Beyond the soup – 4. Social Media Summit Wiesbaden (SMS13)

 

4. Social Media Summit #SMS13

4. Social Media Summit #SMS13

Eine kleine Überraschung erwartete mich in Wiesbaden auf dem 4. Social Media Summit: kein einziger Personaler vor Ort. Naja, fast keiner. Ein paar von uns waren vertreten – allerdings maximal eine Handvoll. Nun hat meine Erfahrung gezeigt, dass eine Ableitung von der Anzahl der Personaler auf die Güte der Veranstaltung i.d.R. nicht möglich ist. Diese hier sollte aber außergewöhnlich gut werden. 

Die zwei Tage waren eine geballte Ladung Input, die ich meinem Bericht sicherlich nicht unterbringen werde. Mein Post soll vielmehr den Appetit anregen; den Appetit auf mehr fachfremde Veranstaltungen. Auf der SMS13 entstammte das Publikum überwiegend der PR/ Marketing Branche. Ebenso hatten im Grunde die Vorträge keinen direkten HR Bezug, was allerdings nicht bedeutet, dass sie nicht dennoch HR relevant waren. Letzteres werde ich bei den einzelnen Rückblicken versuchen, mit einfließen zu lassen.

Den ersten Tag eröffnete Dr. Holger Schmidt, Focus Magazin, mit einem Überblick über den Status Quo von Social Media in Unternehmen. Ein spannender kurzweiliger Statusreport, der große Hoffnungen für den weiteren Verlauf des Tages machte. Denn in seinem Überblick kamen bereits Snapchat und Vine vor und das Facebook u.U. nicht mehr lange an der Macht sein wird, wurde von Ihm auch erwähnt (siehe „Bye, Bye Facebook„).

Direkt nach ihm stürmte Karl-Heinz Land, von NeuLand Consult, mit einem sehr erfrischenden Vortrag mit dem Titel „Digitaler Darwinismus – Der stille Angriff auf Ihr Geschäftsmodell und Ihre Marke“ auf die Bühne. Mittels verschiedener Zahlen, Daten, Fakten wollte er uns auf das Umdenken und vor allem auf das Mobile Denken aufmerksam machen. Besonders gut gefiel mir sein Bild des Zero-Gravity-Thinking. Müssen wir in der realen Welt noch auf so lästige Hindernisse wie beispielsweise Schwerkraft achten, gibt es im Social Web keine Grenzen mehr – alles ist möglich.
Ganz im Gegensatz zu seinem Vorredner hielt Lang ein Plädoyer für Facebook. Ein bisschen wichtige Begriffe Dropping gab’s dann auch noch. Predictive Analysis, Body Area Networks, Internet of Things, Multiscreen Experience – hierzu kann ich nur schreiben: googlen wäre meine Empfehlung.
Sein Hinweis am Ende: „Hoffnung ist keine Strategie – Social Media geht nicht vorbei.“; ein Rat, den leider viele noch nicht beherzigen. In Summe war es ein Ausblick auf das Übermorgenland. Aus meiner Sicht für HR überaus relevant. Viele werden wohl am Folgetag nach Hause gefahren sein, mit den Gedanken: „auf, zurück ins Mittelalter“.

Marc Frey von Conrad Caine stellte die Social Media Excellence Studie vor. „Menschen mögen Social Media, aber mögen Menschen Marken in Social Media?“ war eine der Fragen. Außerdem wollte man herausfinden, wo wir Unternehmen eigentlich stehen im Bereich Social Media. Die Studie kann man unter www.social-Media-study.com downloaden, so dass ich hier jetzt nicht vertieft drauf eingehen werde. Was ich allerdings sehr interessant fand, war die Erkenntnis, dass fast alle Unternehmen Social Media befürworteten und den Einsatz für sehr sinnvoll erachteten, aber von denen wiederum 92% antworteten, dass sie leider nicht wissen, welchen Beitrag/ Benefit Social Media für ihr Unternehmen leistet.
Abschließend gab es noch sieben Thesen, die ich Ihnen fast nicht vorenthalten möchte:

  1. Trial&Error ersetzt keine Strategie
  2. Social Media ist als Insellösung sinnlos
  3. Zuhören ist für jeden Pflicht – auch für die, die lediglich passiv in SM sind
  4. Social Media verlangt Beteiligung
  5. … bei 5/6 kam mir leider ein Tweet dazwischen 
  6. bin nicht Multi Tasking fähig … 
  7. Erfolg muss finanziell messbar sein

Ja, für Personal relevant. 

