Der größte Diversity-Hemmschuh: Die Eitelkeit der Personaler

Zugegeben, auch ich bin eitel. In dem Sinne, dass ich auf mich und mein Äußeres achte. Ich bin zum Beispiel Fan einer bestimmten Kleidungsmarke und dazu stehe ich auch. Allerdings hat das nichts zu tun mit Überheblichkeit oder gar Arroganz. Wer mich kennt, weiß das. Auch erwarte ich einen solchen Anspruch nicht von anderen. Im Gegenteil: Ich habe großen Respekt vor der Verschiedenartigkeit der Menschen.

Das ist auch notwendig, denn in einer durch Globalisierung, Digitalisierung und den demografischen Wandel geprägten Arbeitswelt haben sich auch die Anforderungen an Personalentscheider (egal ob auf Leitungsebene oder rein operativ beim täglichen Recruiting) verändert.

In diesem Beitrag beleuchte ich einige aktuelle Entwicklungen, zeige auf, warum ich viele Personaler für extrem eitel halte und beziehe kritisch Position.

Beim Recruiting geht es im Kern darum, für die im Unternehmen vorhandenen personellen Vakanzen zeitnah die richtigen Bewerber zu identifizieren und einzustellen. Das klingt total banal. Und trotzdem lesen wir immer wieder etwas vom War for Talents, der Notwendigkeit des Aufbaus einer Arbeitgebermarke, der Bedeutung oder Nicht-Bedeutung von Arbeitgeberrankings und Arbeitgebersiegeln sowie den mangelnden Fähigkeiten der Personaler Social Media Kanäle professionell zu nutzen.

Was sich verändert hat

Im Gegensatz zu den 90er Jahren haben Recruiter von heute die Möglichkeit, die Bewerber schon weit vor dem Lesen einer ersten Bewerbungsunterlage kennen zu lernen bzw. etwas über diese zu erfahren. Über deren Social Media Profile. Da stellen (potenziell) Arbeitsuchende millionenfach Informationen über sich, ihre Fähigkeiten und Kenntnisse ins Internet und geben sogar noch an, wonach sie konkret suchen und wie man mit ihnen Kontakt aufnehmen kann. Ein Schlaraffenland möchte man meinen.

Aber wie gehen Personaler damit um? Eine zwar nicht repräsentative, trotzdem trendweisende Befragung des Karrierenetzwerks XING zum Thema „Wonach bewerten Sie XING-Profile von Bewerbern?“ zeigt folgendes Ergebnis:

Quelle: XING

 

In einem Beitrag auf dem Blog des ICR (Institute for Competitive Recruiting) führt Wolfgang Brickwedde weiter dazu aus, dass nach Aussage der Personalentscheider das Profilbild das wichtigste Kriterium sei, wenn es um den ersten Eindruck des Bewerbers geht. Das überrascht wenig, hat aber doch bei HR-Bloggerkollegen Henrik Zaborowski für heftigste Emotionen gesorgt.

Du bist, was Du von Dir zeigst

Allerdings muss man meiner Meinung nach unterscheiden: Selbstverständlich fällt das Profilbild als erstes ins Auge. Immerhin wird es bei einer Suche in der Trefferliste auch zusammen mit dem Namen und dem Unternehmen, in dem der Profilinhaber aktuell arbeitet, angezeigt. Und selbstverständlich weckt ein Foto bei uns Menschen immer (!) Emotionen. Das liegt in unserer Natur als Mensch und ist nicht wirklich neu.

Aber, und das ist das Wichtige daran: Die Schlüsse, die wir aufgrund des jeweiligen Profilbilds ziehen, müssen gerade wir Personaler professionell, ich wiederhole und betone „professionell“ kritisch prüfen. Das ist aber auch nix Neues. Immerhin sollte uns das schon lange im Zusammenhang mit Bewerbungsgesprächen oder in Auswahlverfahren unter Begriffen wie Primäreffekt, Halo-Effekt oder sonstigen Effekten im Bereich Wahrnehmungsfehler bekannt sein.

