Social Recruitment Monitor – „Und alle so yeah“ oder: „Nicht noch ein Ranking“

Rankings zu Facebook-Karriere-Fanpages, Twitter-Accounts und YouTube-Channels gibt’s in Deutschland ja wie Sand am Meer. Da gibt es z.B. die Jungs von atenta mit ihrer FB-Rangliste, das mittlerweile leider unbrauchbare Fanpage-Ranking von personalwerk als FB-App, das regelmäßig erhobene Benchmarking zwischen 60 ausgewählten (!) Facebook-Karriere-Fanpages von Lutz Altmann oder aber die beiden Twitter-Rankings der Kollegen Jo Diercks und Henner Knabenreich.

Genug sollte man meinen, und in der Tat, auf noch mehr Rankings, Vergleichen und Benchmarks zu sehen fehlt uns allen sicherlich auch die Zeit. Nichts desto trotz freue ich mich sehr, dass mit dem vor kurzem live gegangenen Social Recruitment Monitor ein weiteres Tool zur „Erfolgsmessung“ verfügbar ist.

Und das aus einfachem Grunde: All die oben aufgeführten Rankings nutzen mir nämlich tutti completti nada. Soll heißen, die Rankings bilden in der Regel die deutsche Social Media Employer Branding Szene und deren Engagements ab. Das ist schön, für mich aber eher ungünstig, weil sie „meine“ global aufgestellten Bemühungen mit Allianz Careers auf Facebook und dem gleichnamigen Account auf Twitter nicht abbilden.

Und selbst wenn Sie es täten: Eine international ausgerichtete Fanpage o.Ä. mit deutschen Pendants zu vergleichen wäre bar jeder Sinnhaftigkeit.

Social Media Employer Branding mit dem Social Recruitment Monitor

Kurzum, der Social Recruitment Monitor von maximum.nl, ist das weltweit erste Ranking, das (in der Mehrheit) globale Facebook-Karriere-Fanpages miteinander vergleicht (wobei auch die Kollegen von Continental Karriere und BMW Karriere vorkommen). Ob das das kürzlich von Ibrahim Evsan gelaunchte analytics.cc, das u.a. auch Karriere-Fanpages auf Facebook rankt, und bei dem man auch globale Fanpages aufnehmen lassen kann, in Zukunft Gleiches leistet, bleibt abzuwarten und darf bezweifelt werden. Neben diesem für mich, der seit kurzem im Global Employer Branding der Allianz SE arbeitet, wichtigen Aspekt, hält der Social Recruitment Monitor noch drei weitere Besonderheiten bereit:

  • Er listet nicht nur Facebook, sondern auch Twitter, YouTube und, für mich extrem relevant, LinkedIn (wobei ich hier gespannt bin, ob das die Company Pages sind oder Gruppen)
  • Er lässt einen direkten Vergleich zwischen zwei Fanpages zu (ja, das kann man bei Fanpage-Karma ebenso machen lassen. Das ist dafür aber z.T. auch kostenpflichtig!)
  • Er bleibt nicht nur global, sondern wird nach und nach auch bestimmte Länder und deren Fanpages, Channels, Accounts etc. ranken. Den Start machte hier UK, darauf folgen die Niederlande – und auch Deutschland ist geplant. Nicht zuletzt deswegen sollten alle Employer-Branding-Verantwortlichen hierzulande aufhorchen, denn der Social Recruitment Monitor könnte ach für sie noch relevant werden.

Ebenfalls schön:

  • Der Monitor rankt weder realtime noch unregelmäßig wie die oben genannten Bemühungen, sondern arbeitet auf wöchentlicher Basis. Das dürfte unseren eigenen Monitoring-Zeiträumen entgegenkommen
  • Er bringt neben den bekannten Engagement Ratio Indices eine weitere Komponente ins Spiel – den MXMM-Index, der laut maximum.nl eine bessere Variable darstellt, um den Erfolg einer Fanpage zu messen.

Konkret heißt es da auf der Website:

It’s currently the most accurate and objective way of measuring social media recruitment activity.

