#SMRC14 – Viel Input, Netzwerken, Kässpätzle und ein schwimmender KAI.

Ein Rückblick auf die 5. Social Media Recruiting Conference in Hamburg. Von Michael Witt und Jürgen Sorg.

SMRC14Zum 5. Mal fand sie nun statt: die Socialmedia Recruiting Conference in Hamburg. Auch diesmal wieder mit einer bunten Agenda aus Innovation-Talk, Best Practices und Tips und Hinweisen rund um das Personalmarketing und Recruiting im Social Web.

Von „Social Müdia“ allerdings keinerlei Anzeichen. Das Thema mag auf den ersten Blick vielleicht nicht mehr ganz so „hot“ und „sexy“ sein, wie es in den Jahren zuvor war. Aber von hoher Relevanz ist zweifelos immer noch. Und zwar schlicht aus dem Grund, dass Social Media heute Realität ist. Es geht also nicht mehr darum, ob man auch als Arbeitgeber im Social Web aktiv werden sollte, sondern vielmehr wie. Und zwar im Sinne einer Professionalisierung. Denn im Social Web sind wir alle längst angekommen. Jetzt geht es darum – und das hat auch die diesjährige Konferenz wieder gezeigt – die eigenen Aktivitäten in die nächste Stufe zu bringen. Etwa in dem der interne Social Change weiter vorangetrieben wird, Ressourcen bereit gestellt werden, rechtliche Rahmenbedingungen berücksichtigt werden aber eben auch mit Mut, Neugier und Lust Neues ausprobiert und Bestehendes optimiert wird. Dazu gehören wie schon immer das „Zuhören“, also Fragen danach, was die Zielgruppen eigentlich wünschen, ein Verständnis der technologischen Entwicklungen und der aktive Dialog mit den Zielgruppen. Und genau darum ging es bei der #SMRC14!

 

Jan Kirchner (GF und Blogger, wollmilchsau GmbH) startete mit dem ersten Vortrag und mit einem Thema auf dem derzeit viel Buzz liegt: „Wie Roboter, Big Data und Algorithmen die Arbeitswelt und das Recruiting automatisieren“. Also gleich einmal ein Brett zum Einstieg☺

Seine Ausführungen führten uns über die industriellen Revolutionen, den ersten Ansätzen der prozessorientierten Arbeitsgestaltung bis hin zu der sich heute im vollen Gange befindlichen Digitalen Revolution. Dabei wird, so Jan, White Collar zur Chrome Collar was schlicht bedeutet, dass sich die Wissensarbeit automatisieren wird. Maschinen, Roboter können sich selbst Wissen aneignen und dieses auch einsetzen. Wer an dieser Stelle dachte, hier würde über SF oder ähnliches berichtet, der wurde gleich eines besseren belehrt, denn Jan hatte den passenden Case dabei: Baxter, ein Roboter, der sich Arbeitsabläufe von Menschen abschaut und diese dann selbständig durchführen kann. Also ein Robby für den Hausgebrauch und das auch noch für einen vernünftigen Preis (20T US Dollar).

Auch das Personalmarketing kann in ähnlicher Art und Weise automatisiert werden, in dem etwa Job Aggregatoren eingesetzt werden, die selbstständig dafür sorgen, dass ausreichend Clicks auf die einzelnen Anzeigen kommen und zugleich dorthin ausgespielt werden, wo Bewerber nach Stellen suchen. Aber auch Big Data eignet sich hervorragend dazu, die HR Arbeit systematisch zu erfassen und zu analysieren. Hier stellte Jan zwei Cases vor, bei denen klar wurde, dass nicht nur Auswahlentscheidungen, sondern auch die Retention positiv beeinflusst werden kann. „Schaut euch Money Ball an“, war der letzte Hinweis von Jan, für die, die mehr wissen wollen.