Vereinfacht gesprochen darf man sich nicht nur auf dieses erste Gefühl verlassen. Schon gar nicht, um darauf aufbauend eine vorgeprägte Meinung über die fachlichen und persönlichen Fähigkeiten einer Person zu erhalten, die die Einstellungsentscheidung grundlegend beeinflusst.

Es kommt auf die Interpretation an

Allerdings scheinen die weiteren Antworten der Personaler mit den in der Umfrage gegebenen Antworten hinsichtlich Piercing, Schminke usw. genau das zu tun. Und das ist eine perverse Situation, wie ich finde: Die Personalentscheider empfehlen ja nicht deswegen auf sichtbare Piercings zu verzichten, weil sie schlechte Menschen wären. Nein, sie tun dies, weil sie glauben, dass die einstellenden Personaler dies als ein negatives Kriterium bei ihrer Entscheidung werten KÖNNTEN.

Äh, aber haben dann nicht genau SIE SELBST das in der Hand? Müssten sie nicht einfach ihre eigene Einstellung und ihre eigenen (Vor)Urteile diesbezüglich ausräumen, um diese Empfehlung in Luft aufzulösen?

Ich bin mir sicher, dass wenn man jeden der Personalentscheider, die von einem sichtbaren Piercing abraten, einzeln darauf anspricht, würde kein einziger die Aussage laut treffen, dass er aus dem Vorhandensein eines Piercings auf die Qualifikation des Bewerbers schließen könne. Kein einziger. Falls ich mich täusche, bitte ich um eine Kontaktaufnahme desjenigen mit mir.


Der Einfluss gesellschaftlicher Wertvorstellungen

Vermutlich glauben diese 47%, dass ein sichtbares Piercing später zu einer Einschränkung in dem von ihnen zu vergebenen Job führen könnte. Wahrscheinlich geistern bei Euch Lesern jetzt Bilder durch den Kopf zum Beispiel von Bankern, Vertriebsmitarbeitern oder hochrangigen Managern, bei denen ein Piercing tatsächlich sehr ungewöhnlich wäre…

Aber genau jetzt wird´s spannend: Ertappen wir uns mit diesen Bildern im Kopf nicht gerade selbst dabei, gängige Klischees und Vorstellungen, die weder auf fachliche Qualifikationen oder gar auf den Menschen als wertvolle Persönlichkeit an sich schließen lassen, zu leben? Warum würde uns ein Tagesschau-Sprecher, der aktuell bekanntermaßen bis unter die Haarspitzen gestylt und bis an die Grenzen zur Marionette hin gestriegelt und aufgemotzt wird, dann suspekt, wenn er einen Nasenring während der 20:00 Uhr-Sendung tragen würde? Verrückt, oder? Wir gehen wie selbstverständlich mit diesen gesellschaftlichen Vorstellungen und Erwartungen um und bestätigen sie im eigenen Denken.

Jedem, der jetzt aufschreit, dass das nicht geht, weil man sowas nicht akzeptieren würde, sei gesagt, dass es früher auch kein Wahlrecht für Frauen gab oder Männer als Weicheier gegolten hätten, wenn sie monatelang in Elternzeit gegangen wären. Eine Frau an der Spitze eines großen Unternehmens? Absurd! Homosexuelle Politiker? Gleichgeschlechtliche Ehen? Ich nenne nur stellvertretend für viele weitere positive Entwicklungen in der Gesellschaft diese wenigen Beispiele, weil damit klar wird, worauf ich hinaus will.

Personaler haben eine besondere Verantwortung

Bezeichnend auch die Aussage von 45% der befragten Personaler hinsichtlich des Abratens von „witzigen“ Profilbildern. Gleichzeitig werten aber 62% es positiv, wenn „gewitzte“ Wendungen bei „ich biete“ oder „ich suche“ verwendet werden. Ist das nicht unfassbar? Was treibt Personaler an, eine solche Unterscheidung zu treffen? Im Profilbild bitte keinen Humor, er könnte Rückschlüsse zulassen, die nicht gewollt sind. Aber bei den Beschreibungen soll Humor plötzlich ratsam sein.