Nach einer kommunikativen Pause ging es weiter mit Nadja Amireh. Es ist immer wieder witzig Menschen, die man nur digital „kennt“, mal live zu sehen (Notiz am Rande). Ihr Thema war: Blogger Relations am Beispiel von Lambertz.
Einen Step by Step Plan hatte sie uns mitgebracht: 

  1. Zuhören: was gibt es für Blogs, was haben die zu sagen?
  2. Verstehen: welches sind die relevanten Blogs, welches sind die richtigen Blogger?
  3. Handeln: Blogger Relations Strategien aufbauen

Für solche Social Media Strategien sind Kekse ein sehr dankbares Produkt. Das Shitstormrisiko ist eher gering. Grundsätzlich sollte allerdings eine Strategie den Bemühungen zugrunde liegen. Blogger Relations „just because i can“ machen keinen Sinn. Was ebenfalls sehr spannend war: den richtigen Blogger zu finden, ist nicht so leicht. Star Blogger müssen nicht die richtigen sein. Man muss die Blogger identifizieren, die auch zum Unternehmen passen. Zudem sind wohl Kekse oftmals für Starblogger zu profan. Daher besteht im Grunde die Aufgabe darin, die Starblogger von morgen zu identifizieren. Klingt schon fast, als könnte man da ein bisschen Blogger Coaching bzw. Blogger PE betreiben, wenn man dann seine Blogger ausgewählt hat und die auch bereit sind mitzumachen.
Lustig fand ich übrigens die Quelle für mögliche Blogs: die Deutschen Blogcharts, blogarama, technorati …. da musste ich doch ans HR Blog Ranking denken. Aus der HR Brille betrachtet m.E. ein super Vortrag. Klar kenne ich Blogger, aber hatte ich schon mal aktiv an ein Blogger Relationshipmanagement im HR Kontext gedacht? Nein.

Der nächste Beitrag gab meinem frisch gebackenen Blogger Relationshipmanagement Gedanken weiteren Aufwind. Das Praxisbeispiel „Fashionblogger“ von Harriet Weiler von Tom Tailor wartete mit einigen Tipps zur Bloggeransprache auf.
Wie nehme ich mit Bloggern Kontakt auf“ : 

  • nutze die Medien, in denen sie sich aufhalten
  • lies den Blog vorher
  • nimm den Kontakt selbst auf und delegiere es nicht an Praktikanten
  • sag wer du bist

Da ich ja selbst blogge, muss ich zugeben, dass man sich etwas vorkommt, wie eine seltene Vogelspezies. Gute Blogger Relations basieren übrigens doch noch zusätzlich auf persönlichen Beziehungen – welch eine Überraschung. Also sozusagen Face2Face. In Summe aufwendig und zeitintensiv – trotzdem werde ich mal meinen Gedanken weiterspinnen. 

Zwei Vorträge musste ich dann leider beruflich bedingt auslassen, aber nach der Pause ging es dann weiter. 

Im Vortrag von Dr. Andreas Bersch von Brandpunkt „Social Media als Verkaufskanal – Erfahrungen und Learnings von HSE24″ wurde es sehr mobile. First Screen, Second Screen, third Screen. Wieder ein Bereich/ ein Thema, welches ich noch nicht im Zusammenhang mit HR strukturiert betrachtet habe. 88% der Smartphone Nutzer nutzen dieses beim Fernsehen. 62% der Tabletnutzer nutzen dieses als Second Screen, d.h. ergänzend zum TV Angebot. Und was mich dann doch ein wenig überraschte: 66% der 65 jährigen und älter nutzen soziale Netzwerke. Eine doch mittlerweile ordentliche Anzahl an Silver Surfern 🙂
So richtig konnte ich den Personalbezug noch nicht herstellen, aber das Thema war genial.

Jemand, der in seinem Vortrag das Wort „BÄM“ verwendet, bekommt doch schon mal direkt nen Vorschusslike. Ralf Mager von Lodenfrey berichtete von den Social Media Aktivitäten eines sehr kleinen Unternehmens. Quasi als One-man-Show konnte er nicht nur den Saal super unterhalten, sondern auch die ganze Social Media Batterie von Lodenfrey. g+, f, X, Pinterest, Instagram, 4sq, quipe, blog – wahooooo sage ich da nur. Für ein eher kleines Modehaus, welches ich bis gestern – ja ich gebe es zu – nur passiv kannte, echt beeindruckend. Die Idee und die Kooperation mit Milka: TOP!! (Einfach mal googlen: Milka Lodenfrey).
Direkter HR Bezug: keiner, aber das Zuhören hat Spaß und Mut gemacht.

