Ultraschall Personalmarketing – Sind die Grenzen grenzenlos?

Mein erster Blog-Post den ich für den personalblogger geschrieben habe, beschäftige sich mit der Verwendung des Second-Screens im Personalmarketing. Der Second Screen ist ein zweites, meist mobiles Devices, dass während des TV-Konsums (dem First Screen) im aktiven Gebrauch ist. Dabei werden dann auf dem Second Screen zusätzliche Informationen gegoogelt, Werbeinformationen überprüft oder in Werbepausen nochmal schnell die eMails gecheckt usw. Das spannende für die Werbeindustrie und natürlich auch für das Personalmarketing ist es aber, die beiden Screens zu synchronisieren und am besten auch mit abgestimmten Inhalten zu orchestrieren. Die funktioniert über Ultraschallsingale die in die Werbung oder auch in die Filme eingebettet werden. Das ZDF hatte damals einen Film namens „APP“ am Start der mit dieser Technologie experimentiert hat.

Nachdem nun einige Zeit seit dem Post verstrichen ist und ich auch eigentlich keine Personalmarketingansätze in dieser Art wahrgenommen oder etwas darüber gelesen habe, habe ich nochmals ein wenig recherchiert und bin dann doch auf eCommerce-Inhalte gestoßen, die zwar nicht neu sind, aber sich dennoch eines Blickes, auch unter dem Fokus des Personalmarketings lohnen dürften.

Ultraschall Tracking – und der gläserne Customer

Wie oben schon angedeutet ist es möglich, Mobile Devices aus dem laufenden TV-Programm, in aller Regel im Rahmen von kommerziellen Werbeinhalten, via Ultraschallsignale direkt anzusteuern. Dafür ist auf dem Device lediglich die zu den gezeigten Inhalten passende App notwendig, die dann auf die Ultraschallsignale, die sogenannte Beacons reagiert. Hier sind Shopping-Apps und Store-Apps ganz weit vorne. Darüber hinaus ist es möglich via Beacon aus der laufenden Werbung heraus Cookies in den Browserverlauf zu setzen, um eine Wiedererkennung des Mobile Devices zu ermöglichen. Wiedererkennung ermöglichen? Ja! Die Cookies ermöglichen, dass das Handy, das am Vorabend einer Shoppingtour auf dem Couchtisch lag und regungslos Werbung „mitschaute“ an dem drauffolgenden Tag in den nun realen Stores in der Innenstadt wiedererkannt wird. Zudem wurde am Vorabend aufgezeichnet welche Werbeinhalte wie oft, wie lange und in welcher Variante angeschaut wurden. Das weiß das Mobile Device und nun auch das lokale Geschäft das betreten wird.  Und auf einmal bekommt man beim Betreten z.B. eines Schnellimbisses passende Gutscheine in die App eingespielt oder der Facebook-Account stellt interessante Ads in den Stream und zwar zu genau diesem Produkt das mir gestern Abend gut gefallen hat und ich gerade im Store davorstehe. Soweit sind wir noch nicht ganz-  der Weg ist aber klar. Eine Studie der TU Braunschweig hat herausgefunden, dass in mittlerweile mehr als 200 Android Apps die im Tag täglichen Gebrauch sind diese Technologie verbaut und auch einsatzbereit ist. Bei iOS Apps wird es da sehr wahrscheinlich ähnlich aussehen.

Bei der derzeit noch passiven Anwendungsform, wird vom Cross-Device-Tracking gesprochen. Es geht dabei darum werbewirksame Bewegungsprofile zu erstellen. Dies betrifft dann nicht nur den heimischen TV-Screen sondern lässt sich beispielweise auch auf Werbemittel in Bahnhöfen, in Supermärkten oder in Fußgängerzonen übertragen. Es benötigt lediglich einen Sender (die Werbung) und einen Empfänger (die App auf dem Mobile Device). So kann problemlos die Standzeit vor Werbetafeln und die Art der betrachteten Werbung ermittelt und ausgewertet werden. Die Anbieter dieser Apps sagen eindeutig, dass die Software nur dazu da ist, mittels dem Empfang der Beacons Bewegungsprofile zu erfassen und die Apps sonst keine weiteren technischen Möglichkeiten besitzen. Hoffen wir mal, dass dem so ist.

