Private Internetnutzung und Social Media in Unternehmen: Pro und Contra Teil 1

Ich bin grundsätzlich ein Freund einer offenen Firmenpolitik /-kultur. Ich bevorzuge das „Du“, bin kein Freund eines (zu) einschränkenden Dresscodes und auch für eine möglichst flexible Wahl von Arbeitszeit und  -ort.

Auch in der Frage, ob man die private Internetnutzung in einem Unternehmen uneingeschränkt erlauben soll, bin ich nicht grundsätzlich dagegen.  Jedoch wird diese Diskussion meines Erachtens häufig sehr einseitig und zu optimistisch geführt und mögliche negative Konsequenzen ignoriert.

Wenn sich ein Unternehmen ernsthaft mit diesem Thema auseinander setzen möchte,  gehört auch eine Risiko-Einschätzung dazu, welche ich hier im Folgenden ausführen werde:

Sicherheit:  Wer als Arbeitgeber eine uneingeschränkte Erlaubnis der privaten Internetnutzung am Arbeitsplatz erlaubt, der muss sich auch darüber im Klaren darüber sein, dass neue Sicherheitsmaßstäbe eingeführt werden müssen.  Viren, Trojaner oder andere Malware fängt man sich beim privaten Surfen deutlich leichter ein.  Einige Fachleute halten diese Entwicklung für bedenklich. Wenn ein Unternehmen dort nicht proaktiv reagiert, folgen schnell hohe Kosten.

Datenschutz: Wenn private und geschäftliche Internetnutzung verschwimmen ist auch die Rechtslage nicht immer eindeutig in puncto Datenschutz. Sofern die private Internetnutzung erlaubt ist oder geduldet wird, muss sich ein Arbeitgeber auch mit dem Fernmeldegeheimnis  auseinandersetzen und den datenschutzrechtlichen Bestimmungen des Telekommunikationsgesetzes und des Informations- und Kommunikationsdienstegesetzes. Dies schränkt die Kontrollmöglichkeiten des Arbeitgebers ein.

Effizienz:  Das Schadenspotenzial ist immens. Hier ein paar private Emails, da ein kurzer Chat mit Freunden und noch einmal schnell schauen, was bei Facebook gerade los ist. Der volkswirtschaftliche Schaden, welcher durch private Internetnutzung entsteht wurde von der Firma NetPartners Internet Solutions auf 450 Millarden € in den USA beziffert. Etwas zu hoch gegriffen? Möglicherweise. Richtige Tendenz? Ja.

Abschließend mein Rat:  Arbeitgeber, welche sich nicht mit den Punkten Sicherheit, Datenschutz und Effizienz in dieser Frage auseinander gesetzt haben, sollten keine private Internetnutzung erlauben.

// Das Bild Virus ist von talkrealfast via Flickr unter CC BY-NC-SA 2.0

Tim Verhoeven About Tim Verhoeven

Ich habe an der Universität Duisburg-Essen Praktische Sozialwissenschaften studiert mit einem Fokus -> Statistik und empirische Sozialforschung. Ich beschäftige mich seit knapp 7 Jahren mit dem Thema HR in vielen unterschiedlichen Facetten und ich bin mittlerweile an dem Punkt angekommen, an dem ich mich als echter HR-Fan oute. Um genau zu sein bin ich ein echer Fan der Bereiche Personalmarketing und Recruiting und begeistert von den Themen Personalmarketing, Employer Branding und Recruiting.

Comments

  1. Bringen wir doch mal die andere Seite ins Spiel: in dem Augenblick, wo das Checken beruflicher Emails auch in bürofreien Zeiten immer mehr normal wird, verschwimmen die Grenzen zwischen Freizeit und Arbeit ohnehin. Im Arbeitsleben wie auch in der Freizeit ist viel eher die Disziplin gefragt, über seine Zeit zu entscheiden. Deshalb halte ich Verbote auch für verlogen, die Verantwortung des einzelnen ist das, was zählt. Klar ist die Versuchung heute viel größer, da wir die meiste Zeit am Rechner arbeiten (was ein entscheidender Unterschied zu Stephans Pausenbeispielen ist). Als Unternehmen ist man gut beraten das Bewusstsein für den Umgang mit Social Media zu schärfen, damit die Vorteile der Nutzung überwiegen.
    Und wer seine Ziele nicht erreicht, bekommt ein klärendes Gespräch mit dem Chef. Ob das an den verlängerten Pausen oder facebook likes liegt. Mit Social Media hat das eigentlich nichts zu tun – nur mit dem Mitarbeiter.

    • Tim Verhoeven Tim Verhoeven says:

      Hallo Christoph,
      Ich gebe dir in deinem Statement vollkommen Recht, es hängt sehr stark vom Zusammenspiel von Chef und Mitarbeiter ab. Ist eine Eingenverantwortungs- und Vertrauenskultur vorhanden, dann klappt vieles… Vertrauensarbeitszeit, Private Nutzung des Internets und vieles mehr.
      Dort, wo eine solche Kultur nicht gelebt wird, ist dies jedoch schwierig.
      Gruß
      Tim

  2. Eine aktuelle DGFP-Studie zu diesem Thema zeigt, dass sich einige Unterschiede im Umgang mit Social Media auch aus der Branchenzugehörigkeit oder der Unternehmensgröße zu ergeben scheinen: So gewähren
    Dienstleistungsunternehmen eher uneingeschränkten Zugang, Produktionsunternehmen sperren eher alle Social Media Dienste und die Beschränkung auf ausgewählte Dienste ist vor allem in großen Unternehmen üblich.
    (http://www.dgfp.de/wissen/empirische-studien/dgfp-kurzumfrage-social-media-am-arbeitsplatz-3562)

  3. Sicher ist das eine Frage der Unternehmenskultur, des Menschenbildes und der Branche. Bei uns handelt es sich durch die Bank weg um hochqualifizierte, engagierte Mitarbeiter, die sehr selbstständig arbeiten. Um unsere Projekte erfolgreich zu machen tragen sie eine Verantwortung, gegenüber der sich etwas Zeitverlust durch eventuelles privates Surfen lächerlich ausnimmt.

