Connected Minds Chats im Jahr der Kandidaten

Nachdem 2014 von Jo Diercks zum Jahr der Berufsorientierung ernannt wurde, hat er sich entschieden, 2015 zum Jahr der Kandidaten zu machen und entsprechend zur Blogger Challenge aufzurufen. BASF hat es wohl geahnt oder einen Blick in die Glaskugel geworfen, denn frisch zum Jahresstart wurden bei BASF in Deutschland die Connected Minds Chats gestartet. Seit knapp 2 ½ Monate gibt´s nun die Möglichkeit für Interessenten sich direkt mit Mitarbeitern per Chat auszutauschen. Zeit für ein Interview mit Anna Rebecca Egli, Specialist Employer Branding and Communications bei BASF in Ludwigshafen.

Liebe Anna, stell dich doch bitte einmal kurz vor:

Gerne, ich bin studierte Historikerin und über ein Volontariat in der Unternehmenskommunikation vor über 10 Jahren zur BASF gekommen. Nach 6 Jahren in der Finanz- und Wirtschaftskommunikation bin ich 2010 in die Personalabteilung gewechselt und kümmere mich hier in erster Linie um die globale Arbeitgebermarke der BASF. Neue Medien und vor allem neue Kommunikationswege haben mich schon immer interessiert – und gerade für B2B Unternehmen, wie die BASF, ist es unglaublich wichtig, es möglichen Bewerbern so einfach wie möglich zu machen, um mit dem Unternehmen in Kontakt zu kommen.

Ihr habt in diesem Jahr die Connected Minds Chats in Deutschland eingeführt. Welches Ziel verfolgt ihr hierbei?

Wir haben im Dezember 2014 unsere neue Website gelauncht, die nicht nur global einheitlich ist – wir haben mit 6 Ländern angefangen und werden in den nächsten 2 Jahren alle weiteren Länder und Gruppengesellschaften integrieren – sondern uns auch technisch ganz neue Möglichkeiten bietet: personalisierter Inhalt, ein mobilfähiges Online-Rekrutierungssystem, responsives Design und eben die Chat-Funktion. Für Bewerber sind außerdem drei Dinge in den letzten Jahren immer wichtiger geworden:

  • Personalisierung,
  • Authentizität und
  • Transparenz.

Wir möchten uns hier der Zielgruppe öffnen. Wir bieten ja auch einen täglichen Service-Chat zu Fragen rund um die Bewerbung an, aber der Connected Minds-Chat geht noch einen Schritt weiter: Hier haben Kandidaten direkten one-on-one Zugang zu echten Mitarbeitern, die ganz offen und ehrlich über ihren Berufsalltag sprechen. Es ist doch so: Ingenieure möchten mit Ingenieuren sprechen und Chemiker mit Chemikern – Bewerber wollen wissen, wie eine Firma wirklich „tickt“, einen Blick hinter die Kulissen erhalten und sich austauschen. Jede Firma hat Mitarbeiterstatements auf der Website, aber meistens sind diese austauschbar und geschönt – ein Foto, ein knackiger Spruch, aber die Person dahinter bleibt blass. Wir hatten das früher natürlich auch, aber jetzt wollten wir einen Schritt weiter gehen. Wir haben immer schon Kollegen aus den Bereichen, Azubis und Praktikanten auf Messen und Veranstaltungen mitgenommen und die Kollegen können natürlich einem Studenten viel bessere Einblicke geben als ein Personaler. Daher sind unsere Connected Minds BASF-Mitarbeiter aus allen Bereichen, die regelmäßig für einen Chat zur Verfügung stehen. Und wir haben nicht nur in Deutschland angefangen – auch Kollegen aus China und Spanien haben bereits gechattet, im März werden die ersten US-Amerikaner dabei sein und im Laufe des Jahres 2015 kommen circa weitere 30 Länder dazu.

Ihr bietet die Chats nun seit knapp 2 ½ Monaten an und bewerbt diese auch bei XING mit entsprechenden Events. Wie ist eure erste Resonanz?

Wir haben unsere Chats absichtlich nicht exzessiv beworben, da wir erstmal ein Gefühl dafür bekommen wollten, was uns erwartet – das heißt wir haben die sozialen Netzwerke und Business-Netzwerke genutzt und unsere Partner-Universitäten informiert. Bis jetzt hatten wir etwa 90 Chats – generell können wir sagen, dass wir uns eine etwas regere Teilnahme wünschen würden, allerdings ist uns auch klar, dass sich der Chat erstmal etablieren muss und es sicherlich in der Zielgruppe auch noch eine gewisse Hemmschwelle gibt. Was uns sehr positiv überrascht hat, ist die inhaltliche Qualität der Chats – man kann also sagen: Eher wenige Chats, aber die, die stattfinden, sind geprägt von wirklichem Interesse und gutem Austausch. Zusätzlich gibt es ja noch die Möglichkeit den Connected Minds über ein Feedbackformular eine Frage zu stellen, wenn sie gerade nicht im Chat sind. Diese Funktion wird sehr gut angenommen. Natürlich haben wir etwa 1/3 Spam-Anfragen/Massenmails dabei, aber die Mehrzahl kommt von interessierten Kandidaten.