Grund genug für mich, mich mit Vincent Rietveld, einem der Co-Initiatoren des Social Recruitment Monitors, zu unterhalten. Das komplette englische Interview lässt sich auf meinem Blog soziales Brand: Marken finden. An dieser Stelle möchte ich einige Auszüge davon auf deutsch herausgreifen:

Vincent Rietveld, Co-Initiator des Social Recruitment Monitor

Vincent Rietveld, Co-Initiator des Social Recruitment Monitor

Vincent, eine Variable eures Monitors ist der sog. „MXMM-Index“. Was genau ist das? Ihr selbst beschreibt das auf eurer Website als „weighted variables that are proven indicators of popularity, activity and interaction“. Aber was genau bedeutet das?

Den MXMM-Index kann man grob gesagt als eine Art übergreifende Ranking-Variable ansehen. Stell dir einfach vor, dass der Index die wöchentliche Interaktivität einer Fanpage widerspiegelt. Wir sind davon überzeugt, dass die pure Anzahl der Likes bei Facebook oder die Anzahl der Follower auf Twitter niemals den wahren Erfolg einer Social-Media-Maßnahme angeben kann. Der MXMM-Index umfasst dagegen viel mehr. Er berücksichtigt die Popularität eines Accounts, dessen Aktivität, die Interaktion mit den Fans/Followern genauso wie die schiere Anzahl der Fans/Follower sowie das Seitenwachstum über einen fest definierten Zeitraum. 

Aber was ist der Unterschied zwischen dem MXMM-Index und der Engagement Ratio? 

Während man beim Engagement misst, wie intensiv Fans mit dem Content einer Fanpage interagieren in Bezug auf Likes, Kommentare oder Shares, ist der MXMM-Index breiter aufgestellt. Er misst die Beliebtheit einer Seite, die Aktivität, die Interaktion sowie die Fanzahlen, Fanwachstum, Anzahl der Postings sowie die Engagement Ratio.  

Wir sehen, so richtig möchte man nicht preisgeben, wie die Berechnung des MXMM-Index‘ genau aussieht. Das ist natürlich schade, denn genau das bräuchte ich eigentlich, um selbst beurteilen zu können, ob mir der Wert etwas nützt und ob ich ihn in mein eigenes Monitoring aufnehmen kann. Aber weiter im Text …

Euer Social Recruitment Monitor ist erst wenige Wochen alt. Gibt’s schon erste Erkenntnisse, die ihr mit uns teilen möchtet? 

Gerne. Einige erste Ergebnisse sind zeimlich überraschend für uns. Eines ist, dass viele Likes nicht zwingend zu einer Top-Platzierung in unserem Ranking führen. Dasselbe gilt für eigentlich sehr beliebte Verbraucher-Marken. Auch sie sind nicht zwangsläufig „oben“ zu finden. Nehmen wir z.B. EADS oder Continental – beides keine Mega-Marken, dennoch schneiden sie bei uns extrem gut ab, was die Aktivität und das Engagement angeht. 

Eine weitere Erkenntnis ist, dass du nicht viel „Lärm“ machen musst oder viele Fans bzw. Updates brauchst, um eine hohe Interaktität bzw. einen guten MXMM-Wert zu erzielen. Das einzige, was du brauchst, ist ansprechender Content, der die Fans zur Interaktion anregt. So haben die UBS und AT&T erst kürzlich ihre Fanpages an den Start gebracht und erreichen bereits jetzt sehr gute Platzierungen in unserem Ranking. Eben weil sie es geschafft haben, ein beständiges Engagement ihrer Fans zu gewährleisten. 

Neben dem Global Ranking habt ihr auch eine Auflistung für UK-Career-Fanpages. Wie sieht’s mit Deutschland aus? 

Da werden wir demnächst auch etwas dazu veröffentlichen!  Das wird gegen Ende des Jahres sein. Jeder Arbeitgeber kann dafür übrigens jetzt schon seine Facebook-Fanpage und jede andere Social-Media-Aktivität bei uns ganz einfach anmelden: http://www.socialrecruitmentmonitor.com/add-my-organisation.

