Karneval im Personalmarketing

Social Media im Personalmarketing: Lahme Ente oder Zugpferd?

Es ist wieder närrisches Treiben auf Deutschlands Straßen angesagt. Während der Volksmund es Fasching, Karneval, Fastnacht oder wie auch immer nennt, haben Unternehmen ihren ganz eigenen Begriff für das Bespaßungsprogramm von Bewerbern gefunden: Social Media.

Statt der Büttenrede wird die Mär von neuen Wegen zum Besten gegeben. Neu ist dabei allerdings nicht viel. Statt neuen Wegen gehen viele Unternehmen die bequemen. Und die werden zwangsläufig in eine Einbahnstraße oder sogar eine Sackgasse führen. Oftmals ändern sich zwar die Kanäle, die Denke allerdings nicht.

Vieles ist nur vom persönlichen Engagement der Mitarbeiter abhängig, statt Mittel und Wege zum Erfolg zu institutionalisieren und in die Strategie einfließen zu lassen. Das macht die Praxis im Social Media Alltag auch abhängig von Willkür. Was ist, wenn der neue Chef das Social Engagement im Personalmarketing nun anders bewertet. Wird dann plötzlich alles anders? Was für den Mitarbeiter „lediglich“ ärgerlich erscheint, ist den digitalen Bewerbern, die sich mit dem Arbeitgeber auseinandersetzen, nur schwerlich zu vermitteln.

Mitarbeiter, die für Social Media zuständig sind, benötigen daher klare Regeln, die ihnen mehr Flexibilität und Freiheit einräumen und ihnen gestatten, Dinge zu probieren, Erfahrungen zu sammeln, Ansprüchen von Communities gerecht zu werden (falls man diese aufgebaut hat) und zu lernen. Aber vor allem auch mehr Vertrauen in ihre Arbeit(szeit). Denn sie sind heute oftmals Speerspitze von Unternehmen und vermitteln einen ersten Eindruck. Und der kann Gold wert sein.

Daher möchte ich an dieser Stelle für das Community Management in die „Bütt“ springen und mich dem Thema etwas karnevalesker widmen (alles rein fiktiv und nicht immer ganz ernst gemeint!).

Karneval im Personalmarketing


Social Media ist im Alltag angekommen,
das haben auch die obersten Etagen schon vernommen.
Eine Facebook-Seite die muss her,
wir brauchen neue Wege und Fans noch mehr.

Lieber Kollege setzen sie mal eine solche Seite auf,
die Leute sind in diesem Netzwerk doch zuhauf.
Das wird uns neue Bewerber bringen
und wird schon irgendwie gelingen.

Der Mitarbeiter gerät ins Schwitzen,
während die Chefs erwartungsfroh vor ihm sitzen,
die Vorfreude steht ihnen im Gesicht,
denn die Fanpage bringt sie in Zukunft von der Dunkelheit ins Licht.

Der Mitarbeiter macht sich sogleich ans Werk,
denn neben der Seite wartet ein ganzer Arbeitsberg.
Abgestimmt hätte er die Fanpage noch ganz gern,
aber die Kollegen sitzen doch so fern.

Irgendwie haben es Datenschutz, Kommunikation und andere trotzdem vernommen,
und es sogleich in den falschen Hals bekommen,
Daher gerät der arme Mitarbeiter noch mehr ins Schwitzen,
denn die Kollegen hören nicht auf mit dummen Witzen.

Auch der Chef lächelt ganz charmant,
weil er die Seite nicht mehr ganz so wichtig fand,
sondern andere Aufgabe priorisierte,
so dass Facebook nur noch peripher interessierte.

Der Mitarbeiter zeigte sich jedoch ambitioniert,
so dass er viel Zeit und Geduld in die Seite investiert,
der Erfolg gibt ihm auch noch recht,
5.000 Fans, da staunt der Chef nicht schlecht.

Plötzlich ist man als Arbeitgeber bekannt,
wie gut, dass man neue Wege fand.
Die Fans zeigen sich auch begeistert,
weil man ihnen nicht nur bunte Bilder an die Pinnwand kleistert.

Der Chef findet das zwar verwunderlich,
denn diese dauernde Kommunikation ist doch ganz fürchterlich.
Aber der Mitarbeiter macht es ganz gut,
mit frischer Schreibe, Dialog und frohem Mut.

Das Beispiel macht auch im Unternehmen die Runde,
der Chef hält überall die frohe Kunde,
dass die sozialen Medien die Rettung sind,
das wüsste doch schon jedes Kind,

denn die seien bereits in jungen Jahren in den Netzen,
dort wimmele es zwar nur von kommunikativen Fetzen,
alles anders als er vorher war,
aber die Fanzahl sprießt – alles wunderbar.

Doch während einige Unverbesserliche nur mit den Schultern zucken,
fangen andere im Unternehmen an zu mucken,
man würde doch bald den Überblick verlieren
und die gute Reputation riskieren.

Das ganze Duzen passe nicht zum Unternehmen,
man würde Bewerber in falscher Transparenz wähnen,
es sei doch alles viel professioneller
und diese Kommunikation wird unbeherrschbar, weil immer schneller.

Wer stimmt denn diese Beiträge eigentlich ab,
die Zeit für den Mitarbeiter für ordentliche Arbeit wäre ohnehin schon knapp,
er solle sich mal mit dieser Interaktion zurückhalten,
diese Fans könnten sich doch selbst verwalten.