Völlig egal, welche rationale Überlegung letzten Endes hinter dieser Differenzierung liegen mag. Sie zeigt mir, dass Personaler sich wesentlich stärker über formelle Kriterien beeinflussen lassen, als über fachliche Inhalte (dort registrieren nur 40% Besonderheiten). Und noch viel schlimmer: Es zeigt, dass diese Personaler noch immer in einer Welt zu leben scheinen, in der SIE die Regeln vorgeben, nach denen Bewerber an Unternehmen herantreten sollen bzw. in ihrem Sinne sogar müssen.

Wer entscheidet, macht die Regeln

Das erinnert mich an die alte Denke im Stile von „Ich hab meinen Job schon, Du musst ihn erst noch kriegen“ bzw. „Ich bin schon drin und Du willst noch rein, also mache ich die Regeln und nicht Du“. Dass diese Befragung symptomatisch für die Branche ist, zeigen auch die heftigen Diskussionen zum Thema „Bewerbungskiller E-Mail-Adresse“, die auf meinem Blog in der letzten Woche geführt wurden. Unfassbar! – Liebe Bewerber, welche eitlen Kameraden habt Ihr da nur als Gegenüber?

Zum Glück ist aber schon ein wenig Licht am Ende des Tunnels. Unternehmen wenden sich (zumindest offiziell) von Zeugnisnoten ab und entdecken die Fähigkeiten spezieller Zielgruppen, die man vorher gesellschaftlich tendenziell eher stigmatisiert hat.

Diversity fängt ganz vorne an

Selbstverständlich treffen meine Ausführungen nicht auf alle Unternehmen bzw. Personaler zu, ganz klar. Allerdings nehme ich keinen Personaler aus der Verantwortung für das Einwirken auf die eigene Unternehmenskultur. Auf Personalentscheider, Führungskräfte und Kollegen. Wenn wir als Personaler es nicht angehen, diese Denke zugunsten einer am Menschen und nicht an Vorurteilen orientierten Haltung zu verändern, wer dann?

Dabei rede ich nicht von „Diversity-Blendgranaten“ wie den viel diskutieren Quotenfrauen in Aufsichtsräten oder Ähnlichem. Ganz am Anfang beginnt es. Indem wir unser eigenes Denken kritisch hinterfragen und analysieren, welchen Urteilen wir bezogen auf Äußerlichkeiten von Bewerbern unterliegen. Und ob es nicht an der Zeit ist, wie Henrik Zaborowski so schön bissig schreibt, die „Bewerbungsshow zu Grabe zu tragen“.

Ansonsten bleibt die Eitelkeit und Passivität der Personaler das größte Hemmnis auf dem Weg zu echter Diversity.

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Weitere kritische Beiträge zu den Themen Personalmarketing, Recruiting, Arbeitgebermarke und Diversity auf meinem Blog unter www.persoblogger.de.

Stefan Scheller About Stefan Scheller

Ich denke nicht, dass ich ein typischer Personaler bin.
Allerdings habe ich nach mehreren Jahren Arbeit im operativen Recruiting, strategischem Personalmarketing sowie zahlreichen Projekten im Bereich Arbeitgebermarke (Neudeutsch: Employer Branding) einen vertieften Einblick in die Welt der Personaler – und bin mit richtig viel Herzblut bei der Sache für meinen Arbeitgeber: Die DATEV eG in Nürnberg.
Auf meinem eigenen Blog unter www.persoblogger.de setze ich mich kritisch mit aktuellen Trends, News, oder Anbietern von HR-Dienstleistungen auseinander.
Ich freue mich darüber, hier Gastbeiträge veröffentlichen zu können sowie über eine weitere Vernetzungen mit HR-Experten.

