Ein offener Brief an…Dr. Sommer

Lieber Dr. Sommer,

ich vermisse Sie! Sie glauben gar nicht wie! Sie hatten einfach immer eine Antwort. Eine klare Antwort auf eine klare Frage. So bin ich aufgewachsen und so möchte ich es zurück haben. Ich heiße Alex(andra) bin mittlerweile 40 Jahre alt und gehöre damit ganz klar in die Kategorie X.  Nicht Y und schon gar nicht Z. Warum ich Ihnen das schreibe? Nun, Sie müssen wissen, lieber Dr. Sommer, das Y und Z mein Leben bestimmen und nein, damit meine ich jetzt leider nicht die Chromosomen. Ich rede von ganzen Generationen! Von Generationen, die geheimnisvollerweise mit nur einem Buchstaben versehen werden (vielleicht glaubt man, was bei James Bond funktioniert gilt für die Welt des Recruiting schon lange?!)

Ja wirklich! Es geht um Recruiting, das hätten Sie jetzt nicht erwartet oder? Wissen Sie, ich wende mich an Sie, weil mir bisher niemand die eine Antwort auf meine eine Frage geben konnte. Vielleicht aus Unwissen, vielleicht aus Geheimnistuerei, vielleicht aus Scham?! Auch das weiß ich nicht – aber wenn das die Beweggründe sein könnten, dann bin ich bei Ihnen genau richtig! Beim dem, der IMMER eine Antwort auf eine noch so unmögliche Frage hatte.

 Lieber Dr. Sommer,

was erwarten die Generationen Y & Z von ihren zukünftigen Arbeitgebern?

 Ja, es mag auf für Sie ein Schock sein, dass ich mich wage, diese Frage an Sie zu stellen. Aber wissen Sie, ich muss die Antwort darauf kennen –denn wenn ich sie nicht kenne, mache ich nichts richtig im Personalmarkting. Keiner wird sich bei mir als Firma bewerben, die Kosten die ich damit aufwende, mich toll zu präsentieren steigen ins Unermessliche, ich bin null erfolgreich und ende als arme Malerseele und pinsele Igelfamilien auf La Gomera..…aber ich schweife ab, entschuldigen Sie bitte.

 Vielleicht sage ich Ihnen einfach mal was ich schon weiß. Und Sie setzten dann darauf an, okay? Also:

 Die Generation Y…

…ist eine wirklich besondere Generation

…kann und wird Leben und Leistung supi vereinbaren

…wurde von Mama und Papa sehr geliebt und

…hat deswegen sehr viel Selbstvertrauen

…ist ganz toll motiviert und

…ist ganz toll ausgebildet

…denkt und redet selbst

… möchte lieber an eigenen Projekten arbeiten und sich dadurch

…selbst verwirklichen

…ist also wirkliche eine besondere Generation müssen Sie wissen

 Die Generation Z…

 …ist kein Teamplayer

…ist „natürlich“ digital

…konzentriert sich nur noch auf ihre eigenen Ziele

…redet gerne von sich

…und ist dem Thema „Loyalität“ jetzt nicht so ganz zugewandt

…mag total gerne Geld aber das Leben noch mehr 

Ich weiß, was Sie jetzt denken! Sie fragen sich auch gerade, ob Sie die Generation danach (ist das dann tatsächlich „A“?) dann wirklich noch erleben wollen. Gut, ich weiß, die Frage stellt sich für Sie persönlich jetzt nicht mehr ganz so arg – aber für mich, Dr. Sommer, ich werde noch mit dieser Generation konfrontiert. Und ich habe Angst!  Angst vor dem ersten Mal (da ist es endlich:-)), an dem ich erkennen muss, dass – obwohl ich mein komplettes Personalmarketing auf diese Beschreibungen der Generationen ausgerichtet habe – keine Bewerbungen mehr bekomme und die Igelfamilien….ach, vergessen Sie das. 