Da wäre auch schon das nächste Problem,
ein stetes Wachstum ist schon länger nicht mehr zu sehen,
dieses Engagement sei schön und gut,
aber es sei so, dass Erfolg schon immer auf Wachstum beruht.

Daher soll der Mitarbeiter sich auf diese Ads konzentrieren,
weil die Chefs nach Fanzahlen der Konkurrenz stieren,
die antworten zwar nicht auf Fragen,
aber was hat dieses Geschwätz schon zu sagen.

Übrigens reagiert der Chef ganz verstört,
denn er habe Beschwerden gehört,
der Mitarbeiter würde auch am Wochenende schreiben,
er solle doch lieber bei den Kernarbeitszeiten bleiben,

lautet der Rat aus der oberen Etage,
denn sonst gerät der Betriebsrat noch in Rage,
dieses Facebook müsse eben sein,
Aufwand aber bitte klein.

Der Mitarbeiter ist irritiert,
denn er hat nicht nur Fans generiert,
er hat die Bewerber ganz nah ans Unternehmen gebracht,
weshalb das Bewerberherz auch lacht,

dieser stand im Mittelpunkt der Aktivität,
bekam Hilfe früh und spät,
darüber hinaus Einblicke hinter die Kulissen,
das würden die Fans doch vermissen,

gibt der Mitarbeiter zu Protokoll,
das fänden auch die Chefs ganz toll,
doch das sei alles gar nicht zu realisieren,
man müsse sich auf das Wesentliche konzentrieren.

Das Probieren sei jetzt vorbei,
denn dieses ganze Social Media Buhei,
sei ja nun im Unternehmen etabliert,
außerdem habe er registriert,

das selbst seine Tochter den Auftritt schätzt,
während wiederum ein anderer Abteilungsleiter hetzt,
wie solle er diesen Spagat denn meistern,
er müsse Vorgesetzte und nicht Fans begeistern,

daher sei sein letztes Wort,
man fahre nun mit neuer Strategie fort,
Hochglanz müsse wieder her,
das begrüßen auch die Kollegen aus der Führungsetage sehr

der Mitarbeiter steht nun ratlos da,
denn für ihn war schon zu Beginn klar,
Social Media bedeutet Neues wagen,
um es ganz deutlich zu sagen,

es verlangt eine Veränderung der Kultur,
und dieser Schritt gelingt nur,
wenn man sich auf das Wesentliche konzentriert
und den Blick nicht in Fanzahlen verliert.

So. Und nun bitte Narrhallamarsch. Aber bitte nicht in die Sackgasse.

 

Pic: frAgor (CC BY-SA 3.0)

Florian Schrodt About Florian Schrodt

Florian Schrodt hat Politikwissenschaften studiert und als freier Journalist sowie in einer PR-Agentur gearbeitet. Zunächst war er bei der DFS Deutsche Flugsicherung GmbH in der Kommunikation tätig, inzwischen ist er dort als Referent im Personalmarketing mit Schwerpunkt Online. In dieser Funktion verantwortet er vor allem die Aktivitäten und die Weiterentwicklung der sozialen Netzwerke, die er als Teil des Social Media Teams aufgebaut hat. Als Referent, Redner und Blogger gibt er Einblicke in seine Erfahrungen, die er auf diesem Gebiet sammeln konnte.

Comments

  1. Lieber Herr Schrodt,

    ganz herzlichen Dank für diesen Blogpost. Er hat mir den Tag versüsst und es steckt so viel Wahrheit drin 🙂

    Beste Grüße
    Jürgen Bühler

  2. Franziska Knabenreich says:

    Lieber Florian, was würde ich dafür geben dich in einem Prinzenkostüm zu sehen,während du die Bürrenrede hälst!!!!

    • Florian Schrodt Florian Schrodt says:

      Liebe Franzi, da müssen wir wohl mal in Verhandlungen treten. Oder aber ich schreibe deinem Gatten eine Büttenrede als Ghostwriter und er übernimmt den Auftritt. 😉

  3. Florian Schrodt Florian Schrodt says:

    Hallo Frau Dorawa,
    vielen Dank, grandios über Bande gespielt 🙂

  4. Diese Bütt zeigt wunderbar
    Social Media ist wandelbar.
    Vermeidet also Einheitsbrei
    und nehmt die Bütt als „Mutmacherei“!

    Danke dafür 😉

Trackbacks

  1. […] Boah, denken Sie jetzt vielleicht. Ist der Knabenreich also mal endlich aufgewacht. kununu-Profile innerhalb von Xing Unternehmensprofilen gibt es doch schon lange. Fällt dem nix besseres oder aktuelleres ein. Spätmerker. Pappnase. […]

  2. […] Aber das ist natürlich nur ein Punkt. Befragen Sie auch einmal Ihre Mitarbeiter, wer denn so auf Facebook vertreten ist. Sollte dies nur ein Bruchteil sein und der Großteil von Facebook noch nichts gehört haben, so wird ein Engagement mit Sicherheit scheitern. Vergessen Sie nie, dass Social Media von einer einzigen (oder einigen wenigen) Person(en) betrieben im Unternehmen nie die notwendige Schlagkraft entwickeln kann, die Sie für ein nachhaltiges Engagement dringend benötigen. Und ein ganz wesentlicher Aspekt: Ein Engagement in Social Media muss von ganz oben getragen und verstanden werden. […]

  3. […] man ja entsprechende Ressourcen bereitstellen und in Personal und in Know-how investieren und bestimmte Regeln beachten. Und Social Media nicht ausschließlich als Insellösung betreiben. Und das ist de facto nicht so). […]

Speak Your Mind

*