    Ich wäre bei meinen Mitarbeitern auch gar nicht in der Lage, private und geschäftliche Nutzung auseinanderzuhalten. Wer eine Regel aufstellt, die private Nutzung verbietet, muss auch klar sagen, wie er sie durchsetzen will — das bedingt ein Maß an Kontrolle, das ich mit meiner Vorstellung von einer vertrauensvollen Zusammenarbeit im Unternehmen nicht vereinbaren kann.

  4. Interessante Conclusio: Im Zweifel sollte der AG die private Internetnutzung nicht zulassen? Diese recht paternalistische Sichtweise geht an der Tatsache vorbei, dass der AG kaum über die Nutzung des eigenen Smartphones vor Ort entscheiden kann. Warum solch ein negativer Text? Ich empfehle als Gegenansatz den Vortrag von Ben Scott beim Collaboratory http://globaler-wandel.blogspot.de/2012/08/ben-scott-internet-is-not-dark-and.html
    Diese kritische und negative Sichtweise (Immenses Schadenspotenzial) ist aber nicht ungewöhnlich und ein eher generelles Problem verschiedener Stabsabteilungen, mit der Dezentralisierung von Verantwortung und Kommunikation umzugehen. Ich denke, man sollte sich als Stabsabteilung bewusst sein, dass das Internet nicht zurückgekommen werden kann, dass es mehr positive als negative Begleiterscheinungen gibt und dass man es beim Arbeitnehmer mit einem mündigen Bürger zu tun hat, der es gewohnt ist, in einem zivilgesellschaftlichen und demokratischen Umfeld zu leben.

    • Hallo und vielen Dank für den Beitrag,
      Wie schon bei FB – möchte ich kurz meine Intention näher bringen. Es geht mir nicht darum, grundsätzlich Arbeitgeber dazu aufzurufen, die private Internetnutzung zu verbieten.
      Im Gegenteil. Ich ermahne nur, dass man sich vorher AUCH mit den Risiken auseinander setzen soll.
      BTW: in den nächsten Tagen folgt auch der zweite Teil der Pro und Contra Gegenüberstellung, wo es dann eher um die Chancen des Themas geht (die ich deswegen bewusst nicht aufgenommen habe)

  5. Fully agree to Stephan!

    Forschung zum Thema Effizienz und Social Media Nutzung am Arbeitsplatz gibts ja schon, bei wenig Aufmerksamkeit seitens des Business. Warum dieses Potential nicht auch betrieblich nutzen, als „Incentive“ mit Yammer & Co? Please share some thoughts… Thanks!

  6. Stephan Grabmeier Grabmeier Stephan says:

    zur Effizienz: das Schadenspotenzial ist aus meiner Sicht nicht höher als überzogene Mittags/Kaffepausen, Raucherpausen, Pläuschen auf dem Gang o.ä. Leider wird dem fiktiven „Schaden“ kein Wertschätzungs- und Motivationsfaktor entgegengerechnet.

    450 MRD Schaden – etwas zu hoch? Ja! Tendenz richtig? Nein! Praktische Erfahrungen zeigen gegenteilige Tendenzen.

    • Hallo Stephan,

      Vielen Dank für deinen Kommentar. Man muss das Thema natürlich differenzierter betrachten, als ich es in diesem Artikel gemacht habe, um in die Tiefe zu gehen.

      Es hängt meines Erachtens sehr von der individuellen Motivation ab, ob ein Mitarbeiter durch die Möglichkeit der privaten Internetnutzung ineffizienter wird.

      Ich habe selbst schon einige praktische Erfahrungen gemacht, wo genau dies der Fall gewesen ist. (wobei ich das sicherlich nicht pauschalisieren möchte).

      Gruß

      Tim

Trackbacks

  1. […] erste Beitrag: „Private Internetnutzung und Social Media in Unternehmen: Pro und Contra Teil 1“. Aber keine Sorge, auf dem Blog wird nicht die nächste „Sau des Onlinehypes“ durchs […]

  2. […] mal gerade 10 Prozent der befragten Unternehmen den Zugang zum Internet während der Arbeitszeit! 54 Prozent verbieten die Nutzung sogar komplett. Nun ist ja die Bedeutung des Internet ohnehin noch lange bei vielen Unternehmen nicht angekommen, […]

  3. […] die  Nutzung sozialer Netzwerke für die Mitarbeiter während der Arbeitszeit ist aber tabu (das ist natürlich kein Einzelfall!) […]

  4. […] Was gegen eine (private) Socia Media und Internetnutzung in Unternehmen spricht. Überlegungen im Kontext Datenschutz und Sicherheit.  […]

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