi 2 Welten an einem Ort trafen die vermeintlich nichts miteinander zu tun haben: HR Manager und Developer.

Dieser Ort war das Telefónica BASECAMP in Berlin Mitte und die Veranstaltung war der HR_Hackathon (2). Veranstaltet von Eva Zils. Kurz gesagt geht es bei einem Hackathon darum innerhalb der Veranstaltung funktionale Tools zu entwickeln und diese einer Jury live zu präsentieren. Die Projektideen werden am Anfang der Veranstaltung gepitcht und im Anschluss finden sich die Projektteams selbstständig. Beim HR Hackathon bestanden die Teams dann eben aus IT´lern und HR´lern und die Projektideen waren recht Recruiting-lastig. Im Rahmenprogramm gab es dann noch über 10 HR Sessions, also unterschiedliche HR Vorträge, wo ich unsere Helden der Zukunft-Kampagne vorstellen durfte. Da der Schwerpunkt des Hackathon aber auf den Tools liegt habe ich mir von den 10 entwickelten Ideen meine 2 Favs herausgesucht die ich euch in Form von Interviews kurz vorstellen möchte. Let´s go:

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#Tool 1: Die Mochjito Challenge

Hinter dem ersten Projekt, das ich euch vorstellen möchte verstecken sich zwei, in der Recruiting-Szene bekannte StartUps aus Wien und Berlin: Firstbird und Truffls sind angereist, haben ihre Entwickler zusammengeschmissen und ein doch recht wohlklingendes Projekt gepicht: Die Mochjito Challenge. Um was es geht, verrät uns Arnim, CEO bei Firstbird.

Arnim, gehen wir doch gleich mal in die Vollen;) Was versteckt sich denn hinter diesem Projektnamen? Was wolltet ihr denn in den 48 Stunden auf dem Hackathon entwickeln?

Unser Ziel war ein Instant Reward Manager, der spezielle Leistungen im Arbeitsumfeld misst und in Form von frisch gemixten Mojitos voll automatisiert belohnt und zwar sofort und mit Musikbegleitung.

Als Vertriebsleiter könnte man seinem Team also am Freitagmorgen die Herausforderung stellen: Erreicht heute 100 Cold Calls. Mit unserem Tool messen wir die Leistung des Teams in der CRM Software und sobald das Ziel erreicht ist, werden automatisch die Diskokugeln im Büro angeworfen und über einen Lieferdienst frisch gemixte Mojitos für das Team bestellt.

Klingt nicht nur spannend, sondern eigentlich auch sinnvoll. Denkst du, Sales ist der Einzige Case für das Tool? Ich als Recruiter frage mich, wie ich das einsetzten könnte.

Mit Mojitos haben wir das Thema natürlich etwas verdaulicher gestaltet. Die Idee hatte aber einen ernsthaften Kern. Die Motivationspsychologie sagt uns schon seit langem, dass die Motivation von Menschen steigt, wenn ihre Leistung gemessen und sofort und öffentlich sichtbar belohnt wird.

Wenn wir beispielsweise das Recruiting nehmen, hätten wir es durchaus verdient, unsere Leistung etwas transparenter zu machen und jede neue Bewerbung ist ja eine wertvolle Leistung. Wenn bei jeder 100sten Bewerbung automatisch „We are the Champions“ in der Recruitingabteilung gespielt wird, während bereits die Pizzabestellung auf dem Weg ist und die ersten Gratulationen aus den Fachabteilungen über den Messenger reinkommen, ist die Motivation doch gleich etwas höher, oder?

Okay, stimmt. Aber, habt ihr das Tool Just for Fun, nur für euch entwickelt, oder wollt ihr damit auf den Markt?

Ich könnte mir gut vorstellen, dass wir das Tool bei uns intern einführen und dass die Idee bei truffls oder Firstbird mit einfliesst. Ein eigenständiges Produkt ist (noch) nicht geplant.

Und zu guter Letzt: Wo bleibt eigentlich mein Mochjito? 🙂

Der wartet in Wien auf dich!

