Erfahrungsaustausch statt Wettbewerb – Social Media Personalmarketing Verantwortliche trafen sich zum Dialog

Anfang November trafen sich bei der SICK AG in Waldkirch die Verantwortlichen für das Social Media Personalmarketing verschiedener Unternehmen zum Erfahrungsaustausch. Die Teilnehmer diskutierten im offenen Dialog über Strategien, Contentmanagement, Pflege der Communities und viele weitere Aspekte des Personalmarketings in sozialen Medien.

Sind schon Personalabteilungen in den Unternehmen meist nicht allzu groß, haben die Verantwortlichen fürs Personalmarketing doch noch weniger direkte Kollegen im eigenen Unternehmen. Und wenn es dann noch Spezialisten für Social Media Personalmarketing gibt, so sind diese meist Einzelkämpfer an ihrem Arbeitsplatz. Mit wem sollen sie sich austauschen, wenn es darum geht, täglich Reichweite zu generieren, die Employer Brand in den Sozialen Medien zu kommunizieren, einen Dialog mit potenziellen Bewerbern aufzubauen und sich dabei noch mit ständigen Designänderungen der verschiedenen Portale, Bewertungen auf kununu oder rechtlichen Grauzonen auseinander setzen zu müssen? Im Sommer hatte meine Kollegin Jessica die Idee, dass es ganz interessant sein könnte, mit Kollegen in anderen Unternehmen darüber zu diskutieren, wie die täglichen Herausforderungen im Social Media Personalmarketing bewältigt werden. Ob diese dazu bereit wären? Schließlich haben wir doch einen „war for talents“ und kämpfen gegeneinander um die besten Köpfe, oder?

Austausch über alltägliche Herausforderungen

Eine Anfrage in der Community der Personalblogger zeigte, dass nicht wenige bereit waren, ihre Erfahrungen zu teilen und so wurde es ernst: Die Planungen zum ersten Erfahrungsaustausch Social Media Personalmarketing begannen. Ganz bewusst ohne Sponsoren, ohne Fachvorträge und ohne die Vorstellung von neuen Studien oder die Vergabe von Awards. Das gibt es für die Personalmarketingcommunity an anderer Stelle zu Genüge und soll hier gar nicht kritisiert werden, dadurch bleibt die Szene lebendig und verbunden. Aber ein reiner Austausch über das Alltagsgeschäft war neu und setzt vor allem viel gegenseitiges Vertrauen voraus. Es wurde spannend.

Um nicht nur in der einigermaßen vertrauten Community der Personalblogger zu agieren und zugleich sicher zu stellen, dass die Teilnehmer der Veranstaltung auch einiges an Erfahrungen mitbringen, haben wir bei Unternehmen nachgefragt, deren Personalmarketingaktivitäten uns als umfassend und ausdauernd bekannt waren. Das Interesse reichte von „Wir kommen auf jeden Fall!“ bis zur völligen Ignoranz gegenüber unserer Einladung. Und glücklicherweise teilten uns die Teilnehmer und Teilnehmerinnen auch gleich mit, welche Themen sie interessieren und wo sie Expertise mitbringen. Leider gab es auch die unvermeidlichen Absagen wegen Urlaub, Krankheit und Terminüberschneidungen und schließlich verhinderte auch der Lokführerstreik die ein oder andere Teilnahme. Doch trotz widriger Verkehrsverhältnisse und durch die Bildung spontaner unternehmensübergreifender und internationaler Fahrgemeinschaften schafften es dann doch neun Kolleginnen und Kollegen aus sieben Unternehmen am 6. November zu SICK nach Waldkirch zu kommen. Der Austausch konnte beginnen!

Zentrales Thema: Content

Da die meisten Themenvorschläge sich unter der Überschrift „Contentmanagement“ zusammenfassen ließen, widmeten wir den ersten Workshop des Tages diesem Thema und diskutierten gemeinsam am eigens für diesen Termin entwickelten „Content-Stern“.

Contentstern

Zur Sprache kamen unter anderem die Methoden, mit denen im gesamten Unternehmen nach geeigneten Inhalten für die verschiedenen Kanäle gesucht werden, welche Schnittstellen im Unternehmen hilfreich sind und wie die Redaktionsarbeit organisiert wird. Dass nicht alles planbar ist und Raum für spontane Aktivitäten bleiben muss, war eine Erfahrung, die schon alle gemacht hatten. Ebenso, dass es schwierig vorherzusehen ist, welche Inhalte die beste Resonanz erzeugen. Weitere Themen dieses ersten Workshops waren die Verbindung von Offline-Events mit Online-Kommunikation und der Umgang mit der Herausforderung, auch am Wochenende für Fans und Follower erreichbar zu sein, ohne mit dem Arbeitszeitgesetz in Konflikt zu geraten oder unattraktive Arbeitszeiten gleich am eigenen Beispiel zu demonstrieren.

Premiere des MultiCompanyFacebookKarriereseitenBeitrags

In der Pause vor dem zweiten Workshop kam es dann zur Weltpremiere des ersten #MultiCompanyFacebookKarriereseitenBeitrags auf der Facebookseite von SICK Karriere, der ein weiteres Mal belegt, dass Kooperation im Wettbewerb um neue Talente gar nicht weh tut und übrigens im Social Web der Reichweite außerordentlich zuträglich sein kann.

