Ein offener Brief an…Pamela Anderson

Liebe Pamela,

ich hoffe, Sie sehen es mir nach – aber ich schreibe Ihnen diesen offenen Brief nicht, weil Sie mich besonders inspiriert haben. Verstehen Sie mich nicht falsch, wenn ich mir Mühe gebe, finde ich sicher zwei überzeugenden Argumente, was Sie so ausmacht. Aber heute ging es mir vor allem um eins: Ihr Name sollte in die Überschrift dieses Blog Artikels!

„Pamela Anderson“ generiert traffic. Und zwar wohl nicht nur auf Opernbällen und an der Küste Nizzas sondern anscheinend auch in Blogs. Ob das wirklich so ist? Keine Ahnung! Aber ich habe es gelesen – also probiere ich es aus.  Denn ich habe gelernt, dass ich als Blogger-Rookie für jeden noch so unglaublichen Tipp dankbar sein sollte.

Apropos: Sie haben ja gar keinen eigenen Blog, Pamela. Das hat mich doch sehr überrascht. Zwar „micro-bloggen“ Sie bei Twitter oder sagen mal was auf Ihrer Facebook Seite. Und sicher haben Sie auch eine tolle Homepage (deren Zugang mir jedoch überraschender Weise  von meinem Unternehmen verwehrt wurde). Aber bloggen? Bloggen tun Sie nicht.

Ich frage mich, warum eigentlich nicht? Klar, Sie haben sicher mächtig viel zu tun und so.  Aber in Zeiten, wo all‘ Ihre Kolleginnen irgendwas zu irgendwem sagen, hätte ich eigentlich erwartet, dass auch Sie das tun. So ein klitzekleiner „Wie-date-ich-einen-ungekämmten-Rockstar Blog“  würde vielleicht auch noch in Ihren Arbeitsalltag passen, oder? Aber vielleicht sehen Sie die Sache auch ähnlich wie ich und fragen sich manchmal:

Wirklich noch ein Blog?

Die Frage mag zugegebener Maßen verwirrend sein, vor allem, weil ich sie in einem Blog stelle. Aber wo, wenn nicht hier? Dieses ist nun mein vierter offener Brief und ich habe beim Schreiben immer noch das Gefühl, als bereite ich mich darauf vor, meine Gedanken an einem Montagmorgen durch die Lautsprecheranlage in die Abflughalle des Frankfurter Flughafens zu grölen.  

Wobei das nicht annähernd so nachhaltig wäre, wie Aussagen ins Netz zu stellen. Denn falls ich mich am Airport hinreißen lassen würde, was akut Schwachsinniges zu sagen, dann bestünde zumindest noch die Chance, dass mich nur einige wenige gehört haben, weil der Rest damit beschäftigt war, das mobile Endgerät  im tranceähnlichen Zustand über die Infrarotstrahlen des Check In Automaten zu wedeln.

Im Netz ist das anders! Gesagt ist gesagt – Gemeint ist gemeint. Das ist doch eine Riesenverantwortung!

Wie ich gelesen habe, gibt es über 170.000.000 Blogs auf der Welt. Ich habe auch gelernt, dass es das Blog und nicht der Blog heißt. Und ich habe erfahren dürfen, dass dem bloggen keine Grenzen gesetzt sind. Es gibt wirklich von allen, zu allem etwas zu sagen:  Im „Pferde-Huf Blog“, im „Trocken-Shampoo Blog“, im „Pflegetipps für japanische Kochmesser Blog“  und im „Kokosöl Blog“.

Ganz abgesehen von den ganzen Mode Blogs. Um Himmels Willen – auf einmal ist jeder ein Modeblogger!  Und das bringt Kerstin – die aufgeschlossene und modemutige zweifach Mama aus Schnackenburg im Landkreis Lüchow-Dannenberg dazu, ein Bild von sich zu posten: In Pimkie Leggins und einem Strass Shirt von Charme & Anmut.  Aber damit nicht genug, Kerstin bittet mich auch noch, ihren „Look“  zu bewerten!

Und schon wird mir klar: Bei manchen Bloggern senkt bloggen die Schamgrenze, während sie beim jeweiligen Leser ins gnadenlose Fremdschämen abdriften kann!

Dieses Selbstverständnis, die eigene Meinung (und dadurch sich selbst) im Netz zu präsentieren ist mir immer noch etwas suspekt und doch fasziniert es mich. Mich faszinieren die persönlichen Treiber hinter dem bloggen. Vom eigentlichen „Wissensharing“ über den reinen Spaß bis hin zur Befriedigung der narzisstischen Bedürfnisse.

Kommentare, Verlinkungen und Leserzahlen sind die Streicheleinheiten eines Bloggers und motivieren. Wenn ich nicht gerade mit meinem Blog eine grandiose Nische bediene muss ich inhaltsstark und kreativ sein, um gelesen zu werden. So finden sich im Netz etliche Tipps, was ich tun muss, falls sich wirklich keiner für mein geschriebenes interessiert. Nur einen Tipp habe ich bisher nicht gelesen: Aufhören!  