Das klingt doch schon einmal nicht schlecht. Wie kommt denn die Möglichkeit bei euren Mitarbeitern an, sich aktiv mit Interessenten austauschen und die Kultur von BASF weitertragen zu können?

Die Reaktion der Mitarbeiter hat mich wirklich überwältigt. Ich mache ja seit Jahren Kommunikation und wusste schon immer, dass wir tolle Mitarbeiter haben, die sich stundenlang für Fotoshootings schminken lassen (auch die Männer!) und für Imagefilme 30 mal die gleiche Treppe hoch und runter laufen – aber wie bereitwillig und engagiert Kollegen aus allen Ländern und Bereichen – Produktion, Labor und Büro – bei dem Projekt mitmachen, sich austauschen, mir Fragen stellen, sich Zeit für die Trainings, die Chats und das Beantworten der Anfragen nehmen, ist wirklich toll. Wir bekommen auch immer noch Anfragen von Kollegen, die gerne mitmachen würden – zwangsverpflichten mussten wir niemanden, im Gegenteil!

Im digitalen Zeitalter sprechen die Chats ja wahrscheinlich eher Schüler, Studenten und Young Professionals an oder?

Ja, auf jeden Fall kommen die meisten unserer Chatanfragen momentan von Studenten. Allerdings ist es denke ich nur noch eine Frage der Zeit bis auch ältere Berufserfahrene die Funktionen für sich entdecken – etwa ¼ unserer Facebook-Fans sind über 35 und auch bei unseren Connected Minds sind ältere, erfahrene Kollegen dabei, die mit genauso viel Elan chatten wie die jüngeren. Und gerade für ältere Berufserfahrene, die nicht unbedingt auf Jobmessen vertreten sind und nicht vom Unternehmen zu Studenten-Events eingeladen werden – vielleicht aber trotzdem in Erwägung ziehen die Stelle zu wechseln – ist sowas ja eine tolle Gelegenheit mal unverbindlich ein paar Fragen zu stellen.

Kommen wir einmal zur Bewerbersicht. Wie nehmen die Interessenten denn die Möglichkeit an, sich so aktiv mit direkten Mitarbeitern aus Fachabteilungen austauschen zu können? Merkt ihr einen entsprechenden Anstieg an Bewerbungen, welche sich auf die Chats beziehen?

Dazu können wir aufgrund der kurzen Zeit noch keine wirkliche Aussage treffen. Und es ist ja auch nicht unser Ziel, die Bewerbungen zu erhöhen, sondern Kandidaten eine Einsicht ins Unternehmen zu geben und sich auszutauschen – das wird sehr gut angenommen.

Mit der Möglichkeit aktiv über Chats mit Mitarbeitern zu sprechen gehört ihr zu den Vorreitern in Deutschland. Glaubst du, dass jetzt andere Großkonzerne auf ähnliche Ideen kommen? Daimler hat vor kurzem whats App im Recruiting eingesetzt.

Den Ansatz von Daimler fanden wir auch sehr spannend und wir würden uns auch freuen, wenn weitere Arbeitgeber unserem Beispiel folgen und Mitarbeiterchats anbieten – das ganze Umfeld verändert sich ja stetig und wir sind auch im Austausch mit Kollegen aus anderen Unternehmen und lernen voneinander.

Die Chats sind ja nun gut angelaufen und die Zielgruppe nutzt dies. Vielleicht verrätst du ja, welche weiteren Innovationen ihr bereits plant, um die Chats weiterzuentwickeln bzw. auszubauen.

Ich kann schon verraten, dass Kollegen aus Großbritannien, Frankreich und Polen in den Startlöchern stehen. Außerdem werden wir die Visibilität des Chats auf der Website noch verbessern, die Werbetrommel ein bisschen stärker rühren und wir haben auch noch ein paar andere Ideen zu den Themen Blogging, Videos und virtuelle Karrieremessen – es bleibt spannend!

Liebe Anna, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, über die Connected Minds Chats zu berichten. Ich wünsche euch mit den Chats weiterhin viel Erfolg und Spaß. Bei euch steht jedenfalls der Bewerber schon früh im Fokus. Ganz klar: Daumen hoch!

Alexander Hohaus About Alexander Hohaus

Alexander Hohaus (M.sc.) ist in den Bereichen Employer Branding und Personalmarketing zuhause. Bereits in seinem Bachelorstudium der Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Kommunikation, Marketing und Arbeitsrecht begeisterte ihn dieses Themenfeld und er sammelte Erfahrung im HR-Bereich als studentischer Mitarbeiter bei verschiedenen Unternehmen. In seiner Bachelorarbeit erforschte er das Informationsverhalten der Generation Z in Bezug auf das Thema Ausbildung. Zum Ende seines Traineeprogramms mit Schwerpunkt Personalmarketing bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank begann er sein nebenberufliches Masterstudium in Human Resource Management, welches er im April 2017 mit dem akademischen Grad „Master of Science“ beendet hat. Seine Masterarbeit verfasste er über das Thema „Der Point of Contact im Hochschulmarketing – Eine empirische Studie zur Untersuchung der Präferenzen in der Ansprache von Studierenden“. Beruflich ist er seit März 2015 als Referent Personalmarketing bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank zuständig für die Themen Employer Branding und Personalmarketing. Er bloggt rund um die Themen Employer Branding und Personalmarketing.

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