Periscope im Recruiting – ein Praxistest zum Beobachten

PeriscopePeriscope im Recruiting? „Was soll das denn schon wieder sein/werden?“ Die Frage ist berechtig, „doch das weiß niemand so ganz genau„, wie schon Daliah Lavi sang. Umso wichtiger finde ich deshalb das, was passiert, genau zu beobachten und von den first movern zu lernen. Darum bin ich auch sehr froh, dass mein Job als Recruitingcoach mich mit spannenden Unternehmen und querdenkenden Menschen in Kontakt bringt. Wie z. B. die hmmh multimediahaus AG in Bremen und Vanessa Wrede. Die diese Woche mit der Nutzung von Periscope im Recruiting starten wird. Ich sollte also besser schreiben: „das weiß noch niemand so ganz genau“. Denn das wird sich jetzt ändern. Hier geht’s zu weiteren Informationen und einem kleinen Interview mit Vanessa.

Job Apps und anderer „schnickschnack“

Die letzten Wochen bekam ich Anfragen von Journalisten zum groben Thema „Zukunft und Sinnhaftigkeit von Job-Apps im Recruiting und fürs Bewerben“. Das scheint also ein Thema zu sein, das interessiert. Ich bin da zwiegespalten. Wer mich kennt weiß, dass mein Herz für Innovationen schlägt (zwei Beiträge dazu „Job Apps? There’s some truffls, indeed“ und „Videobewerbung und Bewerbung 2.0 im Praxistest„). Gleichzeitig bin ich täglich als Praktiker im Recruiting unterwegs und stelle fest: Die große Masse der Arbeitgeber nutzt keine innovativen tools – und braucht es im Großen und Ganzen auch nicht. Aber es kommt ja auch immer auf die Zielgruppe an. Von daher sollten Personaler schon aufmerksam hinschauen, wenn sich eine Innovation in die Öffentlichkeit wagt. Für manche ist das Internet ja dann doch auch kein Neuland mehr. Ist Ihnen übrigens schon bei dem bekannten Zitat von Angela Merkel aufgefallen, dass Sie die Aussage 1:1 auf HR und das Recruiting übertragen können? Hören Sie doch nochmal rein:

Krass, oder? Denken Sie auch bei „Bedrohung“ nicht auch an die Bedrohung von Post&Pray durch neue tools, mit denen Sie als Personaler sich jetzt auseinander setzen MÜSSEN?

Ich bin der festen Überzeugung, das sich so manche Recruiting App / tool oder wie auch immer im Markt etablieren wird. Entweder mittels ganz viel Geld (und damit Werbung und Durchhaltevermögen) oder weil sie ganz gezielt die Bedürfnisse einer konkreten Zielgruppe bedient. Wer dazu gehören wird, wird die Zukunft zeigen.

Allgemeine Apps und Soziale Dienste im Recruiting

Die Alternative wäre, „allgemeine“, also nicht speziell für das Recruiting entwickelte Apps und Soziale Dienste trotzdem für das Recruiting zu nutzen. Als Klassiker möchte ich hier mal spaßeshalber Facebook nennen. Kennen Sie, oder? Kaum ein Arbeitgeber, der nicht zumindest darüber diskutiert hat, auf Facebook zu sein. Andere „Dienste“ haben es da schon schwerer. Instagram, Pinterest, snapchat, Twitter … suchen Sie sich was aus. Alle können Sie auch für das Recruiting bzw. Employer Branding nutzen. Ob es Sinn macht, hängt vor allem vom Arbeitgeber und der Zielgruppe ab. In der HR Szene fand das WhatsApp Beispiel von Daimler zwar großes Echo, aber eher wenig Nachahmer. Den „Facebook-Hype“ haben die meisten dieser Dienste bislang auf jeden Fall nicht erleben dürfen.

In den letzten Monaten hat jetzt ein neuer Dienst besondere Aufmerksamkeit erfahren, der den meisten (nicht so social-affinen) Menschen bislang eher unbekannt sein dürfte. Die Rede ist von Periscope. Periscope ist eine Video-Streaming Lösung von Twitter, mit der Sie plump gesagt etwas aufnehmen und live im Internet senden können. Einen von vielen Artikel mit genaueren Erklärungen finden Sie u.a. hier „Merkaat und Periscope – die sechs wichtigsten Fragen und Antworten„.

Periscope im Recruiting und Employer Branding?

Live Streaming? Was soll ich denn da für das Recruiting/Employer Branding aufnehmen? Na, wenn Ihnen da jetzt nicht spontan etwas einfällt, schlage ich vor, Sie nutzen die nächsten Zeilen und Wochen, um sich ein wenig schlau zu machen. Denn ich bin sehr froh, einen ersten „Geh-Versuch“ eines Arbeitgebers bei der Nutzung von Periscope für das Recruiting und Employer Branding ankündigen zu dürfen. Sicherlich typisch, dass es zwar kein Startup ist, das was Neues ausprobiert, aber ein Unternehmen, von dessen Branche wir Innovationen erwarten dürfen. „Leading in Connected Commerce“ ist der Claim von hmmh, die seit über 20 Jahren eine der führenden Agenturen auf dem Gebiet des E-Commerce ist und seit Jahren im Internetagentur-Umsatzranking einen der Top Plätze belegt. Mit gut 300 Mitarbeitern an vier Standorten in Deutschland gehört hmmh seit Mitte 2014 zur Serviceplan Gruppe Plan.net und ist damit Teil der größten Digitalagentur Deutschlands. Also, ein Status, der verpflichtet, würde ich sagen. „Angekündigt“ hat hmmh diese Aktion schon vor einigen Tagen. Es begann mit diesem Video auf twitter, Facebook und der hmmh homepage

 

Es folgte ein weiteres.