Ultraschall Personalmarketing

Auch wenn jetzt vielleicht schon einige ein wenig erschrocken sind über die technische Abhöreinrichtung die sie jeden Tag mit sich herumtragen, so bietet diese Technologie doch auch spannende Möglichkeiten für das Personalmarketing. Die wahrscheinlich „einfachste“ Methode ist es, die Vakanzen der „Lieblingswerbung“ also des dahinterstehenden Brands zukünftig in der App anzuzeigen. Mit guten Profildaten ließen sich die Berufe der einzelnen Personen ein- bzw. ausgrenzten, so dass hier ein individuelles Job-Trageting verwirklicht werden könnte. Durch die Speicherung der Cookies und einer sinnvollen Verbindung von Location-Based-Services (LBS) kann dies dann noch einen Schritt weitergehen: Zum einen können aus dem vorangegangenen Beispiel in die App nur lokale und passende Stellenangebote gepostet werden. Zum anderen kann die App beim Betreten eines lokalen Ladengeschäftes nur die dort aktuellen und zur Person individualisierten Vakanzen in die App einspielen und im Mobile Device (oder vielleicht irgendwo auf einer Werbetafel im Laden?) anzeigen.

Blicken wir zudem einmal auf imagebildende Werbeinhalte, also beispielweise Employer Branding, so können hierbei noch ganz andere Technologien zum Einsatz kommen. Beispielsweise testet derzeit ein Supermarkt in Deutschland On-Screen-Werbung in ihren lokalen Filialen die hinter der Leuchtreklame verschiedene Kameras installiert und auf die Betrachter ausgerichtet hat. Diese Kameras registrieren jede kleine Augenbewegung und die Werbung reagiert darauf. Überspitzt gesagt, schaut man in einen vollen Obstkorb am längsten auf die Orange, so muss es kein Zufall mehr sein, dass die folgende Werbeanzeige im Supermarkt die man zu sehen bekommt Organen sind, oder auch die App des Marktes mich von nun an über Orangen-Sondernagebote informiert. Kommen wir zurück zum Personalmarketing, so könnte ich mit dem oben aufgezeigten Use-Case, mittels den gespeicherten Cookies und einem LBS-Ansatz hier dann nicht Orangen, sondern passenden Stellanzeigen zu Gesicht bekommen. Einen anderen Schritt geht das Start-Up „Say“ aus Tel Aviv, dass Wearables entwickelt, die online Inhalte in Echtzeit darstellen können. Diese Wearables, die nichts Weiteres als tragbare kleine Displays sind, können auch prima im Personalmarketing eingesetzt werden. So könnte im Rahmen eines Messe-Settings die Halskette des Standpersonals auf Basis der zuvor an verschiedenen online Touchpoints gewonnen Erkenntnissen dem jeweiligen Standbesucher schon „seine“ individuelle Personalwerbung oder auch eine konkrete und passende Stelle anzeigen. Eine erste und mit Sicherheit auch für den Messebesucher überraschende Bindung zur Brand und zum Unternehmen ist dadurch sicherlich geschaffen (Quelle: HR Tomorrow exklusive).

Diese beiden, in Teilen noch in der Zukunft liegenden Use-Cases von operationalisierten Ultraschall-Tracking zeigen, dass der Medienbruch zwischen Off- und Online Advertising immer kleiner wird und auch im Personalmarketing diese Szenarien immer mehr an Bedeutung gewinnen werden.

Wer einmal selbst einen realen Blick in die Zukunft des Recruiting und Personalmarketing werfen möchte der ist von Robindro Ullah und mir nach Stuttgart zu einem HR Tomorrow Lab eingeladen. Hier wollen wir an einem kompakten und zukunftsweisenden Workshop-Tag gemeinsam Recruiting gestalten. Mehr Informationen gibt es bei uns oder auch hier.

Michael Witt About Michael Witt

Nach meiner Ausbildung zum Tischler habe ich Sozialarbeit in Weingarten studiert und war danach 7 Jahre im Bereich der Beruflichen Fort- und Weiterbildung tätig. Dort war ich neben der Aufgabe als Seminarleiter vor allem als Koordinator für die konzeptionelle Entwicklung und Implementierung von Bildungsmaßnahmen im beruflichem Kontext verantwortlich und betreute dabei mehrere Standorte in Oberschwaben. Während dieser Zeit schloss ich den berufsbegleitenden MBA Studiengang ab und wechselte daraufhin in die Personaldienstleistung als Head of Recruiting. Seit 2013 beschäftigte ich mich in leitenden Konzern-Funktionen mit sämtlichen Facetten des nationalen und internationalen Recruitings. Dabei reichen meine Arbeitsinhalte von strategisch konzeptionellen Themen, über die Planung und Umsetzung operativer Recruiting Kampagnen bis hin zu Employer Branding und Personalmarketing.

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  1. […] wo wir schon beim Fernsehen sind, eine durchaus ambivalente Prognose zur Anwendung von Ultraschall im Personalmarketing skizziert Michael Witt bei […]

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