HR-Safari – Personaler außer Rand & Band

Ab und an gibt es sie, diese Erlebnisse, die einen fesseln, bewegen, aktivieren und ganz klar in Erinnerung bleiben. So ein prägendes Erlebnis hatte ich in diesem Sommer bei der HR-Safari der Good School. Die HR-Safari ist ein außergewöhnliches Veranstaltungsformat und meiner Meinung nach konkurrenzlos.

img_9391Zwei Tage in Berlin auf HR-Safari, hört sich erst einmal witzig an und man fragt sich, was steckt hinter diesem Titel: Machen wir wirklich eine Safari? Ist ein kleiner Urlaub damit verbunden? Ist das wirklich ernst gemeint? Ja, das ist es und davon möchte ich Ihnen gerne berichten. Die Good School aus Hamburg tritt als Veranstalter in Kooperation mit Stephan Grabmeier (Chief Innovation Evangelist, Haufe-umantis AG) auf und lockt mit folgendem Reiseprogramm:

20 Personaler gehen auf Safari, kreuz und quer durch Berlin, um Internet und Digitalisierung in freier Wildbahn zu erleben und um sich wichtiges, frisches, innovatives HR-Know-how anzueignen.

Aha! Und was genau bedeutet das nun? Ich verrate es Ihnen aus erster Hand. Der erste Tag begann um 08:30h im Michelberger in Berlin. Bevor richtig gestartet wird, gibt es erst einmal ein kleines Frühstück und jeder muss sich sein Namensschild entwerfen. Dann ertönt ein Gong, was aber niemanden der Anwesenden stört und es wird fröhlich weiter gequatscht und vorgestellt – es ertönt ein zweiter Gong… da war ja was! Good School hat tatsächlich was mit Schule zu tun und somit geht es los, die Pause ist vorbei.

Was folgt ist ein Warm-up, bei dem man unter anderem seine Safari-Kompetenz einordnen und sich seinen Lieblingsplatz im Schulbus sichern kann. Und dann geht es los, Stephan Grabmeier macht den Anfang zum Thema „Rhythm Of New Operating Systems – Next Generation HR“. Max Orgeldinger (TLGG – Torben, Lucie und die gelbe Gefahr) begeistert im Anschluss mit einem Blick über den großen Teich, New Work, der Verbindung aus Technik, Gesellschaft und Wirtschaft – Input, der einen schon von den Socken haut, was soll da noch kommen, wenn das hier erst der Anfang war? Nach einem tollen Mittagessen bei Sonnenschein auf einem Hausboot (ein bisschen Urlaub war es irgendwie doch ;)) geht es Schlag auf Schlag weiter.

Weiter kommt man übrigens mit dem Schulbus, womit auch sonst. Der Schulbus ist nicht nur äußerlich beeindruckend, sondern auch von innen. Das gute Stück ist seit 1950 auf der Straße, hat bereits mehr als 500.000 Kilometer gelaufen und hat einen sehr charmanten Fahrer, der uns immer sicher zur nächsten Station gebracht hat. Inklusive gibt es Live-Musik.

Nächster Halt nach der großen Pause ist IXDS – eine inspirierende Agentur. Verena von IXDS erzählt uns von dem Agenturalltag und der 4-Tage-Woche, die sie erfolgreich eingeführt haben! Hut ab! Aber nicht nur das, hier werden wir auch selbst aktiv und nehmen an einem Workshop teil. Zu zweit als Team wird ausschließlich mit Post Its gearbeitet. Vor der HR-Safari hatte ich schon eine Weile über ein neues internes Weiterbildungskonzept nachgedacht, doch so ganz war ich mir immer nicht schlüssig. Tja, das hat sich geändert. Mit meinem Workshop-Kollegen habe ich auf 8 Post-Its mein neues Konzept stehen. Noch besser kann der Tag ja gar nicht laufen – doch, doch, da geht immer noch mehr. Als nächstes ging es nämlich zu Dark Horse – ja, der Dark Horse Laden, von dem man – oder zumindest ich – sonst nur die Bücher liest. Hier kommt auch Sina (Blinkist) auf die Bühne, von dem wir mächtig viel Input zum Arbeitsmodell Holacracy bekommen – sehr spannend!

Nach so viel Lernstoff und Impulsen geht es zurück ins Michelberger, wo es noch einen Austausch zum Thema New Work und eine Talkrunde gibt.

Nach Schulschluss gibt es noch ein Abendessen in großer Runde und um Mitternacht verabschieden sich die meisten Teilnehmer, um für den nächsten Tag wieder fit zu sein – denn pünktlich um 08:30 Uhr fährt der Schulbus wieder los.