Comments

  1. Angie Longstocking says

    Lieber Herr Scheller,

    vielen vielen Dank! Gerade das hier: „Ertappen wir uns mit diesen Bildern im Kopf nicht gerade selbst dabei, gängige Klischees und Vorstellungen, die weder auf fachliche Qualifikationen oder gar auf den Menschen als wertvolle Persönlichkeit an sich schließen lassen, zu leben?“ ist mir im Verlaufe meines (Berufs-)Lebens ständig begegnet. Sähe mich Herr Fügner, würde er mich sicher in die Schublade „eitler, arroganter fashion victim mit Selbstwertproblemen“ stecken, denn ich habe nicht nur mehrere Tattoos (mein erstes schon seit 20 Jahren), sondern noch dazu ketchuprote Haare, garniert mit ein wenig türkisgrün, und Hosenanzüge trage ich nur beim Kunden, ansonsten könnte man meinen Kleidungsstil auch eher „unangepasst“ brandmarken. Als ich vor mehr als 5 Jahren auf Jobsuche war, habe ich – legte ich ein Farbbild bei – nur Absagen oder gar keine Reaktion bekommen (ich suchte im Bereich Redaktion oder PR) . War kein Bild dabei (auf dieses Vorgehen habe ich mich dann vereinzelt testweise verlegt) gab es eine Einladung zum Gespräch oder die Bitte um Probetexte… Leider ist es immer noch so, dass die meisten Menschen – und das gilt auch für Personaler!!! – eben nur über das Äußere gehen, eine Schublade aufmachen und darin verschwindet man dann. Die Qualifikationen und Fähigkeiten werden gar nicht mehr wirklich gesehen… Aber – und das ist vielleicht für Leute wie Herrn Fügner unverständlich und abwegig – ein Gutes hat man mit einem solch „arroganten, eitlen und unangepassten“ Aussehen: Man bleibt im Gedächtnis. In meiner Zeit als Fachredakteurin haben mich meine Kunden auf Messen jederzeit wiedererkannt und sich immer gefreut, wenn ich vorbeikam. „Hallo, Frau W., ich habe Sie schon vom anderen Ende der Halle her leuchten sehen, Ihr Kaffee ist schon fertig!“ – denn wenn ich erstmal die „Paradiesvogel“-Hürde genommen und die Chance bekommen hatte, zu zeigen, dass ich durchaus fachkompetent war, blieb ich so gut wie jedem in guter Erinnerung. So schafft man seine eigene „Marke“ – und das wird doch auch immer wieder von Personalern empfohlen.
    Manchmal ist es einfach unglaublich skurril, wie Sie es ja auch so schön skizziert haben, Herr Scheller. Das lässt mich hoffen, dass sich vielleicht doch noch einmal in den Personalabteilungen Deutschlands im Denken etwas ändert. Selbst wenn ich vermute, dass kreative, unangepasste und selbstständig denkende Bewerber mit Persönlichkeit oftmals gar nicht gewünscht sind. Vielleicht deshalb, weil der gegenübersitzende Personaler nie den Mut hatte, auch mal unangepasst zu sein…

    • Liebe Angela,

      herzlichen Dank für den sehr persönlichen Einblick in Ihre Erfahrungswelt und das daher besonders wertvolle Feedback.
      Es ist tatsächlich bemerkenswert, dass einerseits selbst Politiker oder Redakteure von großen Magazinen und Zeitungen die Worte von Sascha Lobo aufnehmen und weiter verbreiten. Aber wenn es dann darum geht, einer Bewerberin wie Ihnen mit einer vergleichbaren Haarfarbe eine faire (und um nichts anderes geht es hier) Chance zu geben, Ihre Fähigkeiten wie alle anderen Bewerber unter Beweis zu stellen, dann wird gekniffen. Nach dem Motto „Die Publicity einer bunten Blogger-Celebrity nehme ich gerne mit, aber im normalen Leben ist ein solcher Kontakt für mich Tabu“. Bedenklich bis peinlich und an der Grenze zur Heuchlerei. Aber leider gelebte Realität. Noch. Wir arbeiten ja daran. 😉

      Beim Thema: Vielleicht interessiert Sie auch mein ursprünglicher Beitrag auf meinem eigenen Blog unter http://persoblogger.wordpress.com/2013/09/08/bewerbungskiller-e-mail-adresse/ der quasi die gedankliche Grundlage für den Beitrag hier war.

