Job Apps? There’re some truffls, indeed! Mobile Recruiting geht weiter!

Hurra, es tut sich was am Recruitingmarkt. Mobile Recruiting hält langsam Einzug in den S-Bahnen der Republik. Statt die Zeit des Pendelns mit sinnlosen Spielen auf dem „mobil device“ jeglicher Marke zu verdaddeln, swipen sich die Arbeitnehmer Deutschlands immer häufiger durch die Joblandschaften. Und bewerben sich auch gleich. Naja, können sie zumindest. Denn „mit truffls und indeed, am Jobmarkt was geschieht„, wenn Sie mir diesen miesen Schüttelreim verzeihen.

Job Apps – nicht nur installiert, sondern auch verwendet

Die meisten Job Apps werden installiert, einmal verwendet und dann wieder gelöscht. Ich bin mir sehr sicher, dass das mit den Apps von truffls.de und indeed nicht geschehen wird. Warum? Na, die Erklärung versuche ich jetzt mal.

Mit den Jungs von truffls bin ich seit über einem Jahr in Kontakt. Ich habe zwar nach wie vor ihr Geschäftsmodell nicht verstanden (truffls kostet nämlich im Moment weder für Jobsucher noch Unternehmen etwas), aber wie mir Clemens Dittrich (einer der Gründer) noch zuletzt auf der Zukunft Personal 2014 glaubhaft versicherte, steht „die schnelle Kohle“ nicht auf der Agenda. Na gut, dann stellt sich die Frage des Geschäftsmodells auch erst mal nicht. Stattdessen sorgen sie für eine „bessere Recruitingwelt“. Seit einigen Monaten ist truffls übrigens im Accelerator-Programm von Axel Springer Plug and Play, was den Jungs offensichtlich gut tut. Denn seit wenigen Tagen ist die truffls App für iOS und Android verfügbar – und sieht extrem schick aus.

truffls - Tinder für Jobs - wer gut ist, wird gefunden

Ich habe sie heute Nachmittag mal spontan von einer Werkstudentin testen lassen und die Reaktion war: „Das ist ja mega“. Was übersetzt so viel heißt wie: Sehr sehr cool und schick (glaube ich zumindest). Zumindest ließ ihr Gesichtsausdruck darauf schließen.

Ich habe truffls natürlich auch gleich ausprobiert. Hier mal der Ablauf:

Die Anmeldung ist über das eigene XING oder Linkedin Profil problemlos möglich (kleine Bemerkung am Rande: Die App musste bei Apple nochmal in eine Extra-Runde, weil in den USA keiner XING kennt … da musste truffls noch ein wenig Infos nachschießen). Dann folgten drei oder vier „Erklärseiten“ und dann kann es auch schon losgehen. truffls liest mein XING Profil ein und ich kann es noch händisch ergänzen/verändern. Bei einem gut gepflegten Profil dürften Änderungen aber minimal sein. Dann wähle ich Job-Kategorien aus, die mich interessieren. Z. B. „Ingenieur“ oder „IT“ oder „HR“ etc. Ich werde nach dem Ort und meiner Umzugsbereitschaft gefragt und muss meine Berufserfahrung angeben. Und welche Art von Anstellung ich suche: Voll-/Teilzeit, Festanstellung, Freelancer, Befristet etc. Und dann geht es los mit dem swipen. Falls Sie „swipen“ nicht kennen: Das hat sich truffls wohl von Tinder abgeschaut. Tinder??? Genau. Lesen Sie dazu doch mal den blogartikel von der wollmilchsau zu truffls/tinder, dann wissen Sie Bescheid.

truffls - Tinder für Jobs - einfach wischen und Job finden

Und was soll ich sagen? Ohne dass ich irgendwelche Schlagworte wie „Recruiting“, „Employer Branding“ oder „HR“ eingeben musste, wurden mit haufenweise (grundsätzlich) passende Jobangebote vorgeschlagen. Naja, erst wurden mir auch Jobs außerhalb von Köln vorgeschlagen, was ich nicht so toll fand. Bis ich feststellte, dass bei der Umzugsbereitschaft anscheinend „ja“ als Einstellung hinterlegt ist. Als ich das änderte, kamen die Jobs nur noch aus Köln und umzu (wie die Bremer sagen). Inhaltlich natürlich die einen passender als die anderen. Aber absolut keine Totalausfälle. Von einer namhaften Jobbörse bekomme ich da eine deutlich schlechtere Qualität.

