Digital ohne Wenn und Aber?? – Das neue Recruiting-Mind Set!!

Jetzt ist sie da, die besinnliche Vorweihnachtszeit, die Zeit, in der man zurückblickend auf ein Jahr Resümee zieht und auch voller Tatendrang auf ein neues Jahr nach vorne schaut. Ich will heute ein wenig zurückschauen und mir quasi Gedanken über Gedanken machen. Über das Recruiting Mind Set um genau sein. Denn ein neues Mind Set braucht ja jetzt jeder Recruiter! Dies war eine der Forderungen die ich dieses Jahr immer und immer wieder gelesen, gehört und mit vielen darüber gesprochen habe – das, und über KI. Aber die lassen wir jetzt einmal außen vor. Aber was ist denn nun dieses „neue“ Recruiting-Mind Set das wir – ich benötige? Was ist denn überhaupt ein Mind-Set und wieso braucht das ein Recruiter? Gehen wir einmal auf die Suche.

Mind Set – König oder Störenfried

Da ja alle davon reden scheinen ja auch alle eines zu haben –  so ein Mind Set. Mir ist ab und zu nicht immer ganz klar, ob das gut ist oder am besten weg kann. Grundlegen wird, wenn von Mind Set gesprochen wird eine persönliche Haltung, eine Zusammenstellung oder auch von einer ganz eignen Sammlung an persönlichen und individuellen Einstellungen, Werten, Überzeugungen und Prinzipen gesprochen. Also eigentlich unsere innere Haltung die wir über die Jahre hinweg gelernt, trainiert und in uns manifestiert haben. Es ist der geistige Einfluss der den Ausschlag gibt wie wir Gegebenheiten interpretieren und auch wie wir dann entscheiden. Schauen wir einmal in ein Unternehmen und dort auf die Organisationseinheiten, also auf die Teams oder Abteilungen spricht man da auch von Team-Mind Set. Das wird dann meistens dazu benutzt um die vorhandene Team-Kultur zu beschreiben. Das Corporate Mind Set ist dann das große Ganze und soll die Unternehmenskultur zusammenfassen und zwar in den recht konkreten Überzeugungen und Einstellungen der Firma und nicht in der Hochglanzversion der Imagebroschüre.

Carol Dweck, eine Sozialpsychologin hat sich eingehend mit dem Mind Set von Menschen auseinandergesetzt und hat das auch richtig beforscht. In ihren Studien fand sie heraus, dass es zwei gegenüberstehende Mind Sets bei Menschen gibt: Das „Growth Mind Set“ und das „Fixed Mind Set“. Beide zeigen auf, wie eine Person mit Misserfolgen umgeht, wie sie zum Thema Lernen steht, was sie von Leistung hält und wie Leistungsbereit sie grundsätzlich ist. Personen, die mit einem „Fixed Mind Set“ ausgestattet sind, sind der Meinung, dass persönliche Ausprägungen wie Intelligenz und Fleiß und die sich draus ergebenen Resultate fix und nicht entwickelbar sind. Sie meiden Herausforderungen, geben schnell auf und sehen ihre eigene Intelligenz als den Treiber ihrer Erfolge. Sie stehen auch sehr auf Erfolg und denken sie müssen sich immer beweisen. Entwicklungsmöglichkeiten werden von ihnen konsequent gemieden. Auf der anderen Seite steht das „Growth Mind Set“. Personen mit einem „Growth Mind Set“ sehen ihre eigenen Fähigkeiten als stetige Entwicklung und Erfolgsgarant an. Sie mögen Fleiß und Anstrengungen denn sie glauben daran, dass daraus dann auch letztendlich Erfolg resultiert. Lernen ist für sie Freude und bedeutet Erfolg. Fehler betrachten sie als Lernmöglichkeiten und sie geben nicht auf. Feedbacks werden gefordert und konsequent genutzt.

Eine krasse schwarz-weiß Gegenüberstellung. Ob es das so in Reinkultur gibt glaube ich nun kaum, aber sicherlich gibt es beide Varianten in unterschiedlichster Ausprägung. Halten wir aber einmal fest, dass es sich beim Mind Set um erlernte bzw. erlernbare Haltungen und Denkweisen handelt, die wir dazu benutzen um Situationen und Gegebenheiten zu bewerten, interpretieren und auch daraus unsere Handlungen ableiten.

Recruiting Mind Set – alles auf Neu?

Sprechen wir vom einem Recruiting Mind Set, dann würde ich sagen geht es sicherlich eher um das „Growth Mind Set“ als ein grundlegendes must have. Eine stetig mit Freude lernende und angstfreie Recruiting-Haltung und ein sich an der Herausforderung messendes Recruiting wäre mit Sicherheit ein zum Idealmodell stilisiertes und in den höchsten Olymp gehobenes Recruiting, dass so in Reinform auch nicht existieren wird und kann. Aber eine schöne Vorstellung wäre es und Zielsetzung ist es dennoch. Wenn ich dann im Sinne eines Rückblicks auf das Recruiting Mind Set im Jahr 2017 schaue und mir zusammenfassend überlege, was denn hier und da richtigerweise als notwendiges Recruiting Mind Set proklamiert wurde, dann lassen sich verschiedene Mind Set Strömungen oder auch verschiedene Sub Mind Sets clustern:

Digital ist Pflicht und Kür zugleich – einmal alles neu

Wenn ein Recruiter nicht verstanden hat, dass das Leben in rein digitaler Form von Statten geht, sollte er/sie schleunigst der Realität ins Auge Blicken und einmal das wahre Leben um sich herum wahrnehmen. Es gibt kaum noch Prozesse des alltäglichen Lebens die nicht irgendwann in einem digitalen Szenario enden – so ist es auch im Recruiting. Die Digitalisierung wird zunehmen und zwar in einer Geschwindigkeit die nicht mehr zurückzudrehen ist. Recruiter – werde digital und ändere deine Einstellung und Haltung zur digitalen Welt!