  2. Da hat XING aber was falsch gemacht. Erfahrung oder das neu verfügbare Portfolio interessiert die Personaler wohl nicht. Prima. Der hochqualifizierte Webdesigner mit Piercing wird also keine Gnade in den Augen der XING hörigen Personaler finden. Gut für mich, weiss ich doch jetzt wo ich suchen kann ohne das teuer wird 🙂

  3. Diversity – Tattoos und Piercings?
    Ich dachte, das waren Lebensformen, … Aber solche Äusserlichkeiten hier zum Thema zu machen, finde ich platt.
    Zumal- ist es ein Ausdruck von Eitelkeit seitens der Personaler- oder doch eher der Kandidaten, wenn man darauf besteht. Zumal – wer sich mit Tattoos und Piercings meint aufhübschen zu müssen, ja wohl ein massives Selbstwertproblem zu haben scheint- fashion victim halt. Denn dahinter steht immer auch der unausgesprochen Satz: So, wie ich von Natur aus aussehe, bin ich nicht schön genug- aber [und hier wirds eben dumm-eitel] schaut mein Tattoo- DAMIT BIN ICH WAS BESONDERES!“ Wer ist hier eitel- der Personaler???
    Herr Scheller, was Sie hier absondern, nennt der Psychologe eine klassische Projektion: Den eigenen Makel, oder „Schatten“ (C.G. Jung) auf den anderen projizieren.
    Aber im öffentlichen Dienst oder in einem eV kann man sich so was leisten.
    Wo Kunden für die Leistung von Menschen zahlen müssen, will man Kompetenz sehen. Die drückt sich auch in der Fähigkeit zur Anpassung an den Dresscode aus- nicht in einer an Hybris grenzenden Lust zur Selbstinszenierung. Für die Bewunderung von Eitelkeiten gehe ich ins Theater oder in eine Kunstausstellung oder Oper.
    No piercing, no tattoos in my Business- ever.

    • Sehr geehrter Herr Fuegner,

      netter Versuch. Sie interpretieren hier Glaubensrichtungen in Personaler und Kandidaten, die hier überhaupt niemand so geäussert hat.

      Und wenn Sie schon mit Herrn Jung anfangen … ach lassen wir das. Lesen und verstehen ist schon mal ein ganz großer Vorteil wenn man Personaler ist.

      Schlussendlich ja, geht es um Wissen und Kompetenz. Und (auch das ist immer eine persönliche Meinung) ist mir ein individuell tätowierter Geek, Nerd oder Banker lieber als eine verkopfte, voller Vorurteile vollgestopfte Niete im Businessoutfit. Denn Herr Fuegner, auch ein schicker Zegna Anzug muss gefüllt sein. Nette Hüllen (wie immer man sie ver_oder bekleidet hat noch nie gereicht)

      Es geht nicht darum sich über alle Normen eines Unternehmens hinwegzusetzen, es geht um einen freien Geist, um Erfahrung, um genaues Hinschauen und darum den besten! Kandidaten für ein Unternehmen zu finden.

      Aber so trennt sich eben die Spreu vom Weizen, sei es bei Personalern, Kandidaten und Unternehmen.

      Alles wird gut.

    • Zuerst einmal herzlichen Dank für den impulsiven Beitrag zu meinem Blog, Herr Fügner. Dieser scheint die Gemüter –Ihr eigenes allen voran- ja heftig erhitzt zu haben.

      Was den Begriff Eitelkeit in meinem Beitrag angeht, so meine ich ihn hier im Sinne von Hochmut bzw. dem Leben und Verstärken von Vorurteilen. Wenn jemand ein Piercing trägt oder tätowiert ist, so ist das in erster Linie die Entscheidung der entsprechenden Person. Einen Rückschluss auf dessen Lebensweise vorzunehmen, halte ich für extrem gewagt.

