Recruiting auf Facebook: 007 regelt das.

 

007 schaut Dir tief in die Augen, nippt an seinem ordnungsgemäß geschüttelten Martini und sagt: „Mein Name ist Bond. James Bond. Willst Du bei uns als SAP-Entwickler arbeiten?“

Macht man sowas? Ist das gutes Personalmarketing und „on strategy“ mit der Arbeitgeberpositionierung? Ist das am Ende sogar (trotzdem) erfolgreich?

 

Eine Recruiting-Ad für SAP-Entwickler auf Facebook

Immer die Maus im Anschlag.

Die Geschichte geht so los: Man grübelt an einer netten Idee, was man mal wieder neues auf Facebook ausprobieren könnte. So steht man morgens in der Kaffeeschlange im Betriebsrestaurant und Daniel Craig kommt herein. Nur dass der plötzlich nicht mehr Agent, sondern SAP-Entwickler bei den Lechwerken in Augsburg ist. Die kreativsten Ideen hat man ja üblicherweise beim Duschen, Zähneputzen oder nachts, wenn der Bub nicht schlafen will. Dieser Blogpost erzählt als mein Erstlingswerk hier auf dem Personalblogger von einer handgestrickten Recruiting-Aktion, die beim Warten auf den ersten Kaffee des Tages ihren Anfang nahm.

Im Programmierdienst Ihrer Majestät

Daniel Craig arbeitet also bei uns. Zumindest jemand, der aus dem Augenwinkel als 007 durchgehen könnte und sich beruflich wie James jüngst mit Datenkraken beschäftigt. Es ist Oktober, noch 2 Wochen bis #SPECTRE in die Kinos kommt. SAP-Entwickler suchen wir ohnehin. Die Mission: Traffic auf die Stellenanzeige bringen. Szenenwechsel: 4 Tage später stehe ich hinter der Fotografin und der Kollege versucht mir mit seiner Computermaus in den Kopf zu schießen. 2 Stunden später sind 4 Motive im Kasten, 3 werden am Ende online um die Gunst der Zielgruppe werben. Erfolgreich, soviel sei schon verraten.

Meanwhile: Die üblichen Fragen rattern durchs Hirn… Realistic job preview? Wie war das nochmal mit „Menschen suchen doch gar keine Jobs auf Facebook.“? Sind Superhelden nicht sooo 2014?

Die Antworten sind schnell gefunden:

  1. Realistic job preview: Fällt aus. Mit Folter, Schießereien, Giftattacken und Verfolgungsjagden können wir nicht dienen. Ebenso nicht mit gepflegtem Kartenspiel während der Arbeit (das übrigens auch im aktuellen Bond fehlt). Aber muss es darum in jedem Anzeigenmotiv gehen?!
  2. Jobsuche auf Facebook: SAP-Cracks suchen ohnehin keine Jobs. Die lassen sich finden; oder auch nicht. In Netzwerken treiben sie sich aber rum und suchen nach Unterhaltung, Witz und mehr oder weniger geistreichem Blödsinn.
  3. Superheld: James Bond ist kein Superheld – das Cape fehlt. 😉
  4. Arbeitgeberpositionierung: Die alte Kampagne ist, naja – alt. Die neue (korrekt positionierungsbasierte) kommt, steckt aber noch im Entwicklungsstadium fest. Nennen wir es also „Zeitfenster für Experimente“.

Bleibt die zentrale Frage: Kauft das die Zielgruppe? Bauchgefühl, eine Prise „know your enemy customer“ und ein paar Semester Soziologie sagen: Könnte schon klappen, wenn es ausreichend geistreich und bondesk-ironisch rüber kommt. Da man aber nichts sicher wissen kann, bevor man es ausprobiert hat, machen wir es also wie Nike (nicht die von Samothrake): Und spielen unsere Posts auf Facebook mit einem ziemlich spitzen Targeting auf SAP-affine Keywords aus.

Jetzt mag mancher fragen: Wer zum Henker hat sein Facebook-Profil mit nerdigen SAP-Keywords aufgeladen? Das ist doch ein privates Netzwerk!!! Die einfache wie verblüffende Antwort: 170.000 im deutschsprachigen Raum (bei den von uns gesetzten Parametern). Darunter 13.000 mit einer irgendwie messbaren Augsburg-Affinität (d.h. unabhängig vom Wohnort).