Der zweite Vortrag, „Chance, Relevanz und Vertrauen – Social Media Marketing bei der TK“ von Julia Böttcher und Jürgen Sorg (beide im PM Team der TK) brachte uns wieder in die harte Realität des Personalmarketings zurück. Die TK nutzt für die Kommunikation mit ihren Zielgruppen vor allem Facebook, Twitter (rein push) und einen Blog der auf Tumblr liegt. Neben Xing ist die TK auch bei kununu aktiv und plädierte vor allem für die Option, Bewertungen zu kommentieren. Ein erster Schritt hin zu mehr Transparenz und Dialog. Den Lead hat jedoch weiterhin Facebook. Hier probiert das TK Team vor allem immer wieder neue Formate aus, u.a. die bekannten und sehr gelungenen Bilder Stories. Die aber weitaus wichtigere Message die die beiden den Zuhörenden auf den Weg mitgaben, war das richtige Mind Set, dass zum internen Social Media Management gehört: Vorleben – Abholen – Begeistern. Das ist die einfache Formel für den Change! Hier haben die beiden genau den richtigen Punkt getroffen: Wer nicht als Vorbild lebt, die Kolleginnen intern dort abholt wo sie gerade stehen und dann mit dem was man tut begeistert, wird sich auf dem Weg zum sozial agierenden und extern authentisch kommunizierenden Unternehmen schwer tun. Denn: Menschen wollen mit Menschen sprechen und nicht mit Unternehmen! Dabei steht neben Autenzität vor allem der Wert Vertrauen im Vordergrund des Handelns. Auch im Social Web können, und müssen Beziehungen aufgebaut und gepflegt werden, um Interessenten und Bewerber für das Unternehmen zu begeistern. Denn ganz klar: „asoziale Unternehmen bleiben auch im social Web asozial“.

„Polizei Berlin – #24HPolizei – Twittern für Nachwuchswerbung und die Stadt“ hieß der 3. Vortag von Hauptkommissarin Yvonne Tamborini aus Berlin. Frau Tamborini stellte uns ein Twitter Projekt der Polizei Berlin vor, in dessen Rahmen die Polizei Berlin innerhalb 24 Stunden alle Polizeieinsätze twitterte. Der Erfolg dieser Aktion kann sich sehen lassen: Es wurden knapp 1100 Einsätze getwittert, die Anzahl der Follower wurde von anfangs 5.000 auf 22.000 binnen dieser Nacht gesteigert. Wow! Aber der Weg zum Projekt war, so die Kommissarin, nicht der einfachste, da ihr Arbeitgeber ja eine eher steife und kommunikationsarme Behörde ist. Twitter durfte daher zum Beispiel in dieser Nacht nicht zum Dialog mit den Twitteristi verwendet werden. Sagen wir mal „sollte“. Dass es ganz anders lief, zeigten die vielfachen und kurzweiligen Dialoge zwischen der Einsatzzentrale und den Followern. Aber auch in diesem Projekt spiegelt sich neben den reinen Fakten eine soziale Komponente wieder: Das verfolgte Ziel, Polizeiarbeit erlebbar, transparent und greifbar zu machen wurde absolut erreicht.  Darüber hinaus wurden aber auch viele Bewerbungen in der Nacht selbst und den Tagen und Wochen danach generiert. Es sieht so aus, dass dieses Jahr alle angebotenen Nachwuchsstellen besetzt werden können. Aber – und vielleicht fast ebenso wichtig -, neben dieser wunderbaren Nachricht wurde das eher negative Image der Polizei in der Stadt Berlin deutlich verbessert und die Wahrnehmung der Polizeiarbeit in der Bevölkerung deutlich erhöht. Und intern löste diese Aktion ebenso positive Effekte aus…man erinnere sich….“vorleben – abholen – begeistern“.

Vortrag Tamborini

Im Anschluss an diesen unterhaltsamen und informativen Vortrag übernahm Stefan Schmidt-Grell von Facebook das Mikrofon und ging mit der Headline „Recruiting & Employer Branding mit Facebook – Status Quo 2014“ an den Start. Stefan stellte uns neben einigen Zahlen, die klar belegen, dass FB immer noch der Platzhirsch unter den Social Networks ist (z.B.16 Mio User am Tag), vor allem dar, dass sich die Ausrichtung von Facebook zur „Mobile first Company“ in den letzten zwei Jahren vollzog. So hat FB vor 2 Jahren keinen Cent mit mobile Advertising verdient, heute sind es 10 Millionen. Mittlerweile hält Facebook 20% der mobilen Nutzerzeiten. Ein weiterer Trend, den Facebook in der Nutzung von Social Media ausgemacht hat, ist die Hinwendung zu klassischen Use Cases, die aber, und das ist der neue Trend, personalisierter werden denn je. Durch gezieltes Targeting wird beispielweise eine Kampagne für verschiedene Zielgruppen speziell ausgearbeitet und ausgespielt. Durch diesen personalisierten Newsfeed soll quasi „der Daumen zum Stoppen kommen“, sprich, der User soll das Scrollen unterbrechen und den angebotenen Content konsumieren. Also merke bei der Kampagnenplanung: Der Daumen muss stoppen! DIe Erfolgsformel hierfür: Kontext, Personalisierung und Storytelling.