      Ich gebe Ihnen sogar teilweise Recht, dass einige Vertreter des übertriebenen (!) Körperkults tatsächlich deswegen so aktiv an „Verschönerungsmaßnahmen“ am eigenen Körper ansetzen, weil sie tatsächlich eine große Unzufriedenheit plagt. Aber darüber schreibe ich in meinem Blog gar nicht.

      Mir geht es einzig um den schizophrenen Gedanken, dass ganze Branchen einerseits über einen Mangel an (qualifizierten) Bewerbern jammern und Begriffe wie „War for talents“ prägen und andererseits leichtfertig von Äußerlichkeiten, wie Piercings, Profilbildern bei XING oder einer privat anmutenden E-Mail-Adresse auf die Passung des Kandidaten für die zu besetzende Stelle schließen.

      Wenn ein Unternehmen aufgrund seiner Kultur und dem Agieren im Markt glaubt eine gewisse Konformität haben zu müssen, dann ist das so lange ok, als die Personalvertreter dieses Unternehmens nicht über den oben genannten Zustand jammern, keine Gesetze dabei übertreten werden (insbesondere das AGG) und, ganz wichtig: Dass diese Firma nicht mit dem Begriff „Diversity“ hausieren geht, wenn in der Einstellung der Verantwortlichen noch mittelalterlich anmutende Züge im Sinne von „rote Haare = Hexe = Verbrennen“ durchscheinen.

      Professionelles Verhalten und professionelle Kommunikation in jedem Business sollten immer geprägt sein vom gegenseitigen Respekt zwischen den Menschen. Dann sind auch mal markigere Worte erlaubt. Fehlt aber dieser grundlegende Respekt, spreche ich Kommunikationspartnern diese Professionalität per se ab.

      Egal ob er einen Anzug trägt oder zerrissene Lumpen…

  4. Auch die Personaler der schäfchenangepassten Riege (was für eine nette Beschreibung von Michaela) wurden mal von jemandem eingestellt, der „so jemanden“ haben wollte 😉

    Ich halte diese Xing-Umfrage und ihre Ergebnisse insofern für fragwürdig, weil ich nicht glaube, dass sich nur Personalprofis daran beteiligt haben. Mit Profis meine ich Personaler, die ihren Job gut und gerne machen, die wissen, dass Personalauswahl alles andere als leicht ist, die sich darüber im Klaren sind, dass man dabei auch Fehler machen kann, und die trotz aller internen Prozesse Mensch geblieben sind und dieses Menschsein auch den Bewerbern zugestehen.

    Letztendlich bringt einen Eitelkeit wirklich nicht weiter. Dass das so ist, ist aber für den ein oder anderen ein längerer Lernprozess 😉

    Dass auch Fachabteilungen mitunter ein „Diversity-Verhinderungs-Brett“ vor dem Kopf haben, ist noch einmal ein anderes Thema.

  5. Hallo Stefan, ich kann Deinen durchdachten Artikel eigentlich nur durch den Hinweis auf das exzellente Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“ von Daniel Kahnemann ergänzen. Er zeigt sehr klar und wissenschaftlich fundiert, wie platt und eigentlich „dumm“ jeder (!) von uns Entscheidungen trifft. Und dabei denkt, er handele logisch und wohl überlegt. Das war für mich ein echter Augenöffner. Eigentlich ein „Muss“ für alle, die Entscheidungen zu treffen haben. Ob Hiring Manager oder Personaler.
    Herzlichen Gruß,
    Henrik

  6. Danke. Sehr, sehr gut beschrieben.

    Ich mag diesen Satz: „Wenn wir als Personaler es nicht angehen, diese Denke zugunsten einer am Menschen und nicht an Vorurteilen orientierten Haltung zu verändern, wer dann?“, weil er etwas schönes beschreibt. Unternehmen wollen mitdenkende, selbstdenkende, autarke Mitarbeiter – wollen sie aber (wie gesagt: nicht alle!!), aber in ihrem Äusseren reglementieren. Seit wann liebe Personaler der arroganten, schäfchenangepassten Riege hindert ein Tattoo oder Piercing beim Denken?

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