Man nehme also…

  • 3 #SAPectre Motive
  • 19 Keywords
  • 2 Targeting-Varianten (1x mit Augsburg-Connection, 1x ohne)
  • 300€ Ad-Budget

…und schaue mal was passiert.

Eine Recruiting-Ad für SAP-Entwickler auf Facebook

Eine der auf Facebook ausgespielten Ads im Stil der 60er.

 

 Die Recruiting-Zielgruppe, die mich liebte

Von 40.106 Facebook-Usern, die Posts bzw. Ads in den sechs Wochen ab Filmstart gesehen haben, klickten 2.068 aufs Motiv und sahen dann über den Link die Stellenanzeige auf unserer Karriere-Website. Als Klickrate gerechnet macht das 4,39 Prozent in der großen Zielgruppe und 9,18 Prozent bei den Augsburg-affinen. Pro Klick haben wir also 0,15 Euro ausgegeben.

2.000 Klicks auf eine SAP-Stellenanzeige. Kauft das also die Zielgruppe? Ja, tut sie.

Ein Zufallstreffer? Vielleicht.

Eine Recruiting-Ad für SAP-Entwickler auf Facebook

SAPectre. Unsere Facebook-Ad mit der besten Klickrate

 

Aber was lernen wir daraus? Hier meine kleine Liste (Listen sind ja en vogue):

  1. Traut Euch was!
  2. Seid aktuell!
  3. Seid originell und/oder lustig! Und stellt sicher, dass ihr das gleiche „lustig“ wie Eure Zielgruppe meint! (Die Runkelrübe zeigt, wie man‘s besser nicht macht.)
  4. Zielt gut! (auch wenn man gerade keine Beretta zur Hand hat)
  5. Vergesst Stock-Fotos!
  6. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.
  7. Make it, take it. (Streetballer wissen Bescheid)

Unser Fazit

Facebook kann für kleines Geld auch die Reichweite von Stellenanzeigen wirksam unterstützen, wenn man es geschickt verpackt. Mit dem Probelauf sind wir recht zufrieden, auch wenn es noch Optimierungsmöglichkeiten gegeben hätte. Für das nächste Mal arbeiten wir an optimiertem Tracking und an den HR-Baustellen, die es für uns trotzdem weiter zu bearbeiten gibt (u.a. Kampagne, Relaunch Website, neu konzipierte Stellenanzeigen, ATS). Wer jetzt gleich noch was zu einem vergleichbaren Case lesen will, schaut am besten mal bei der Wollmilchsau vorbei.

Demnächst dann in dieser Reihe: „Blofeld Insights“ zu internationalem Teambuilding und Projektcontrolling.

 

Stefan Reiser About Stefan Reiser

Wenn ich zurückdenke, bin ich wohl zu HR gekommen, weil mir in meinem Diplom-Pädagogik-Studiengang etwas langweilig war. Also gibt man sich noch ein paar Vorlesungen und Seminare bei den Wirtschaftswissenschaften. Inzwischen bin ich seit 5 Jahren Personalreferent bei der Lechwerke AG, einem regionalen Energieversorger in Augsburg und zugleich RWE-Tochter. Dort kümmere ich mich ums Employer Branding und Personalmarketing. Weiterhin jongliere ich noch Personalcontrolling-Themen und bin unser Mitarbeiterbefragungs-Zaubermeister. Themen, die mich begeistern: Unternehenskultur, Sprache & Semantik, Recruiting auf Augenhöhe, Mitdenken 4.0
Privat sieht man mich in Bewegung, sobald man mir beliebigen Ball zuwirft bzw. -schießt, es Schnee auf den Bergen hat oder mein Sohn unvorhergesehene Dinge tut. Mehr von mir zu lesen gibt es insbesondere auf Twitter, hin und wieder auch auf XING.

Comments

  1. Die für mich spannendste Frage ist: Hat die ganze Sache Bewerbungen generiert? 🙂

Trackbacks

  1. […] durch die Facebook-Aktion, wo der letzte James-Bond-Film #SPECTRE als Aufhänger genutzt wurde, SAP-Entwickler via Facebook-Ad anzusprechen. Die Aktion brachte zwar nicht den gewünschten Entwickler, aber jede Menge Reichweite […]

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