Heavy Metal Personalmarketing, Wenn der Postmann … & Karrieregeilheit – personalblogger Fundstücke Teil 1

Zwar mag die deutsche Employer-Branding-Szene eine Suppe sein, viel zu häufig wird darin aber ausschließlich über Big Trends sowie Aktionen bekannter Marken- und/oder Dax-Konzerne gesprochen.

Kleine, mitunter feine, aber auch fürchterliche Fundstücke aus der vielfältigen Welt der Arbeitgebermarke fallen allzu häufig unter den Tisch oder sind für sich alleine möglicherweise auch nicht für eine eingehenderen Betrachtung geeignet.

Nun begegneten mir in den vergangenen Monaten jedoch just drei Personalmarketing relevante Häppchen – jedes für sich eine Besonderheit und eine (Rand-)Notiz wert.

Fundstück Nr. 1 – Heavy Metal Personalmarketing

Schon vor einiger Zeit entdeckte ich in meinem Allianz-Postfach ein Kuvert, dessen Inhalt deutlich schwerer war, als dass es bloßes Papier beinhalten konnte. Und tatsächlich war die Überraschung groß, als ich nach dem Öffnen eine DIN A4 große Metallplatte in den Händen hielt.

Diese stammte von der Firma Huguenin, ansässig in der Schweiz. Ich also kurz beim Kollegen Buckmann vorbeigeschaut, und welch Enttäuschung, hatte der eidgenössische Vorzeige-Personalmarketer doch bislang kein Sterbenswörtchen über diese Firma, die u.a. Medaillen, Münzen und Plaketten herstellt bzw. prägt, verloren.

Anstatt mir also, wie sonst üblich, einen langweiligen Brief mit dem üblichen Blabla zu schicken und eventuell noch ein mehr oder minder langweiliges Give-away hinzuzulegen, gravierte Huguenin den Brief auf eben diese güldene Metallplatte. Auf der Rückseite, als Beweis, dass sich Huguenin schon seit rund 50 Jahren mit dem Thema Employer Branding befasst, befand sich eine Werbeanzeige aus den 1960er Jahren (siehe Bild).

Auf Metall gravierte Werbeanzeige von Huguenin

Wie auch immer, ich kann mir durchaus einige Anwendungsmöglichkeiten für diese „handfesten“ Give-aways vorstellen – sowohl im externen wie auch internen Bereich. Gut, billig geht sicherlich anders, aber unsere Bewerber und eigenen Mitarbeiter sollten uns das schon Wert sein. Ganz davon abgesehen, dass die x-te bedruckte Kaffeetasse auch keinen High-Potential mehr hinter dem Ofen hervorlockt …

Übrigens sollten Sie unbedingt auf der Website von Huguenin vorbeisehen. Üblicherweise verabscheue ich Hintergrundmusik auf Websites, besonders wenn diese automatisch abgespielt wird. In diesem Fall war ich begeistert. Das war und ist genau mein Geschmack!

Fundstück Nr. 2 – Hello Mr. Postman!

Während sich zur Zeit jeder über PRISM echauffiert, gehe ich den anderen Weg. Ich rege mich nicht (zumindest gerade jetzt) darüber auf, dass ungefragt man meine erzeugten Informationen abhört, mitschneidet oder aufzeichnet, sondern darüber, dass ich ungefragt Informationen erhalte, die ich gar nicht möchte.

Mein „Dank“ geht hierbei an die Deutsche Post. Genauer gesagt an Frau Tampier, die mir diesen Brief (siehe Bild) schreibt. Zunächst einmal beneide ich die Kolleginnen und Kollegen der Post um deren Möglichkeiten – hauen einfach mal eine Recruiting-Offerte an die halbe bundesdeutsche Bevölkerung hinaus. Respekt.

Personalmarketing-Mailing der Deutschen Post

 

Eventuell sollte sich die Deutsche Post mal mit Edward Snowden treffen oder ihm im Personalmarketing einen Job und damit Asyl gewähren. Dann hätte die Deutsche Post nämlich die Daten, die nötig wären, um dieses Mailing genauer zu streuen und wüssten, dass ich …

  1. … gern mit meinem Namen angesprochen werde,
  2. … Brief- und Paketzusteller zwar coole Jobs sind, ich aber dafür vollkommen ungeeignet wäre (seit Uhrzeiten kein Fahrrad mehr gefahren, meine Freunde behaupten ich wäre ein ziemlich mieser Autofahrer und obendrein bin ich trotz Bundeswehr-Erfahrung eher der Couch als dem Sport zugetan, weshalb ich nicht die Kraft hätte, Pakete zu schleppen),
  3. … die im Schreiben formulierten Vorteile des Arbeitgebers Deutsche Post auch mein aktueller bietet.