Tinder für Jobs - Jobdetails auf truffls

Ich kann mit einem Click auf die Anzeige mir weitere Details anzeigen lassen und komme von dort aus auch zur Originalanzeige. truffls holt sich die Anzeigen übrigens von überall. Genauer lasse ich das vielleicht mal die Jungs selber erklären: Die Jobs holen wir uns teils von Karriereseiten, teils von Stellenbörsen, teils von Metasuchmaschinen. Da wir (noch) recht individuelle (und technische) Anforderungen an die Stellenanzeige haben (z.B. deutscher Volltext, HTML-Layout, vorhandene URL), benötigen wir einige zehntausend Jobs täglich, um dann schlussendlich auf täglich 30.000 Jobs in der App zu kommen. Wir brauchen in Normalfall lediglich einen XML-Feed und ca. 3 Vorbereitungstage Zeit und schon werden die Stellenanzeigen (egal. ob 5 oder 50.000) vollautomatisch in unser System aufgenommen, geparst/ausgelesen und stehen dann als möglicher Jobvorschlag den Nutzern zur Verfügung. Da unser Automatisierungsgrad 100% entspricht, kann es natürlich sein, dass bei derartig vielen Stellenangeboten (und hoffentlich auch Nutzern) teils Fehler im Parsing und Matching auftauchen, aber unser Backend-Team arbeitet da quasi pausenlos daran.Alles klar?

Aber zurück zum „doing“. Anzeigen, die mir nicht gefallen, swipe ich nach links und lehne sie damit ab. Im positiven Fall swipe ich nach rechts und truffls fragt mich, ob ich wirklich Interesse habe. Und schickt dann mein anonymisiertes Profil direkt an den zuständigen Recruiter. In meinem kleinen Testfall wurde ich das allerdings nur einmal gefragt! Danach nie wieder. Ist da noch ein kleiner bug? Oder haben jetzt 10 Recruiter eine Bewerbung von mir erhalten, von denen ich nichts weiß? Ich werde es merken.

Mein Fazit: Alles in allem eine extrem schicke, schlanke Lösung, mit der die Jobsuche endlich mehr Spaß macht. Die Anzeigen werden von truffls ein wenig umformatiert und manche Begriffe erscheinen im falschen Kontext. Aber egal, das ist eine Frage der Zeit, bis das optimiert ist. Das wichtigste für mich: Ich brauche aufgrund der semantischen Suche nicht mehr selber Stichworte eingeben oder mir überlegen, wie der Titel eines passendes Jobs denn noch heißen könnte. truffls macht das alles von sich aus, anhand meines Profils. Sehr cool. Einziger Wermutstropfen: Tinder für Jobs ist derzeit erst ab Android 4.4 verfügbar. Ein Großteil an Nutzern schaut noch in die Röhre.

It's a match -truffls - tinder für Jobs

Die Lösung ist übrigens auch für die Recruiter sehr schlank: Einfach die URL der Anzeigen bei truffls reinkopieren, Anzeige kontrollieren … und auf Bewerber warten. Schreiben Sie uns doch mal Ihre Erfahrungen!!

 There’re some truffls – indeed

Ja, wenn ich hier schon über truffls schreibe und die einfache Handhabung und mobile Optimierung lobe, dann darf ich auch indeed nicht unerwähnt lassen. indeed wird ja auch in Deutschland langsam bekannter und wurde vor Kurzem von FOCUS-MONEY zum Gesamtsieger im Ranking der besten Stellensuchportale gekürt. Vor allem wegen ihres mobilen Auftritts. Was indeed in Deutschland noch das Leben schwer macht, ist ihr „pay per click“ Modell. Personaler zahlen halt immer noch lieber pauschal 500-1000 Euro für eine Stellenanzeige, deren Nutzen sie nicht kennen. Bei indeed zahlt man nur, wenn die Anzeige auch wirklich angecklickt wird. Es kann also gut sein, dass Sie das gleiche Ergebniss einer „Standard-Jobbörse“ für deutlich weniger Geld bei indeed bekommen. Kann sein! Auch von indeed habe ich mir die App geholt und getestet.

Mobile Jobsuche mit der indeed-App

Vorher habe ich allerdings einen Account über meinen Rechner angelegt. Einmal registriert und meinen CV hochgeladen – und was soll ich sagen: Sehr gut aggregiert von indeed. Ich musste nur minimale Änderungen vornehmen. Damit war mein Profil angelegt und ich konnte meine morgendliche S-Bahnfahrt-mobile-Jobsuche simulieren. Die Anzeigen, die indeed mir vorschlug, waren nicht alle so passend wie von truffls und sahen auch nicht so schick aus. Und auch die Vorteile der semantische Suche habe ich vermisst. Dafür kann ich mich auch bei indeed einfach mit meinem hinterlegten CV und einer kleiner Kurznachricht direkt mobil bewerben. Sehr schön.