Ich verstehe das schon irgendwie. Warum aufhören? Es schmerzt ja keinen und man wird ja wohl auch mal online sagen dürfen, was man denkt. Aber das ist ja eben die Crux. Denn so entwickeln sich im Netz Abertausende Meinungen, Statements, Bilder und mancher Schwachsinn findet dadurch leider kein Ende.

Bei vielen Blogs fehlt mir der live-check! Für mich besteht noch mal ein gravierender Unterschied zwischen schnell mal was „online stellen“  oder etwas vor Publikum „offline staten“. Ab und zu mal die eigene Meinung auf den offline Prüfstand stellen um online für Mehrwert zu sorgen – das gefällt mir!

Ich meine, was würde dagegen sprechen, wenn die Kerstins dieser Welt ihren Look mal an einem Samstagmorgen vor der örtlichen Metzgerei ausprobieren würden? Da gibt’s direkte Bewertungen und ein Stück Fleischwurst noch obendrauf. Okay, bei dem Gedanken an die physischen Treffen der Trocken-Shampoo Blogger komme auch ich jetzt an meine kreativen Grenzen. Aber da wird sich sicher auch was machen lassen.

Ach, eigentlich habe ich meinen Frieden mit Blogs gemacht, Pamela. Und ich freue mich, über die vielen Schreiberlinge draußen, die wirklich verstanden haben, Wissen zu vermitteln, zu unterhalten, zum Denken anzuregen. Die mit Respekt an die Sache gehen und sich und ihre Meinung auch mal jenseits des Netzes reflektieren.

Denn dann ist die Kombination eines Blogs unschlagbar: Kurzweilige, gute Unterhaltung und ein Anstieg der eigenen Lernkurve. Was will man mehr?

Herzlichen Dank dass ich kurz Ihren Namen verwenden durfte, Pamela! Und wissen Sie, was mir aufgefallen ist? Vielleicht wäre bloggen doch auch etwas für Sie. Denn sehen Sie es doch mal so: Traffic ist Ihnen garantiert und Sie halten offline sicher all das, was Sie online versprechen 😉

In diesem Sinne grüßt Sie herzlich Ihre

Alex Götze

Alexandra Götze About Alexandra Götze

Ich bin zertifizierter Business& Personal Coach mit Praxis in Wiesbaden. Im Business Bereich habe ich mich auf das Coaching von Führungskräften des mittleren Managements spezialisiert. Mehr über meine Arbeit und mich finden Sie unter: www.alexandragoetze.de
Da mir die Anbindung an ein Unternehmen wichtig ist, widme ich einen Teil meiner Zeit weiterhin Accenture. Als Verantwortliche für den Bereich Talent Strategies beschäftigen mich alle Themen rund um das Thema Talentbeschaffung, -entwicklung und –bindung.

Comments

  1. Und liebe Alex? Hat das Keyword in der Überschrift jetzt den erwünschten Traffic gebracht? Ich war zumindest neugierig, was hinter der Headline steckt .. also einen Teilerfolg können Sie definitiv verbuchen 🙂 Gut, der Rest vom Beitrag wurden dann lang und länger und noch länger, aber ich habe es bis zum Schluss geschafft und sogar noch einen Kommentar geschrieben. Also sogar 2 Punkte für den Autor, würde ich sagen. Wobei ich jetzt reflektieren muss, dass ich nicht mehr genau weiß, was sie eigentlich sagen wollten oder gesagt haben oder hätten sagen wollen wenn sie das Gesagte anders gesagt hätten. Na sei´s drum … es war auf jeden Fall unterhaltsam 🙂

    Beste Grüße
    Jan

    • Alexandra Götze Alexandra Götze says:

      Hallo Jan, freut mich, dass ich unterhalten konnte. „Pamela“ hat bisher 264 Zugriffe gebracht. Denke, das ist oookkkaaayyy- es hält zumindest anderen Vergleichen sehr gut stand 🙂

      Was mir auffällt: In all den Tipps für Blogger habe ich gelesen, dass es sehr sehr wichtig ist, auf Blogs Kommentare zu hinterlassen und dadurch auf den eigenen Blog aufmerksam zu machen. Daher – alles richtig gemacht, lieber Jan 🙂

      Herzliche Grüße Alex

  2. „Gorilla“-Marketing spielt das sicherlich auch mit rein – Sex Sells halt, gell, ob im Dirndl oder ohne – obwohl ich da jetzt auch nicht so privat drin stecke.

    Vor Jahren gab es bei Xing eine Frau (für Eingeweihte Ellepet)… eine Extremistin in Sachen online-Agitation. Sie veröffentlichte keine 20 Wörter unter 21 Rechtschreibfehlern, mit einer Frequenz von 2 Botschaften pro Stunde Minimum. Das klassische Online-Opfer sollte man meinen. Weit gefehlt …. sie war clever, von beharrlicher Penetranz und Strategie.

    Xing hat kurz darauf den Betrieb der App „Mitglieder fragen Mitglieder“ eingestampft –

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