Als letzter Vortrag vor dem Mittagessen – in einem eher ungewöhnlichen Slot (so David Klein, Rechtsanwalt von Taylor Wessing) – wandten wir uns dem Thema „Social Media Recht und Recruiting“ zu. Die Ausführungen von Herrn Klein spannten den Bogen von AGG konformen Stellenanzeigen und der Haftung bei Postings, über die Impressumspflicht bei Xing und Linkedin bis hin zur Gestaltung von Talent Pools. Die grundlegende Message die ankommen sollte war: nehmt das Recht ernst und bindet die Rechtsabteilungen eurer Unternehmen rechtzeitig ein! Denn zu spät eingebunden wird es teuer. Besonders bei den bekannten AGG-Hoppern, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, sich auf nicht konforme AGG Stellenausschreiben zu bewerben, um dann die 3 Monatsgehälter Strafe abzusahnen, empfiehlt es sich, rechtssichere Stellentexte zu verwenden.

Nach dem Mittagsessen (Kässpätzle…das freut den Schwaben unter uns ☺) in der Lounge und „auf Deck“ war Gero Hesse (Blogger und GF von embrace) dran, der zu Beginn erstmal versuchte, das Firmenwirrwarr das ihn und embrace umgibt in klare Bahnen zu lenken. Mit dem Vortragstitel „Als Arbeitgeber in der Lebenswelt von Schülern stattfinden“ steuerten wir thematisch direkt auf die GenZ zu. ÜBerzeugend und sinnfällig zeigte uns Gero auf, dass die jetzigen 13- und 14-jährigen viele Dinge, die bei den Vorgängergenerationen üblich waren, gar nicht mehr kennen (können). Um somit als Arbeitgeber in der Lebenswelt der Schüler relevant zu werden, muss man sich als Unternehmen einiges klar machen: Schüler sind unter dem Fokus Berufsorientierung planlos und benötigen Hilfe, vor allem bei der Auswahl des Contents. Wenn sie berufsbezogene Inhalte googeln, werden sie überhäuft und bekommen keine zielführenden Infos. Und auch hier wird klar, dass mit steigender Zahl insbesondere mobil auf das Internet zugegriffen wird. Die Herausforderung lautet also, mobil nutzbare Angebote für die Zielgruppe zu schaffen. Eine mobilfähige Karriereseite ist aber bei weitem nicht ausreichend. Was also tun? Die Lösung und Antwort lautete: blicksta. Blicksta ist ein Netzwerk, das Schülern allen relevanten Content, der für eine persönliche Berufswahlentscheidung notwendig ist, bereitstellt. Dabei steht auch die Personalisierung von Content im Vordergrund. Neben Erklärungen über Ausbildungen und Studiengängen werden Unternehmensinfos aber eben auch Eventdaten den Usern bereitgestellt. Vor allem stehen den Usern Orientierungshilfen zur Verfügung: mit drei von CYQUEST entwickelten Tests, die allesamt kostenfrei genutzt werden können, sollen Schüler u.a. eigene Vorlieben und Interessen abgleichen können und so Starthilfe im Berufedschungel erhalten. Das derzeit rasant wachsende Netzwerk hat sich zum Ziel gesetzt, auf allen Smartphones von Schülerinnen und Schülern mit der im Januar kommenden App vertreten zu sein. Hut ab!

 

„Backe backe Kuchen, hörst du den Bäcker rufen…“ So beginnt der Imagefilm des Bäckereihandwerks. Ein wirklich gelungener Streifen. Ehrlich gesagt, der Sound aus einer Mischung von Rammstein und dem Grafen, die bärtigen Herren und die Szenerie sowie der Schnitt lassen auf Anhieb nicht auf eine alte Handwerkkunst schließen.