Und dann, heute, diese zwei Videos im Abstand von ein paar Stunden ….

 

Und diese Pressemitteilung: „hmmh goes Periscope„. Ein kurzer Auszug daraus: „hmmh öffnet die gläsernen Pforten des Weser Towers und gewährt Einblick in den Arbeitsalltag durch die Augen ihrer Konzepter, Direktoren, Entwickler und New Business Spezialisten. Über die Live-Streaming Plattform Periscope lernen Interessenten und mögliche zukünftige Mitarbeiter bereits die Gesichter zu den einzelnen Bereichen kennen und vor allem ihre Arbeit. Interessante Themen aus den Bereichen Connected Commerce, Entwicklung und Kundenbetreuung warten neben Führungen durch die repräsentativen Büros über den Dächern Bremens auf die Zuschauer des Live-Streams.“

hmmh will also Periscope nutzen, um potentiellen Mitarbeitern das Unternehmen als Arbeitgeber näher zu bringen. Ich bin selber sehr sehr gespannt, wie das funktionieren wird – allerdings auch sehr zuversichtlich, dass es klappen wird. Denn ich kenne ja Vanessa Wrede. Übrigens einer dieser inspirierenden Menschen, denen ich zu allererst auf Twitter begegnet bin. Dann auch persönlich auf einer NewWork Veranstaltung von XING. Und plötzlich fand ich mich bei ihr im Büro in Bremen wieder. Sehr sehr nett bei hmmh.

Und natürlich habe ich sie gleich ein wenig zu den Hintergründen befragt. Interessiert Sie auch? Na, dann viel Spaß beim Lesen:

HZ: Vanessa, erzähl doch mal kurz was zu Dir und Deiner Position bei hmmh.

Vanessa: Ich bin seit 2009 bei hmmh, angefangen habe ich als Junior Project Manager, ein klassischer Einstiegsjob in der Agenturbranche, und wurde bald Project Manager. 2013 habe ich den Sprung in die Personalentwicklung gemacht – und bis heute nicht bereut.

HZ: Wie kommt man vom Projektmanagement in die Personalentwicklung. Die Überschneidungen sind, sagen wir mal, gering. Oder?

Vanessa: Für mich persönlich musste nach 4 Jahren Projektmanagement mal was anderes her. Ich war schon immer so der Typ „Kümmerer“ und habe mich öfter mit dem damaligen Personalentwickler ausgetauscht. Der hat erzählt, was er so vorhat. U.a. wollte er eine hmmh-academy aufbauen, was ich total spannend fand. Wie es der Zufall so wollte, hat sich Anfang 2013 die Gelegenheit ergeben in den Bereich Personnel Development (kurz PDev) bei uns zu wechseln.  Nach einer kurzen Bedenkzeit habe ich dann zugesagt und erstmal „Vollzeit“ die hmmh-academy weiter ausgebaut, was eine tolle Aufgabe war und nach wie vor ist. Danach habe ich ein Jahr lang die berufsbegleitende Weiterbildung zur geprüften Personalentwicklerin (bei Haufe und der Technischen Hochschule Deggendorf, übrigens u.a. mit Referenten wie Personalmarketing Größe Bernd Konschak, kleine Anmerkung von HZ) gemacht. Und da habe ich mitbekommen, was noch zur PE gehört. Der Beruf wurde zur Berufung. Dazu kam das bei hmmh eine spannende neue Etappe begann, die ich mit gestalten konnte bzw. kann.

HZ: Du hast die Idee, Periscope im Recruiting und Employer Branding zu nutzen. Wie kommt es dazu?

Vannessa: Nach dem Lehrgang wollte ich inhaltlich weiter dran bleiben und habe Twitter als sehr guten Kanal zum fachlichen Austausch entdeckt. Als Twitter Persicope als App rausbrachte kam sofort die Idee, das zu nutzen, um unkompliziert und schnell und ehrlich Einblicke in das Arbeiten bei hmmh zu geben.

HZ: Wie haben Deine Kollegen diese Idee aufgefasst?

Vannessa: Bislang weiß es vor allem die Führungsmannschaft und einige Kollegen, die auf Twitter sehr aktiv sind. Die waren begeistert und standen sofort für ein Interview zur Verfügung.

HZ: Worum wird es gehen?

Vannessa: Wir wollen generell Einblicke in unsere Räume geben und immer zwei KollegInnen aus den Fachbereichen interviewen, um ihren Job vorzustellen. Über den Chat können Zuschauer Fragen stellen, die dann live beantwortet werden.