Multi Company Facebook Beitrag

Weitere Themen: Von Monitoring bis Datenschutz

Der zweite Workshop widmete sich anschließend den verbleibenden Themen, die vom Montoring und Controlling über die Einbindung von Mitarbeitern und die Schnittstelle zum Recruiting bis zu rechtlichen Aspekten von Social Media und dem Einsatz von Agenturen und Dienstleistern reichten. Die Gespräche drehten sich insbesondere um das Verhältnis von Aufwand und Nutzen beim Monitoring und Controlling von Social Media Aktivitäten. Wobei hier schnell klar wurde, dass ein paar Zahlen durchaus hilfreich sind, um die Wirkung von Social Media Personalmarketing intern zu illustrieren, Budgets zu planen und herauszufinden, ob Geld an der richtigen Stelle ausgegeben wird. Interessant war auch der Austausch über rechtliche Aspekte. Alle teilnehmenden Unternehmen betreiben einen beträchtlichen Aufwand, um den Datenschutz und die Persönlichkeitsrechte ihrer Mitarbeiter und potenzieller Bewerber zu gewährleisten. Im Umgang mit Agenturen und Dienstleistern herrscht allgemein größere Zurückhaltung. Alle Anwesenden folgen der Praxis, dass die Personalmarketingaktivitäten im Social Web vom Unternehmen selbst betrieben und nicht an Agenturen outgesourced werden.

Blick in die Zukunft

Der Tag endete mit einem kurzen Meinungsaustausch zum Thema „Zukunft des Social Media Personalmarketings“. Hierbei wurde deutlich, dass die Zielgruppen auch in Zukunft die Kommunikationsmedien vorgeben werden, auf denen sie erreicht werden können. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie dort auch mit den Unternehmen sprechen wollen. Es wird schwierig bleiben, aus dem meist temporären Wunsch der Zielgruppe nach einem Einstieg ins Unternehmen ein dauerhaftes Interesse an den Arbeitgeberbotschaften eines Unternehmens zu generieren. Ist die Zu- oder Absage auf die Bewerbung erstmal erfolgt, besteht seitens der Bewerber oft kein Anlaß mehr, mit den Ansprechpartnern des Personalmarketings in Kontakt zu treten. So wird Social Media Personalmarketing wahrscheinlich höchst selten langfristig stabile Communities generieren, sondern eher als Werbe-, Service- und Kontaktkanal seine Berechtigung etablieren.

Ganz nebenbei wurde unter dem Hashtag #EASOMEP14 (ErfahrungsAustauschSOcialMEdiaPersonalmarketing 2014) fleißig getwittert und es gab schnell erste positive Resonanz aus ganz unerwarteter Richtung:

Es scheint, dass die Bereitschaft zur Kooperation und zum offenen Austausch mit Wettbewerbern durchaus zur Attraktivität von Arbeitgebern beiträgt. Ein Hinweis, den wir nur allzu gerne annehmen.

Zu guter Letzt waren sich alle Anwesenden einig, dass diese Form des Erfahrungsaustausches ausgesprochen gewinnbringend ist, sehr viel Spaß bereitet hat und unbedingt wiederholt werden sollte. Gerne auch mit weiteren Unternehmensvertretern die (noch) nicht zu den Autoren des Personalbloggers gehören. Einige Vorschläge zu zukünftigen Veranstaltungen sind bereits in Arbeit und ich freue mich jetzt schon auf den #EASOMEP15, der nach aktueller Planung voraussichtlich bereits im Frühjahr und an einem anderen Ort stattfinden wird.

Mein Dank gilt allen Teilnehmern und Unterstützern. Ohne Euer Engagement, den Vertrauensvorschuss gegenüber den Kollegen und Eure Bereitschaft zum offenen Dialog wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen.

Bernd Konschak About Bernd Konschak

Meine berufliche Passion ist das Personalmarketing. Mit dem Thema bin ich erstmals 1997 in Kontakt gekommen, als die Tengelmann Unternehmensgruppe das Wagnis einging, mir als Magister der Kunstgeschichte ein Praktikum anzubieten. Freundlicherweise durfte ich gleich zum Traineeprogramm bleiben und bekam eine Grundausbildung in Sachen Personalmanagement. Es folgte der Wechsel zu Hewlett Packard. Dort begann ich als Recruiter und hatte anschließend fünf Jahre lang einen tollen Job mit dem wunderbaren Titel „Talent Attraction and Student Program Manager Europe - Middle East - Africa“. 2006 nahm ich das Angebot an, bei der SICK AG eine ganze Personalmarketingabteilung neu aufzubauen, die ich bis heute leite.
Während meiner gesamten beruflichen Laufbahn durfte ich von hervorragenden Kollegen und Experten lernen und seit einigen Jahren gebe auch ich mein Wissen weiter; als Trainer der Haufe Akademie und Lehrbeauftragter der Hochschule Furtwangen University.

Trackbacks

  1. […] so regelmäßig die Blogartikel erscheinen, das Treiben in der eigentlichen Community ist rege, fördert den unternehmensübergreifenden Erfahrungsaustausch und erfreut mich jedes Mal aufs […]

Speak Your Mind

*