Nichts für ungut, Deutsche Post. Eigentlich bin ich ja nur neidisch, dass ich unsere Kundenbriefe nicht mit Personalmarketing-Botschaften zukleistern darf 😉

Fundstück Nr. 3 – Ich bin Karrieregeil … äh … -stolz

Ich bin ja ein großer Fan des U-Bahn-Personalmarketings. Denn entweder spicke ich ihn die Smartphones meiner Mitfahrer oder ergötze mich an der Werbung an den U-Bahn-Wagondecke, die interessanterweise – zumindest in München – zu 80 Prozent (nein, das ist nicht empirisch überprüft!) dem Personalmarketing zuzurechnen ist.

Seit Neuestem klebt dort auch die Werbung der Münchner Bank, und macht auf deren aktuelle Kampagne www.karrierestolz.de aufmerksam (siehe Screenshot). Die Kampagne mit eigener Micropage, zumindest ist das meine Wahrnehmung, hat zum Ziel mit den bekannten Vorurteilen gegenüber dem Banking- und Finance-Bereich aufzuräumen. Slogans wie „Banker sind spießig. Ich bin KarriereStolz.“ oder „Banker sind uncool. Ich bin KarriereStolz.“ sollen das verdeutlichen.

Screenshot karrierestolz.de

 

Als Arbeitnehmer eines Versicherungs- und Finanzdienstleisters erlaube ich mir hier einfach mal ein Urteil: Ich find’s öde. Warum? Weil ich denke, dass der gerade in „unserer“ Branche reflexartige Versuch des ständigen Betonens wir seien eben nicht langweilig, spießig und uncool, mittllerweile nur noch Gähnen seitens der Bewerber hervorruft und zudem am eigentlichen Ziel des Employer Brandings knallhart vorbei zielt:

Sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren bedeutet eben NICHT, zu betonen, warum etwas NICHT IST, sondern herauszustellen, warum man etwas ganz BESONDERES IST.

Davon mal ganz abgesehen denke ich persönlich beim Wort „Karrierestolz“ eher an „Karrieregeil“ – eine Assoziation, die die Münchner Bank wohl eher vermieden sehen möchte. Das „Icing on the cake“ ist jedoch, dass auf der Corporate Page der Bank das Karrierestolz-Portal tatsächlich auch als „Karrierestolz“ in der linken Navi-Leiste auftaucht.

Nicht sofort zu erkennen: Der Link zur Karriere-Website

Mag sein, dass ich einfach zu doof und in all den Jahren zu inflexibel aufgrund sich permanent wiederholender Keywords geworden bin, aber im ersten Moment habe ich nicht kapiert, was das sein soll. Ganz verzweifelt habe ich nach Begriffen wie „Karriere“, „Stellen“ , „Perspektiven“ oder „Jobs“ gesucht. Und ich weiß nicht warum, aber irgendwie hat mich der Style der Website – obwohl hier Real-Life-People zu sehen sind – stark an den famosen Unofficial Guide to Banking“ der Deutschen Bank erinnert …

Wow, jetzt habe ich doch tatsächlich mehr geschrieben als ich eigentlich wollte. Bleibt mir nur noch zu sagen: All diejenigen, die sich nun gehated, geflamed und gebasht fühlen, dürfen sich vertrauensvoll an mich wenden. Meine E-Mail-Adresse gibt’s gratis auf meinem Blog zu finden :-).

Im Ernst: Eigentlich bin ich nur neidisch …

Beste Grüße

Dominik

Dominik A. Hahn About Dominik A. Hahn

Als Verantwortlicher für das globale Employer Branding und eRecruiting ist Dominik A. Hahn seit 2012 für den weltweiten Arbeitgeber-Auftritt sowie die Online-Bewerbungsprozesse der Allianz Gruppe zuständig. Dies umfasst neben der Koordination der diversen Länder- und Geschäftseinheiten mit eigenen Recruitment- und Branding-Units, die Betreuung der globalen Karriere- und Social-Media-Channels auch die Weiterentwicklung des weltweiten Online-Bewerbungstools der Allianz Gruppe hinsichtlich Usability, Candidate Management, Prozessgestaltung und Reporting.

Zuvor war Hahn für das Online-Personalmarketing der Allianz Deutschland AG, einer der größten Einheiten innerhalb der Allianz Gruppe, verantwortlich. Seinen beruflichen Ursprung hat der studierte Medien- und Kommunikationswissenschafler, im Bereich Public Relations.

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