Ich habe viel über Sie gelesen, Dr. Sommer. Ich weiß, warum Sie ihren Job so gerne gemacht haben: Sie wollten Ihr Publikum, die Jugendlichen, direkt erreichen. Sie haben sehr genau hingehört und Ihre Zielgruppe und deren Fragen ernst genommen. Und dann haben Sie sich genau überlegt, was in dieser Generation gerade vorgeht. Mir gefällt das sehr, müssen Sie wissen.  

Aber so vorzugehen ist neu. Nicht nur für mich – auch für viele Recruiter, Chefs , Entscheider….nennen Sie es wie sie wollen. Es braucht noch Übung im Hinhören und Wünsche ernst nehmen. Wissen Sie, so was war bisher im Recruiting nicht  so üblich. Warum? Mmmh, gute Frage!  War glaub‘ ich schon immer so.

Nun überlege ich mir: Sie waren ein absoluter Vorreiter. Sie und Ihre ehrlichen, transparenten Antworten waren sogar zwei Mal auf dem Index. Und trotzdem – oder gerade deswegen – leben Sie noch. Also Sie wissen schon, wie ich das meine. Sie leider nicht mehr. Aber Ihr Tun ob Ihrer revolutionären Einstellung hat Sie überlebt und ist erfolgreicher denn je.

Vielleicht ist das die Antwort, Lieber Dr. Sommer! Vielleicht höre ich mehr hin und nehme mehr ernst. Und vielleicht habe ich einfach keine Angst vor Ehrlichkeit und Transparenz. Was soll mir schon passieren? Der Index ist doch ehrlicherweise eher cool als angsteinflößend, da werden Sie mir sicher zustimmen?!

Ich danke Ihnen herzlich Martin (ich darf Sie hoffentlich so nennen?!). Sie haben mir tatsächlich schon wieder sehr geholfen!

Es grüßt Sie nach  weit oben

Ihre Alex Götze

 PS: Sie gehören übrigens zur Generation Silent oder auch Traditionals. Generationsübergreifendes Lernen funktioniert also doch noch… – ist das nicht einfach phantastisch! 🙂

Alexandra Götze About Alexandra Götze

Ich bin zertifizierter Business& Personal Coach mit Praxis in Wiesbaden. Im Business Bereich habe ich mich auf das Coaching von Führungskräften des mittleren Managements spezialisiert. Mehr über meine Arbeit und mich finden Sie unter: www.alexandragoetze.de
Da mir die Anbindung an ein Unternehmen wichtig ist, widme ich einen Teil meiner Zeit weiterhin Accenture. Als Verantwortliche für den Bereich Talent Strategies beschäftigen mich alle Themen rund um das Thema Talentbeschaffung, -entwicklung und –bindung.

Comments

  1. Amen!
    Bleibt nur zu hoffen dass es keine Mischformen gibt, das wäre ja der Supergau.

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  1. […] schreiben. Und wie sie schreiben kann. Ihre „offenen Briefe“ an Persönlichkeiten wie Dr. Sommer, Pamela Anderson, Gordon Gekko, Captain Future oder gleich die ganze Generation Y – ein wie […]

  2. […] Kommunikation an Zielgruppen durch fehlende Bindungseffekte in Zukunft weiter an Bedeutung. Die Generation Y ist es in besonderer Weise gewöhnt, persönlich angesprochen zu werden und hat zudem – durch […]

  3. […] Individualisierung als Megatrend hat das Produktmarketing schon lange erreicht – das Arbeitsumfeld aber erst in Ansätzen. Als Beispiel mag die zunehmende Flexibilisierung von Arbeitszeiten dienen. Dennoch ist dies ein Trend der Unternehmen vor die größte Herausforderung stellt, da bestehende Policies und Guidelines eher das Gegenteil versuchen und möglichst breite Gültigkeit bei möglichst geringem Interpretationsspielraum anstreben. Individualisierung etwa im Benefitsbereich könnte als Retentionmaßnahme aber durchaus vielversprechend sein – insbesondere im Hinblick auf die Generation Y. […]

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