Der zweite Tag beginnt mit leckeren Smoothies im Schulbus auf dem Weg zum Betahaus. Tolle Location und tolle Speaker. Die fantastische Barbara Braehmer macht den Anfang – es ist Tool Time! Zusammen mit unseren Laptops auf den Beinen hören wir ihr gespannt zu und probieren selbst aus, wie wir über die Standards hinaus unsere nächsten Talente finden und rekrutieren können. Clara von Axel Springer berichtet uns danach vom agilen Change eines Verlagshauses, was es bedeutet das Management zum Bildungsurlaub ins Sillicon Valley zu schicken und welche neuen Möglichkeiten genutzt werden, um Mitarbeiter eigenverantwortlicher und vernetzter miteinander arbeiten zu lassen.

Danach folgt wieder eine große Pause im sonnigen Hinterhof eines tollen Restaurants und bevor man zu sehr in Urlaubsstimmung verfällt, geht es auch schon wieder weiter. Am Nachmittag geht es spannend weiter im hub:raum. Nach einem Start-up Pitch kommt am Ende des Tages noch der stets bestens gelaunte Christoph Athanas auf die Bühne, der sein Wissen über Employer Branding mit uns teilt und zum nächsten HR Barcamp einlädt (Pflichttermin, sofern man eines der begehrten Tickets ergattert).

Nach ganz vielen netten Umarmungen und lieben Worten ist es dann Zeit Abschied zu nehmen und ein letztes Mal in den Schulbus zu steigern. Völlig überwältigt wird uns klar, dass die zwei gemeinsamen Tage wie im Flug vergangen sind. Ein bisschen wehmütig fahren wir durch Berlin und holen noch mal alles raus, was an Stimmung möglich ist – sehen Sie selbst im Video als Zusammenschnitt.

Twittern war übrigens ausdrücklich erlaubt – also Schulunterricht, bei dem man permanent sein Smartphone in der Hand haben durfte 😉 hier geht es zu den Tweets.

Lust auf noch mehr Hintergrundwissen zur HR-Safari und einen Ausblick in die Zukunft? Dann lesen Sie hier das Interview mit Simone Ashoff von der Good School und Stephan Grabmeier von Haufe-umantis.

Simone, wann hattest Du die Idee zur HR Safari und wann fand die erste statt?
Simone: 2013 nahm das Thema „New Work“ in Deutschland, genauer gesagt in Berlin, Fahrt auf. Gleichzeitig machten Bücher, Studien und Medien Angst vor der Gen Y. Und Start-ups fingen an mit ihrer Organisation herumzuexperimentieren. Wir nahmen all diese und mehr Signale auf, verarbeiteten sie in einem Stundenplan und machten damit 2014 die erste Lernsafari für Personalchefs und -führungskräfte.

Wie bist Du auf den Namen „HR-Safari“ gekommen?
Simone: Unser Ziel ist es, die Digitalisierung erlebbar zu machen. Wirklich erleben kann man sie am besten dort, wo sie stattfindet: in freier Wildbahn. Von dort ist der Schritt zum Namen „HR-Safari“ nur noch ein Mü 😉

Welche besonderen Anforderungen bringt die Digitalisierung für die HR mit sich?
Simone: 1. HR muss viel, viel businessorientierter denken. Die Digital-Strategie des eigenen Unternehmens verstehen und daraus die HR-Strategie ableiten. Neue KPIs definieren. 2. HR sollte gute Freundschaft mit digitalen Technologien und Innovation schließen. Chef der Linkedin-, XING- und Google-Algorithmen sein – nicht ihr heimlicher Sklave. Immer noch tagtäglich neu auftauchende, digital geprägte Jobs und Skill-Profile verstehen. 3. HR muss ihre Arbeitsmethoden von Grund auf renovieren. Mit agilen Methoden, mit Experimenten und Prototypen arbeiten. Und ein Mindset für eine VUCA-Welt entwickeln. Eine Welt, die sich durch *volatility*, *uncertainty*, *complexity* und *ambiguity* auszeichnet.

Was wollt Ihr mit der HR Safari erreichen?
Simone: Am großen digitalen Transformationsprojekt mitarbeiten. Dafür nicht Roboter, Werbebanner oder reichweitenstarke Cotentplattformen bauen, sondern die Menschen, deren Kopf und Tatkraft es hinter dem allen braucht – eben HR’ler – ausbilden.