 So gern ich es auch möchte, alle Vorträge bekommt man dann doch nicht mit. Zwischendurch ruft doch immer mal wieder die Pflicht. Von daher ging es für mich weiter mit Immobilienscout 24  und Christiane Lehmann „Es muss nicht immer B2C sein – der Einsatz Social Media im B2B Bereich“. In diesem Fall war die Zielgruppe Immobilienmakler. Das Unternehmen betreibt zwei Fanpages: eine B2C und eine B2B. Was sehr interessant war, war die Tatsache, dass die B2B Seite natürlich lediglich aus der Grundgesamtheit aller Makler (ca. 30.000) schöpfen konnte und somit nur wenig Potential hat; wenig Potential im Sinne von hohen Fanzahlen. Dennoch hatte sich Immobilienscout24 explizit dafür entschieden, was sich auch bezahlt machte. Die Makler zeichneten sich durch ein extrem hohes Engagement aus, was man so von B2C Seiten nicht kannte. 

Auch der nachfolgende Vortrag von Dr. Hartmut Hübner von Siemens Financal Services ging in eine ähnliche Richtung. Aus seinem Vortrag „Social Media in spezifischen B2B Märkten“ habe ich mir allerdings nur einen Satz notiert, den ich mit zu Voith genommen habe: 77% of B2B Buyers say they are more likely to buy from a company whos CEO uses Social Media. eMarketer 2013

Den Tagesabschluss bildete die ING DiBa mit André Kauselmann und „Die Furcht vor dem Shitstorms“. Wer hatte Ihn nicht mitbekommen, den WurstSturm. Ich persönlich bin ja noch ein großer Verfechter und Befürworter von Shitstorms – sozusagen Shitstorms für alle. Man sollte sie nicht provozieren, aber mit einer guten Kommunikation kann man die Energie, die sich da entwickelt, gut nutzen. Der Beitrag von Kauselmann spielte dieser Annahme dann auch direkt in die Hände. In seinem Vortrag schilderte er den gesamten Prozess und seine Analysen zu der Zeit. Er muss unzählige Tode gestorben sein. Bei Shitstorms kommt der Tod bekannter Maßen ja nicht allein. Durch ein super Krisenmanagement und ein bisschen Glück, drehte sich dann aber alles zum Guten.
Was habe ich gelernt: Welt und Handelsblatt Leser sind Fleischfresser.

Tag zwei

Der Tag begann mit einer Studie. Claudia Gunkel von ForschungsWeb präsentiert das Thema „Wegweiser durch den Social Media Monitoring Dschungel“. Mutig, wenn Sie mich fragen, zu so früher Stunde eine Studie zu präsentieren.
Wenn es ums Monitoring geht, werden immer wieder mangelnde Ressourcen beklagt. Daneben gibt es aber noch eine andere Herausforderung, nämlich die Vielzahl an Anbietern für Social Media Monitoring Tools. Mangelnde Standardisierungen erschweren darüber hinaus die Auswahl des richtigen Instruments für das eigene Unternehmen. Wieder ein Thema über das ich mir in dem Detail noch keine Gedanken gemacht habe. Monitoring Tools haben nämlich so ausführlich den Weg noch nicht in die Personalerkreise gefunden. Klar, Monitoring ist wichtig, aber hier gemeint ist das Monitoren des Social Webs. Was sagen unsere Zielgruppen, worüber reden sie, wer sind die Influencer, was sind die Hot Topics. Da sind wir im Personal, glaube ich, noch etwas entfernt von. Da sind wir uns ggf. auch noch nicht ganz Grün mit den Kommunikatoren und den Marketeers, die schon weiter in dem Thema sind. Die 3 sollten sich wohl mal an einen Tisch setzen.
Letztlich war das aber nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was man unter Monitoring verstehen kann.
Fazit: Der Vortrag hat mir persönlich nochmals die Augen geöffnet in Bezug auf die Baustellen, die noch vor uns liegen, uns = Personaler. 