Jetzt müssen eigentlich nur die Anwender auf beiden Seiten „umparken im Kopf“, wie Dominik Hahn es nach dem HR Barcamp 2014 und einer kleinen virtuellen Diskussion mit mir richtig auf den Punkt brachte. Die Technik steht, es sind die Anwender, die sich vor der der mobilen Bewerbung noch scheuen wie ein Wildpferd aus der Camargue. Dabei ist es in engen Märkten inzwischen völlig egal, ob bei einer Bewerbung ein nettes Anschreiben und Zeugnisse dabei sind. Mir reicht als Recruiter der CV, um zum Hörer zu greifen. Wenn Sie als Recruiter das gerne noch anders hätten, dann haben Sie keinen Fachkräftemangel. Oder die Zeichen der Zeit nicht verstanden. Suchen Sie sich was aus, aber vor allem: Testen Sie die Zukunft des Recruitings.

Herzlichen Gruß,

Ihr Henrik Zaborowski

(mit freundlicher Ergänzung durch Mister Personalmarketing2null Henner Knabenreich)

Henrik Zaborowski About Henrik Zaborowski

12 Jahre Erfahrung als Personalberater für KMUs und Konzerngesellschaften. Vor allem aber für die IT- & Managementberatungsbranche. Nach einem lehrreichen Ausflug auf die Kundenseite nun Berater rund um das Thema Recruiting als Gesamtkonzept. Mehr unter www.hzaborowski.de

Comments

  1. Hallo Henrik,

    und was haben die Recruiter gesagt?
    Viele Grüße aus Straßburg,
    Eva

  2. Mir gefallen Idee und Umsetzung sehr gut. Ich hab mir die App für iOS heruntergeladen und es sind noch einige bugs drin. Man kann nachträglich das Profil nicht ändern (bis auf den Ort, das ging). Die User Exp. finde ich sehr intuitiv gestaltet und ansprechend. Was ich nicht gefunden habe ist so etwas wie „Job merken“. Evtl möchte ich nicht gleich dem Recruiter mein Interesse bekunden und dann fände ich so ein Feature nicht schlecht. Dann hätte ich in meiner App meine persönliche Merkliste. Bei mir ergab sich kein matching. Weisst du, ob die Jobs in der Schweiz schon abgesaugt werden?
    Liebe Grüsse
    Judith

  3. „Ich habe zwar nach wie vor ihr Geschäftsmodell nicht verstanden“

    Das liegt finde ich auf der Hand: Zuerst Reichweite generieren, später zahlt der Recruiter dafür, um zum (passenden) anonymen Profil die dazugehörigen Kontaktdaten zu bekommen.

    • Ok, verstanden. Den langen Atem muss man sich aber auch erstmal leisten können. Die Dienstleistung wäre jetzt schon Geld wert. Aber die Kunden erst „heiß“ machen und dann bezahlen lassen, ist wahrscheinlich die geschicktere Strategie.

  4. Hallo Jan,

    danke für das super Feedback! Die von Dir angesprochene Integration, mit der eine direkte One-Click Bewerbung möglich wird, ist natürlich der logische nächste Schritt. Als noch nicht ganz so großes Startup müssen wir aber priosieren, welche Features wir zuerst bauen – und da war natürlich das Bauen der App an sich erstmal der erste Schritt 🙂

    Beste Grüße aus Berlin und happy swiping,
    Matthes (Gründer von truffls)

  5. Hey Henrik,

    wie vorhin schon besprochen, ich finde die Idee und Umsetzung von truffls echt genial. Die Anwendung ist echt eine der einzigen die für mich unter dem Stempel „Mobile Recruiting“ laufen dürfen.

    Einziger Wermutstropfen, ich hätte mir gewünscht, das wenn ein „Match“ vorhanden ist, dass ich dann direkt Kontakt zu einem Recruiter/Sourcer aufnehmen kann. Das war jetzt bei meinem Test (noch) nicht der Fall.
    Ich bekam den Hinweis das ein „Match“ stattgefunden hat und dann einen Link zur Stellenanzeige auf StepStone mit dem Hinweis das ich mich doch dort mit dem Stichwort truffls bewerben sollte!

    Ich bin unglaublich gespannt wie es mit der App weiter geht! Coole Nummer im Großen und Ganzen!

    LG aus Ingolstadt
    Jan

    • Moin Jan, ich habe auch drei Matches und werde die Personaler morgen mal direkt kontaktieren und nach ihrer Meinung / Eindruck fragen. Mal sehen, was die sagen und sich noch wünschen?!
      Herzlichen Gruß – und Matthes: Immer dran bleiben 🙂
      Henrik

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  1. […] Wer mich kennt weiß, dass mein Herz für Innovationen schlägt (zwei Beiträge dazu “Job Apps? There’s some truffls, indeed” und “Videobewerbung und Bewerbung 2.0 im Praxistest“). Gleichzeitig bin ich […]

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