Den hole ich mir;) Besten Dank Arnim, und bis bald!

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#Tool 2: Arbeitszeugnis.io

Und nun kommen wir zum Sieger und wie ich finde auch tatsächlich zum besten Tool des diesjährigen Hackathon. Ein Tool, auf das ich selbst nie gekommen wäre, es aber, nachdem man es gesehen hat absolut Sinn macht. Die Idee stammt von Matthias Nagel, von Bitfactory, seines Zeichens CEO und er hatte offensichtlich ein Problem das er lösen wollte.

Matthias, Herzlichen Glückwunsch zum Sieg! Und das meiner Meinung nach absolut verdient! Neben der technischen Lösung die ihr da umgesetzt habt, bist du ja mit einer konkreten Problemstellung angereist. Welche war denn das?

Danke für die vielen Komplimente bis hier, Michael.

In der Tat war unser Problem sehr konkret: Arbeitszeugnisse folgen einem subtilen, sehr spezifischen „Code“, den es in eine klare Aussage zu „übersetzen“ gilt – was uns konkret eine Menge Zeit gekostet hat.

Da wir für bitfactory.io im Moment auf der Suche nach Entwicklern sind, haben wir uns mit einer Menge Arbeitszeugnissen beschäftigt (oder sollte ich sagen: beschäftigen müssen?). Als wir unseren Schmerz unserem Büronachbarn Julian von ictjob.de (einer der Organisatoren des HR Hackathon) geschildert haben, entstand die Idee für eine Lösung: Was wäre, wenn man mittels einer Smartphone App einfach ein vorliegendes Zeugnis scannen und von einem Algorithmus bewerten lassen könnte? Und innerhalb von Sekunden eine Übersicht über die Gesamtnote sowie einzelne Teilbereiche bekommen könnte, ohne den Text tatsächlich lesen zu müssen? Das hätte sowohl für Bewerber als auch für einzustellende Firmen einen enormen Wert. Julian hat mich dann überzeugt, damit doch zum HR Hackathon zu gehen.

Okay, das geht denke ich doch einigen größeren und kleineren Firmen auch so. Und du bist angetreten dieses Problem zu lösen. Da habt ihr ja offensichtlich getan. Wie? Was habt ihr denn konkret gecodet in 48 Stunden?

Wir haben eine App für iOS erstellt, die eine schnelle Analyse eines Zeugnisses per Foto ermöglicht. Zunächst einmal wird ein vorliegendes Zeugnis mit der App abfotografiert und das Foto an eine OCR Cloud Lösung schickt, um den „rohen“ Inhalt zu extrahieren. Dieser Inhalt geht dann an unser Backend, das per NLP (Natural Language Processing) jeden einzelnen Satz sowohl inhaltlich als auch von der Note her kategorisieren.

Zu diesem Zweck haben wir eine Datenbank aufgebaut, die uns eine statistische Analyse der einzelnen Sätze ermöglicht, zum Beispiel Position und Bezug der Wörter im Satz zueinander, sowie deren Relevanz.

Als Ausgabe zurück an die App geht dann ein aggregierter Wert auf Schulnotenskala, also eine Gesamteinschätzung des Zeugnisses. Ebenso erhält die App Informationen zu den einzelnen „Teildisziplinen“ eines Arbeitszeugnisses wie Sozialverhalten, Leistungsbereitschaft und so weiter.

Finde ich absolut prima. Das löst denke ich schon auch Probleme. Jetzt, wie auch bei den anderen Tools stellt sich die Frage: Wann und wo bekomm ich das? Hast du vor daraus einen Business Case zu machen?

Die App wird für Bewerber und Unternehmen nächste Woche in einer ersten Version im Apple AppStore sowie im Google Play Store (also für iPhone und Android) bereitstehen wir haben sie in der Woche nach dem Hackathon fertiggestellt und bereits eingereicht.