Vortrag zwei am zweiten Tag lieferte wieder neue Erkenntnisse bzw. neues Wissen. „Fanpage Portfolios erfolgreich managen“ hieß es von Bejamin Schröter (Facelift), was mir Einblicke in „wie viele Fanpages habe ich und wie manage ich die dann“ verschaffte. Wenn man sich überlegt, ob man überhaupt eine aufbaut, und echt rechnen muss, ob man die personell abdecken kann, kommt man wohl selten in die Verlegenheit ein Portfolio zu gründen 🙂 Schröter brachte aber sehr gute Beispiele, bei denen ein Portfolio durchaus Sinn machen würde. Hinzu kam der Facebook Graph Search als wesentlicher Punkt der Argumentation, der hierbei herausgehoben wurde. Durchsuchen was meine Freunde mögen. Sehr relevant fürs Personal. 

Das inhaltliche Highlight der zwei Tage folgte dann im nächsten Beitrag. Den Dschungel hatten wir ja bereits bei den Monitoring Tools. Nun kam er wieder in Form von Gesetzen und Rechten. Der Beitrag von Dr. Jan Christian Seevogel, Rechtsanwalt, war eher ernüchternd als erfrischend. Absolut notwendig und ein Top Vortrag, aber eigentlich will man das alles gar nicht wissen. Danach war ich platt. Also: super relevant für HR – einfach den Herrn googlen. Wiedergeben kann ich den ganzen Kram nicht.

Nach einer kommunikativen Pause ging es dann weiter mit Christian Rätsch und seinem Impulsvortrag „David gegen Goliath“. Viele wissenswerte Information verpackt in der coolsten Präsi der zwei Tage. So war mir z.B. nicht klar, dass der Anteil von Sprachanrufen an der Gesamtnutzung von mobilen Telefonen 2015 vermutlich nur noch 0,4% betragen wird; um nochmal das Thema Mobile zu stressen. Des Weiteren hielt er Bilder für extrem wichtig und aktuell komplett unterentwickelt. Ein weiterer Punkt war das Community Management – ebenfalls aus seiner Sicht ein absolut wachsendes Thema. Als Beispiel für innovative Anwendungen brachte er Social Flying von KLM.
Zusammenfassend kann ich sagen: auch ein Super Vortrag mit vielen vielen tollen Beispielen aus dem KMU Bereich. 

Das Summit hat mich echt erschlagen, aber es hat sich gelohnt. Ich hoffe, Ihnen geht es mit meinem „kurzen“ Bericht genauso 😉

PS: der Bericht ist leider unvollständig, da ich doch den einen oder anderen Vortrag verpasst habe. Ich hoffe, Sie sehen es mir nach.

Robindro Ullah About Robindro Ullah

Mein Berufsleben begann 2005 bei der Deutschen Bahn. Eingestiegen als Mathematiker im Fernverkehr musste ich nach 2 Jahren feststellen, dass Personalmanagement durchaus mit SQL und Stochastik mithalten konnte, so dass ich 2007 die Verantwortung für das konzernweite Hochschulmarketing übernahm. Mit Social Media, Bewerbermanagementsystemen & co. zeigte sich schnell, dass mein Mathematikstudium nicht für die Katz gewesen ist. Ende 2009 widmete ich mich dem Aufbau einer neuen Abteilung und damit auch einer neuen Zielgruppe: Generation Grey. Personalentwicklung für Ältere in Kombination mit einer entsprechenden Geschäftentwicklung standen bis Anfang 2012 auf dem Programm. Von 2012 bis Mitte 2013 habe ich den Bereich Personalmarketing und Recruiting Region Süd der Deutschen Bahn geleitet. Seit Juli 2013 leite ich den Bereich Employer Branding & HR Communication Global bei der Voith GmbH.

Seit meinem Einstieg im Personal beschäftige ich mich intensiv mit dem Thema Social Media im Zusammenhang mit HR. Meine Gedanken dazu finden Sie unter www.robindroullah.de .
Gern können Sie mir auch auf Twitter folgen unter @robindro.

Comments

  1. Natürlich ist es auch nur eine Vermutung. So ähnlich wie 2008 noch einige Personaler vermuteten, Facebook bräuchte man gar nicht im Personalmarketing – ich erinnere mich da an das eine oder andere Gespräch 😀

  2. @ Frank Miller
    Also ich kann mich da echt nur anschliessen, das scheint mir eine These ohne Hand und Fuss zu sein. Zumal es ja eigentlich an sich etwas verschleiert oder zumindest nicht ganz Verständlich erklärt wurden ist.

    Gruss
    Sebi

  3. Also um Ehrlich zu sein, kann ich die Meinung nicht teilen das Facebook nicht mehr an der Macht sein wird…. zumal nicht in der von Ihm angegebenen Zeitspanne.

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