HZ: Wirst Du das öfters machen?

Vanessa: Ja, wir planen einen Test von Mitte November bis Mitte Februar. Wir wollen erstmal schauen, wie das so ankommt, wie viele Nutzer überhaupt dabei sind.

HZ: Ganz ehrlich: Was verspricht du dir von diesen Aktionen?

Vanessa: Ich habe einfach Spaß an innovativen Konzepten und will mal schauen, was passiert. Uns ist es wichtig, offen zu sein und unkompliziert Infos zu hmmh zu geben. Ich erhoffe mir natürlich, dass der eine oder andere dann Lust bekommt, sich bei uns zu bewerben.

HZ: Vanessa, ganz herzlichen Dank für diese Einblicke. Ich freue mich sehr darauf, Eure ersten Gehversuche mit Periscope im Recruiting zu beobachten und wünsche Dir ganz viel Erfolg!

Also, liebe Leser, am 27.11.2015 um 12 Uhr geht es los! Sie sind herzlich eingeladen, dabei zu sein. Es gibt sogar einen XING Event dazu! Wie das ansonsten geht? Am besten die App direkt runterladen und live mitschauen. Oder später anschauen. Denn das Tolle ist: Der Organisator kann mit den richtigen Einstellungen in der App die Aufnahme speichern und später z. B. auf youtube hochladen.Was Vanessa garantiert machen wird. Ich hoffe, ich werde nach den ersten Wochen von Vanessa einen kleinen Zwischenbericht bekommen 🙂

Ach so, falls Sie sich jetzt noch fragen: Periscope im Recruiting? Aber wie ist das denn „mit dem Datenschutz und überhaupt?„. Ja, das ist tatsächlich eine gute Frage. Da möchte ich Sie auf zwei Artikel hinweisen. Einmal auf die sehr realistische und pragmatische Sicht von Stefan Scheller in seinem Artikel „Datenschutz ist tot …  und 2020 kann Social Recruiting jeder“ – und zum Zweiten auf die juristische Sicht von Nina Diercks in „Periscope – Was ist erlaubt und wann bin ich eine Rundfunkanstalt?„.

Naja, bis Sie die rechtlichen Aspekte für sich geklärt haben schlage ich vor, Sie tauchen ein in die Welt der Apps, des Streaming und in die Arbeitswelt von hmmh. Ich bin sicher, der Eintritt lohnt sich.

Herzlichen Gruß,

Ihr Henrik Zaborowski

Henrik Zaborowski About Henrik Zaborowski

12 Jahre Erfahrung als Personalberater für KMUs und Konzerngesellschaften. Vor allem aber für die IT- & Managementberatungsbranche. Nach einem lehrreichen Ausflug auf die Kundenseite nun Berater rund um das Thema Recruiting als Gesamtkonzept. Mehr unter www.hzaborowski.de

Comments

  1. Moin Henrik,

    cool! Im März hatte ich noch über die tollen theoretischen Möglichkeiten des Livestreamings für Personalmarketing und Recruiting geschrieben, Stichwort: Realistic Preview und Einblicke und so…, (http://blog.recrutainment.de/2015/03/30/authentisches-arbeitgebermarketing-in-livestreaming-apps-wie-meerkat-oder-periscope-stecken-ungeahnte-moeglichkeiten/). Jetzt macht es also jemand. Sehr gut!

    VLG
    Jo

Trackbacks

  1. […] nutzen, Sie können Ihre Candidate Experience verbessern und Active Soucing betreiben. Sie können Periscope im Recruiting einsetzen, genauso wie Snapchat (oder es auch aus guten Gründen sein lassen), Whatsapp in der […]

  2. […] Bei meinen Vorträgen frage ich die Anwesenden immer, wer aktiv auf Twitter ist. Die Reaktionen sind, außer beim HR Barcamp, verhalten. Das ist sehr schade. Denn über Twitter habe ich oft den ersten Kontakt zu sehr spannenden Persönlichkeiten bekommen (und das könnten Sie auch!) Und dann folgen irgendwann mal persönliche Treffen, z. B. auf einem New Work Event von XING. So habe ich Vanessa Wrede kennengelernt. Personalentwicklerin bei einer der führenden Digital Agenturen in Deutschland, der hmmh multimediahaus AG. Vanessa startet bei hmmh einen Versuch. Nämlich mittels der App Periscope live (authentische) Einblicke in die Arbeitswelt bei hmmh zu geben. Wie und warum sie das macht, darüber habe ich einen eigenen blogartikel verfasst. Aber der erscheint nicht hier auf meinem blog, sondern endlich mal wieder bei den Personalbloggern! Da sollten Sie auch immer mal wieder vorbeischauen. Jetzt zum Beispiel. Um den Artikel zu lesen: „Periscope im Recruiting – ein Praxistest zum Beobachten„. […]

  3. […] AG mit ihrem Periscope-Experiment. Der geschätzte Kollege Henrik Zaborowski hat den Ansatz in einem lesenswerten Blogartikel zusammengefasst. Die Kurzfassung: hmmh bietet mit Periscope-Streams die Möglichkeit, bei Events dabei zu sein und […]

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