Zum Thema „Business Case“: Definitiv! Die oben genannten Detailergebnisse sowie eine Prüfung weiterer Kriterien wie Rechtschreibung, das „krumme Datum“ und andere Faktoren in Arbeitszeugnissen sind Bestandteil unserer „Premium-Analyse“, für die ein Nutzer (Bewerber oder Unternehmen) dann 0,99€ bezahlt, wenn er diese einsehen möchte und ihm die kostenlose Gesamteinschätzung nicht ausreicht.

Und hier wird es vielleicht auch für Deine Leser interessant: Wir schenken den jeweils ersten 1.000 Nutzern, die unsere Apps aus den Stores installieren, eine kostenlose Premiumanalyse!

Da die App noch nicht im Store verfügbar ist (wir sind wie gesagt gerade im Review-Prozess), können sich interessierte bereits unter arbeitszeugnis.io auf die Warteliste eintragen. Sobald die Apps im Store sind, bekommt jeder auf der Warteliste eine E-Mail und kann sich die App runterladen und seine Premium-Analyse sichern. Die Liste füllt sich gerade rasant, also gleich zu arbeitszegnis.io und eintragen!

Außerdem werden wir sehr zeitnah unsere API für Bewerbermanagementsysteme bzw. Arbeitgeber bereitstellen, damit diese die Zeugnisanalyse einfach in Ihre Dienstleistungen und Systeme integrieren können. Wer hieran interessiert ist, einfach Kontakt über unsere Seite aufnehmen.

Matthias, besten Dank und viel Erfolg bei deinen kommenden Hires und lesen scannen der Arbeitszeugnisse 🙂

Ich danke dir für das Interview und würde mich freuen, wenn du uns dein Feedback zu arbeitszeugnis.io zukommen lässt!

Nochmals vielen Dank an die beiden Interviewpartner die hier stellvertretend für ganze Teams geantwortet haben. Aber die anderen 8 Projekte sollen hier nicht vergessen werden! Auch diese waren und sind beachtenswerte Entwicklungen, die mit Sicherheit ihre Anwendungen finden und dort auch ihren Mehrwert liefern werden.

Für mich war es ein prima Wochenende mit vielen neuen Kontakten, interessanten Sessions und vielen Einblicken in die Entwicklung von Software und auch neuen Ideen und Denkanstößen. Berlin war wieder eine Reise wert.

Michael Witt About Michael Witt

Nach meiner Ausbildung zum Tischler habe ich Sozialarbeit in Weingarten studiert und war danach 7 Jahre im Bereich der Beruflichen Fort- und Weiterbildung tätig. Dort war ich neben der Aufgabe als Seminarleiter vor allem als Koordinator für die konzeptionelle Entwicklung und Implementierung von Bildungsmaßnahmen im beruflichem Kontext verantwortlich und betreute dabei mehrere Standorte in Oberschwaben. Während dieser Zeit schloss ich den berufsbegleitenden MBA Studiengang ab und wechselte daraufhin in die Personaldienstleistung als Head of Recruiting. Seit 2013 beschäftigte ich mich in leitenden Konzern-Funktionen mit sämtlichen Facetten des nationalen und internationalen Recruitings. Dabei reichen meine Arbeitsinhalte von strategisch konzeptionellen Themen, über die Planung und Umsetzung operativer Recruiting Kampagnen bis hin zu Employer Branding und Personalmarketing.

Comments

  1. Das Mojito-Tool klingt ja genial. In so einer Firma würde auch gerne arbeiten, wo sofort die Cocktails angeliefert werden. Meist ist es ja eher so, dass die Unternehmen demotivieren statt motivieren. Man darf nur hoffen, dass in Zukunft wirklich die Firmen solche Tools einsetzen. In der Schule war ein Stern im Schulheft ja auch pure Motivation. Würde ein Chef die Leistung stempeln oder mit Sticker aufwerten, wären viele wahrscheinlich schon total motiviert 😉

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  1. […] last but not least berichteten Michael Witt und Eva Zils über ein Veranstaltungshighlight im April: den HR […]

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