Mensch-Maschine – die neue Lebensform

Kollege Maschine wird Alltag werden. Arbeitsschritte werden mit Maschinen in unterschiedlichster Form flankiert die mit unterschiedlichster Wertschöpfungstiefe zum Arbeitsergebnis beitragen. Recruiting wird an vielen Prozessschritten maschinelle Helfer bekommen die immer wieder direkt in das Recruiting-Geschehen eingreifen. Lernt zu verstehen, das Mensch-Maschinenschnittstellen Normalität werden und zum Begleiter eures Recruiting-Alltags!

Menschen und Recruiter im Zentrum – Maschinen, naja

Im Recruiting geht es um Menschen! Die Maschinen versuchen die Recruiting-Herrschaft zu übernehmen und wir Recruiter müssen schauen, dass dies nicht passiert. Künstliche Intelligenz ist dafür der Wegbereiter. Wir Recruiter dürfen den Lead bei der Arbeit, in der Rekrutierung und in der Interaktion mit Bewerbern und Kandidaten nicht abgeben und müssen die Maschinen immer im Auge behalten und sie permanent kontrollieren. Merke dir, dass Maschinen den Recruiter überholen wollen und wehre dich dagegen.

Alles schlecht was alt – neu denken, neu machen – dann gut

Neues muss her! Wir haben in der Vergangenheit im Recruiting permanent so viel falsch gemacht und müssen in der Zukunft so viel richtigmachen. Setzten wir einfach das bisherige Recruiting komplett auf den Prüfstand, denken es neu und werfen alles was war über Bord – es war nämlich nicht gut. Denke immer daran: Nur das Neue und neu gedachte Recruiting bringt den benötigten Fortschritt und ist gut für uns Recruiter und besonders für Bewerber und Kandidaten!

Beta ist das neue Leben

Das Leben das sich um das Recruiting abspielt ist schnell und wird schneller und bleibt nicht mehr stehen. Die (Recruiting-)Technologie und Anderes entwickelt sich rasend schnell. So schnell, dass eigentlich nichts mehr richtig fertig werden kann bevor es schon wieder etwas Neues gibt. Wir müssen lernen, in einem ständigen Zustand der Betaversionen zu leben und immer auch ein wenig Versuchskaninchen für die nächste Betaversion zu sein. Recruiter – seid Beta!

Recruiting Mind Set – als AdOn

Vielleicht ist ein richtig gutes Recruiting Mind Set eine Mischung aus alldem was ich da oben auch ein wenig überspitzt dargestellt habe. Im Recruiting haben wir es eben mit allen Menschen und Rahmenbedingungen zu tun – Zielgruppen eben – weißt schon;) Wir müssen uns auf alles Mögliche einstellen und daher muss die Frage lauten: Können wir es uns leisten nur ein Mind Set zu haben? Oder brauchen wir eher ein extremes „Growth Mind Set“ hinterlegt mit permanenter Neugier und dem Wissen, dass die Welt in der wir leben natürlich in eine digitale Welt übergeht, dass Maschinen in Schnittstellen Arbeit übernehmen und KI auch wertvolle Unterstützung leisten kann. Aber wir sollten dabei auch nicht vergessen, dass um diese Maschinen und Technologien herum im Zentrum dieser digitalen Prozesse der Mensch steht und im Driver Seat sitzt – als Recruiter genauso wie als Bewerber und Kandidat. Daher brauchen wir ein AdOn Mind Set, dem wir in dieser digital volatilen High-Speed-Welt zu unseren Grundhaltungen, Werten und Überzeugen die notwendigen neuen Entwicklungen hinzutun um auf Situationen richtig und angemessen reagieren können – das Long-Term versteht sich. Einfach mal „Reset“ drücken und schon ist es da, dass neue Mind Set geht nicht. Wir müssen uns dieses erarbeiten und uns selbst anpassen und dies auch wollen.

Ich glaube und bin mir ziemlich sicher, dass uns die Mind Set Diskussion noch eine ganze Weile beschäftigen wird. Finde ich gut und ich werde das gerne weiter verflogen und mir meine Gedanken dazu machen. Wir lesen uns 2018 hier wieder. Bis dahin!

Michael Witt About Michael Witt

Nach meiner Ausbildung zum Tischler habe ich Sozialarbeit in Weingarten studiert und war danach 7 Jahre im Bereich der Beruflichen Fort- und Weiterbildung tätig. Dort war ich neben der Aufgabe als Seminarleiter vor allem als Koordinator für die konzeptionelle Entwicklung und Implementierung von Bildungsmaßnahmen im beruflichem Kontext verantwortlich und betreute dabei mehrere Standorte in Oberschwaben. Während dieser Zeit schloss ich den berufsbegleitenden MBA Studiengang ab und wechselte daraufhin in die Personaldienstleistung als Head of Recruiting. Seit 2013 beschäftigte ich mich in leitenden Konzern-Funktionen mit sämtlichen Facetten des nationalen und internationalen Recruitings. Dabei reichen meine Arbeitsinhalte von strategisch konzeptionellen Themen, über die Planung und Umsetzung operativer Recruiting Kampagnen bis hin zu Employer Branding und Personalmarketing.

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