Vorgestellt haben uns dieses Video Susanne Fauck (Leiterin Zentrale Öffentlichkeitsarbeit Bäckerhandwerk) und Markus Müller (GF Cosmoto) in ihrem Vortrag „Best Practice. Back die deine Zukunft – die Nachwuchskampagne des Bäckerhandwerks“. Im ersten Teil berichtete Susanne über ihren Change-Prozess, den Sie innerhalb der Mauern der Bäckerinnung zu gehen hatte, sowie von einer printgetriebenen Flyer-Kampagne für die Nachwuchssuche, um so zu einer innovativen zielgruppenfokussierten Ansprache zu kommen. Markus zeigte uns im zweiten Teil des Vortrags die agenturseitigen konzeptionellen und methodischen Herangehensweisen, bei der die komplette Umgestaltung der Homepage eine zentrale Rolle spielte. Alle weiteren insbesondere Online-Marketing-Aktionen wie Facebook Ads, Bannerkampagne etc. führten auf diese Landingpage. Markus‘ zentraler Tipp dazu: Man benötigt bei allen Kampagnen einen Hafen! (Wie passend, das in Hamburg zu sagen;-) Erfolg hatte die Kampagne jedenfalls zweifellos. Und einen Besuch ist der „Hafen“ unbedingt: http://www.back-dir-deine-zukunft.de/

Nach einer dringend notwendig gewordenen Kaffepause stand der Lehrer des Jahres aus Österreich auf der Bühne: Ali Mahlodji, seines Zeichens Chief Storyteller bei whatchado, dem Handbuch der Lebensgeschichten.

Ali Selfie

Ali begann mit dem obligatorischen Selfie mit dem Auditorium und führte uns über seine eigene Lebensgeschichte und der seines Freundes und Mitgründer Jubin Honarfar hin zur Grundidee von whatchado: Jeder Mensch, vor allem der, der sich in der Berufsorientierung findet, soll die Möglichkeit bekommen, andere Menschen kennenzulernen die ebenso „ticken“ wie er oder sie selbst. Dabei soll man, qausi ganz nebenbei, so auch auf mögliche Jobs und Arbeitgeber aufmerksam werden. Und so näherten wir uns auch der inhaltlichen Ausgestaltung des Vortragstitels: „Was Unternehmen von Single-Plattformen und den Gebrüdern-Grimm lernen können! Storytelling made in Austria!„. Denn um es auf den Punkt zu bringen: whatchado bringt, analog einer Singleplattform, Menschen zusammen, die ähnlich ticken. Dies geschieht mit dem whatchado-Matching, welches den Interessenten 14 Fragen stellt und diese dann mit den Antworten aller Interviewten matched, die ebenfalls die gleichen 14 Fragen beantwortet haben. Das Ergebnis dieses Matchings sind also Videos von Menschen, die diese 14 Fragen gleich, oder zumindest möglichst ähnlich beantwortet haben. Klarer Tipp: Probiert es aus und schaut euch die Videos auf whatchado an.

 

Damit wären wir am Ende unseres kurzen Rückblicks auf die SMRC14. Eine gelungene Veranstaltung, nicht zuletzt auch wegen der vielen Gäste und des regen Austauschs in den Pausen. Tolle Speaker, tolle Orga und auch die Location – KAI 10 – ein schwimmendes Hausboot, waren Highlights. Auch im nächsten Jahren also ein klarer Tipp: Hingehen!

 

 

 

 

Jürgen Sorg About Jürgen Sorg

Mit meiner ersten Email-Adresse 1996 fing meine Leidenschaft für Online Medien an: Internetkommunikation, soziale Netzwerke, MPOGs, Webvideo und Mobile. Das alles fasziniert mich und insbesondere die Frage nach Art, Kontext und Zweck der Mediennutzung. Nach Studium der Medienwirtschaft und -wissenschaften in Siegen und Southampton habe ich mich von 2003 bis 2008 als wissenschaftlicher Koordinator und Mitarbeiter an der Universität Siegen mit dem Umbruch von analogen zu digitalen Medien beschäftigt. Nach Zwischenstationen als Bildungsreferent und Projektmanager in der digitalen Wirtschaft war ich bis Mitte 2015 im Personalmarketing bei der Techniker Krankenkasse für die Social Media Aktivitäten zuständig. Seit 2015 bin ich als Digital Marketing Manager bei der Continental AG.
Meine Favs: Gadgets, asiatisches Kino, Wasabi Nüsse und der südamerikanische Altiplano.

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