Was lernen die Personaler/wie ist das Feedback?
Simone: Unter anderem:

  • touren die Teilnehmer durch die Berliner Start-up-Szene und treffen dort die Erfinder und Entwickler innovativer Technologien und Services für den HR-Bereich.
  • werfen die Teilnehmer einen Blick hinter die Kulissen eines der Vorreiter in Sachen Service-Design, der in puncto Unternehmensorganisation außergewöhnlich inspirierend ist.
  • hören und diskutieren die Teilnehmer Grundlagen und Hintergründe zu Employer Branding via Social Media, mobile Recruiting und Enterprise 2.0.
  • lernen die Teilnehmer alle Tricks mit wichtigen Online-Tools von der ersten und einzigen Internet-Dompteurin Deutschlands.
  • treffen die Teilnehmer Profile und Persönlichkeiten aus der neuen Generation Arbeitgeber und -nehmer: vom Feelgood-Manager bis zum Chief Gen Y Officer.

Nach der Safari haben die Teilnehmer jede Menge nützliches Wissen, neue Ideen und Inspiration im Gepäck. Und ein klares Bild darüber, was die Digitalisierung mit HR macht und was HR durch Digitalisierung erreichen kann.
Das Feedback ist überwältigend: Jede Safari ist ausgebucht. Mittlerweile verdanken wir gigantische 50 Prozent der Buchungen den Weiterempfehlungen unserer bisherigen Teilnehmer. Laut Feedback unserer Schüler, aber auch der Lehrer, sind wir die beste Personaler-Lernveranstaltung Deutschlands. Unser innovatives Programm hat null Ermüdungserscheinungen, da wir es von Mal zu Mal auffrischen und optimieren.

Stephan, wenn du zurück denkst, was hat euch angetrieben das Format HR-Safari ins Leben zu rufen? Was war der Auslöser?
Stephan: Ich habe sowohl aus dem Innovations- als auch Change Management schon einige Jahre mit dem Format der Experience Journies als Lernformat gearbeitet. Ich bin sehr begeistert davon, weil es kaum ein Format gibt was bessere Lernerfolge erzielt. Simone und ich haben vor 3 Jahren die Idee geboren dies auch für die Innovationsfremden HR’ler zu tun. Aus der ersten Idee, die damals schwer zu vermarkten war ist heute das coolste HR Lernformat geworden. Das freut uns riesig.

Wie ist der Kontakt zu den vielen tollen beteiligten Speakern gekommen?
Stephan: Wir kennen viele New Worker, Innovatoren, Digitalisierer, Start Ups und sind gut in der Szene verankert. Über die Zeit haben wir uns richtig gute Beziehungen aufgebaut und fragen je nach Themenstellung entsprechende Experten an. Das klappt ziemlich gut und wir haben auch einen Namen, die HR Safari ist auch für die Speaker ein cooles Format.

Habt ihr vor das Format fortzuführen? Ist vielleicht eine HR-Safari 2.0 in Planung?
Stephan: wir haben unterschiedliche Erweiterungen. Was wir ebenfalls seit einigen Jahren durchführen, sind die kundenspezifischen Safaris. Dabei bucht ein Unternehmen für eine Gruppe Unternehmensvertreter eine Corporate Journey.
Im öffentlichen Format denken wir über eine Ausweitung an andere Hot Spots nach. Da sind wir noch in der Ideenfindung, wollen aber die HR Safari weiterentwickeln

Liebe Simone, lieber Stephan, vielen Dank, dass ihr euch die Zeit für ein Interview genommen habt und auch dafür, dass ihr so ein Veranstaltungsformat auf die Beine stellt! Macht weiter so!

Vanessa Wrede About Vanessa Wrede

Vanessa Wrede ist seit 2009 bei hmmh und als Head of Personnel Development für das Recruiting, das Employer Branding und die Personalentwicklung verantwortlich. Letzteres hat sie vor einigen Jahren kennen und lieben gelernt und seitdem nicht mehr losgelassen.

Die Ex-Projektmanagerin hat bislang in ihrem Berufsleben ausschließlich in Digitalagenturen gearbeitet und ist selbst Digital Native. Daher kennt sie den Berufsalltag ihrer Kollegen sehr genau und auch die Erwartungen von Bewerbern an ein IT-Unternehmen. Mit viel Leidenschaft befasst sie sich außerdem mit den Themen rund um Change, neue agile Arbeitswelten sowie Talent Management.

Nebenbei ist sie ehrenamtlich im BPM (Bundesverband der Personalmanager) als stellv. Regionalleiterin für Bremen und Niedersachsen aktiv.

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