Mehr Fragen an Rietveld, u.a. was Arbeitgeber in Zukunft vom Social Recruitment Monitor erwarten können, was Maximum selbst mit den Ergebnissen anstellen möchte und wie Vincents Ratschläge für ein erfolgreiches Social Media Employer Branding aussehen, gibt’s, wie erwähnt, im Blogbeitrag Social Recruitment Monitor – Interview with Co-initiator Vincent Rietveld.

Nicht ganz unerwähnt möchte ich aber noch die bereits aufkeimende Kritik am Monitor lassen. Jacco Valkenburg stellte nämlich berechtigt die Frage Does Social Recruitment Monitor rank the best pages?. Dabei zeigt er u.a. auf, dass der Monitor seltsamerweise Pages direkt nebeneinander listet, obwohl es massive Unterschiede in der Fananzahl und dem Engagement gibt. Hier wäre es meiner Meinung nach eben praktisch zu wissen, was dem MXMM-Index zu Grunde liegt, denn genau daran liegt es, dass es zu solchen Ergebnissen kommen kann. Zu Guter Letzt führt Jacco an, dass es für ihn ohnehin nur eine valide Messgröße für Facebook-Fanpages geben kann, die da wäre „People talking about this“ geteilt durch „Number of Likes“. Liegt man dabei zwischen drei und fünf Prozent, würde man einen guten Job machen.

Letztlich muss jeder selbst entscheiden, ob der Social Recruitment Monitor eine Hilfe für das eigene Social Media Controlling sein kann und welche KPIs er zur Darstellung seines (Miss-)Erfolges heranziehen möchte. Wie immer gilt hier: Traue nur der Statistik, die du selbst gefälscht erstellt hast …

 

Dominik A. Hahn About Dominik A. Hahn

Als Verantwortlicher für das globale Employer Branding und eRecruiting ist Dominik A. Hahn seit 2012 für den weltweiten Arbeitgeber-Auftritt sowie die Online-Bewerbungsprozesse der Allianz Gruppe zuständig. Dies umfasst neben der Koordination der diversen Länder- und Geschäftseinheiten mit eigenen Recruitment- und Branding-Units, die Betreuung der globalen Karriere- und Social-Media-Channels auch die Weiterentwicklung des weltweiten Online-Bewerbungstools der Allianz Gruppe hinsichtlich Usability, Candidate Management, Prozessgestaltung und Reporting.

Zuvor war Hahn für das Online-Personalmarketing der Allianz Deutschland AG, einer der größten Einheiten innerhalb der Allianz Gruppe, verantwortlich. Seinen beruflichen Ursprung hat der studierte Medien- und Kommunikationswissenschafler, im Bereich Public Relations.

Comments

  1. Hallo Herr Hahn,

    ein schöner Artikel und danke für die Erwähnung von Fanpage Karma. Ich wollte Sie noch kurz auf folgendes hinweisen: Bei Fanpage Karma können Sie Rankings selbst zusammenstellen. Sie können genau die Seiten zusammenstellen, mit denen Sie Ihre Fanpage vergleichen möchten. Und auch komplett kostenlos. Sie können das Ranking mit anderen teilen oder ganz alleine managen. Sie können es sogar hier auf dem Blog einbetten. Schauen Sie doch mal vorbei: http://www.fanpagekarma.com/Facebook-Ranking

    Lieben Gruß aus Berlin

    Stephan Eyl

    PS: Und Twitter Rankings kann man auch bald erstellen.

Trackbacks

  1. […] Aufgabe der Kollegen im Social Media Management ist. Beispielsweise hat Dominik Hahn bereits 2012 in seinem Artikel das Thema Social Recruitment Monitoring aufgegriffen. Pünktlich zu den heute startenden Social Recruiting Days möchte ich daher die Frage […]

  2. […] Aktivitäten anderer Unternehmen. Dieser Frage geht der Social Recruitment Monitor nach. Einen sehr lesenswerten Artikel (mit einem etwas komischen Titel) darüber hat Dominik Hahn […]

Speak Your Mind

*